Tauberbischofsheim

Politische Diskussionsrunde Europa-Abgeordnete Dr. Inge Gräßle sprach mit Vertretern der Wirtschaft, Kommunalpolitikern und Bürgern über den Brexit

Am Ende wird es auf beiden Seiten nur Verlierer geben

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Ein Jahr vor dem Austritt Großbritanniens aus der EU traf die Europa-Abgeordnete Dr. Inge Gräßle, Vorsitzende des EU- Haushaltskontrollausschusses, mit Vertretern der Wirtschaft und Bürger in das Hotel St. Michael in Tauberbischofsheim zusammen.

Gewaltige Auswirkungen

Zwar sei ein Teil des Austrittsabkommens bereits formuliert, doch es blieben noch viele Fragezeichen, stellte die EU-Abgeordnete fest. Vor allem müsse noch geklärt werden wie sich die Handelsbeziehungen zwischen Großbritannien und der EU nach dem Austritt darstellen sollen. Sicher sei allerdings schon jetzt, dass die Auswirkungen für Wirtschaft und Bürger auf beiden Seiten gewaltig sein werden. Sie sei deshalb auch erstaunt darüber, dass sich stark exportorientierte Firmen bis jetzt kaum mit dem Thema ernsthaft beschäftigen, betonte Inge Gräßle.

Landrat Reinhard Frank hob in seinem Grußwort die Notwendigkeit der Freizügigkeit von Waren und Dienstleistungen als Grundlage des Wohlstands in Deutschland hervor.

Im darauffolgenden Vortrag beleuchtete der Geschäftsführer der Rauch Möbelwerke in Freudenberg, Michael Stiehl, das Thema allgemein und aus Sicht des Unternehmens. Als ein Unternehmen das traditionell mit Großbritannien wirtschaftlich verbunden sei, mache man sich sehr wohl Gedanken über die Zeit nach dem Brexit, betonte Stiehl.

Im Übrigen sei Großbritannien drittgrößter Abnehmer deutscher Exporte. Mehr als 2500 deutsche Unternehmen seien wirtschaftlich mit der Insel verbunden, so Geschäftsführer Stiehl. Unumstritten sei schon jetzt, dass die EU nach dem Austritt von England nicht unerheblich wirtschaftlich schwächer sein wird.

Viele Firmen werden gezwungen sein ihre Wertschöpfungskette zu überprüfen. Abschottung, Handelshemmnisse, Wechselkursrisiken und damit einhergehender Rückgang des Handels mit Großbritannien nannte Stiehl als Nachteile die eintreten könnten. In Richtung der Europaabgeordneten forderte Stiehl die Politik auf alles Erdenkliche zu tun, um die zweifellos bestehenden Gefahren durch gute Verhandlungen zu minimieren.

„Der Brexit wird am Ende vermutlich nur Verlierer produzieren“, diese These stellte Bernhard Kuhn, Personalleiter der Weinig AG, an den Anfang seiner Ausführungen.

Er betonte ebenfalls, dass zunächst einmal die Politik gefordert sei Regelungen zu schaffen um die negativen Auswirkungen für die Wirtschaft in Grenzen zu halten. Die Weinig AG habe eine Niederlassung in England und als Personalverantwortlicher müsse er immer wieder feststellen, dass bereits jetzt schon innerhalb der EU zum Beispiel die Mitarbeiterentsendung viele überflüssige Regelungen enthalte und damit zu bürokratisch und zu aufwendig sei, betonte Kuhn.

Er könne sich vorstellen, dass ein gut ausgehandeltes Freihandelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien dazu beitragen könnte Regelungen zu finden mit denen beide Seiten leben könnten.

In Anbetracht der zweifellos vorhandenen anti-europäischen Stimmung in vielen EU Ländern wird dies sicher kein leichtes Unterfangen sein. Die Politik müsse trotz aller Schwierigkeiten den Rahmen setzen in dem sich die Unternehmen rechtssicher bewegen könnten, gab Bernhard Kuhn der EU-Abgeordneten Inge Gräßle mit auf den Weg.

Es schloss sich eine rege Diskussion an, bei der auch die „Irlandfrage“ zur Sprache kam.

Hierzu stellte die Europapolitikerin fest, dass es ohne die Lösung dieser Frage keine Vereinbarung mit Großbritannien über den Brexit geben könne. Ein sogenannter harter Brexit sei dann unvermeidbar, was niemand im ernst wolle.

„Ich nehme Ihre Vorschläge gerne mit und betrachte diese als wichtige Anregungen für meine künftige Arbeit in Brüssel“, betonte Dr. Inge Gräßle abschließend.