Tauberbischofsheim

Blick in die Geschichte der Landwirtschaft In den 50er und 60er Jahren schnitt man das Korn mit Kleinmähdreschern

Als der Fahrer noch im Freien saß

Archivartikel

Während die Landwirte heutzutage mit Hightech-Mähdreschern zur Erntezeit arbeiten, waren es in den 50er und 60er Jahren Kleinmähdrescher mit VW-Käfer oder Mercedes Benz Motor.

Hochhausen. Jetzt brummen sie wieder, landauf und landab die Giganten der Erntezeit, die Mähdrescher. Hightech Maschinen, die keine Wünsche an Bedienung und Komfort offen lassen.

Hoch über Haspel, in einer klimatisierten und vollverglasten Kommandozentrale, steuert der moderne (Landwirt) Unternehmer, mit Unterstützung von GPS, diesen Giganten über das Getreidefeld. Gierig frisst sich das Schneidewerk in das Kornfeld, drischt die Körner aus den Ähren, fördert sie in den Tank, und bläst das fein gehäckselte Stroh, in einer gigantischen Staubwolke, auf den Acker.

In den 50er und 60er Jahren begann die Ära der Kleinmähdrescher, auch im Taubertal. Als die Felder noch klein und weit auseinander lagen, waren die Mähdrescher auch kleiner und nicht so leistungsfähig wie heute.

Ein begehrtes Objekt war der Claas Columbus oder Claas Europa, der mit 2,1 Metern Schnittbreite eher zu den Kleinmähdreschern gehörte. Ausgestattet mit einem VW Käfer Motor mit 27 PS oder dem etwas stärkeren Dieselmotor von Mercedes Benz mit 34 PS. Sackstand oder Körnertank, das war oft eine Geldfrage. Meist taten sich zwei, manchmal auch mehrere Landwirte zusammen, um sich ein solches Gefährt, das damals um die 12 000 Mark in der Anschaffung kostete, sich diese zu teilen. Morgens in der Frühe, wenn das Getreide noch feucht und zäh war, und man es noch nicht dreschen konnte, wurde das Gerät gereinigt, abgeschmiert und der Tank mit Kraftstoff befüllt, ehe es auf das Feld ging. War die Dreschleistung der damaligen Mähdrescher auch bescheiden, so war man froh, nicht mehr von Mähbindern, und demzufolge auch von der großen Dreschmaschine abhängig zu sein.

Die Firma Claas aus Hansewinkel in Ostwestfalen, stellte in den 50er und 60 Jahren zirka 60 000 solcher selbst fahrender Schüttelmähdrescher her. Die zuerst silbrig lackierten Drescher wurden später grün lackiert, da die Sonneneinstrahlung und dadurch entsprechende Blendung in den südeuropäischen Ländern zu groß war.

Heute sieht man die alten Mähdrescher nur noch selten im landwirtschaftlichen Einsatz.

Doch hie und da erblickt man sie in Museen oder bei Heimattagen zu Schauzwecken aufpoliert Ab und zu findet man auch so ein Schätzchen in alten Scheunen und wenn man Glück hat werden sie auch ans Licht geholt und laufen lassen. So geschehen in Hochhausen bei Berthold Hofmann, der sein Schätzchen immer wieder einmal aus seiner Halle holt, ein paar Liter Diesel tankt und das Ungetüm zum Leben erweckt.

Sein Vater hat den Mähdrescher von Sackstand auf Körnertank umbauen lassen, weil man dadurch eine Person weniger auf der Maschine brauchte. Stolz erzählt er von alten Zeiten und auch der Mühe und Plage die ein Dreschtag mit sich brachte.

Saß doch der Fahrer ungeschützt auf seinem Führerstand, der prallen Sonne, dem Staub und dem Lärm ausgesetzt. Wenn der Tag zu Ende ging, und die geplanten Hektar gedroschen waren, waren alle zufrieden.

Und wenn morgens die Sonne scheint und die Halme trocken sind, dann brummen es wieder auf den Feldern, die Giganten der Neuzeit, und manchmal auch eiln „Altes Schätzchen“ dazwischen.

Michael Kaufman