Tauberbischofsheim

Freiwillige Feuerwehr Tauberbischofsheim Wehr bewirbt sich beim Conrad-Dietrich-Magirus-Award 2018 der Firma Magirus um den Titel in der Kategorie „Nationales Feuerwehrteam des Jahres“

Den „Oscar der Feuerwehrbranche“ im Visier

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Die Freiwillige Feuerwehr Tauberbischofsheim hat sich, wie zahlreiche Feuerwehren aus dem gesamten Bundesgebiet sowie dem Ausland, für den CDM-Award 2018 der Firma Magirus (Hersteller von Aufbauten für Feuerwehrfahrzeuge) beworben. Bewerbungsvoraussetzung ist die Bewältigung einer herausfordernden Einsatzlage, insbesondere durch Teamwork. Der Name der Kategorie, für die die Bewerbung erfolgte, lautet: „Nationales Feuerwehrteam des Jahres“ (daneben gibt es: „Internationales Feuerwehrteam des Jahres“ und „Sonderpreis für Soziales Engagement“).

Beworben hat sich die Feuerwehr Tauberbischofsheim mit der Bewältigung des Brandes des Dormitoriums sowie Teilen des Klosterhofs im November 2016. Die Bewerbung erfolgte online, nach der Tagung einer Fachjury wurden die Vertreter der Feuerwehr darüber in Kenntnis gesetzt, dass man unter den von der Jury ausgewählten zehn besten Teams in der Kategorie sei.

Bis zum 27. Januar findet nun ein Online-Voting statt. Die Preisverleihung findet am 1. März in Ulm (Stammsitz der Firma Magirus) statt. Hierzu ist die Feuerwehr Tauberbischofsheim mit einer Abordnung von acht Mitgliedern eingeladen. Der Hauptpreis in der Kategorie ist eine Gruppenreise zum Fire Department New York City, der größten Feuerwehr der Welt.

Einsatzbericht

Am 6. November 2016 wurde die Freiwillige Feuerwehr Tauberbischofsheim um 4.17 Uhr mit dem Alarmstichwort „unklare Rauchentwicklung innerorts“ alarmiert. Was sich zunächst nach einem Routineeinsatz anhörte, sollte sich zu einem über 16 Stunden währenden Einsatz entwickeln, der die Feuerwehren der gesamten Region vor eine Herausforderung stellte und in hohem Maße Teamwork, Einsatzbereitschaft und einen hohen Materialeinsatz forderte.

Bereits auf der Anfahrt zum Gerätehaus konnten Kameraden, die in der Nähe der angegebenen Einsatzstelle wohnen, dichten Rauch und am Brandobjekt selbst offenes Feuer wahrnehmen. Bei diesem handelte es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude, in dem das Bauamt der Stadtverwaltung von Tauberbischofsheim untergebracht ist.

Zeitgleich ging diese Meldung durch die im Gerätehaus eingetroffenen Einsatzkräfte und das Führungs- und Lagezentrum der Polizei bei der Integrierten Leitstelle Main-Tauber ein. Aufgrund der Ausdehnung des Feuers und unter Kenntnis der örtlichen Begebenheiten wurden durch die Einsatzleitung sofort umfangreiche Maßnahmen getroffen: Noch während dem Ausrücken der ersten Einsatzkräfte wurde das Alarmstichwort auf Dachstuhlbrand erhöht, die Abteilungen Distelhausen und Dittigheim der Feuerwehr Tauberbischofsheim zum Aufbau einer Wasserversorgung lange Wegstrecke sowie die Feuerwehr Bad Mergentheim mit einem Löschzug inklusive einer zweiten Drehleiter angefordert.

Bei Eintreffen an der Einsatzstelle wurde die Feuerwehr Lauda-Königshofen mit einem weiteren Löschzug angefordert, nur kurze Zeit später die Abteilungen Dienstadt und Dittwar der Feuerwehr Tauberbischofsheim mit weiteren Atemschutzgeräteträgern. Aufgrund der teilweise langen Anfahrtswege weiterer Rettungsmittel gingen die ersten Einsatzkräfte zunächst ohne Unterstützung vor; hier kamen bis zu drei Trupps im Innenangriff sowie ein Trupp über die Drehleiter der Feuerwehr Tauberbischofsheim zum Einsatz. Mit dem Eintreffen der Drehleiter aus Bad Mergentheim konnte eine Riegelstellung im Dachbereich über zwei Drehleitern gestellt werden, die ein Weiterlaufen des Feuers in den Ostflügel des angrenzenden hufeisenförmigen Gebäudes verhinderte. In diesem befindet sich neben der Stadtverwaltung auch ein Café.

Um aber auch die auf der anderen Seite an das Brandobjekt angrenzende Kirche zu schützen und das Dach des Brandobjektes selbst zu öffnen, wurden weitere Hubrettungsfahrzeuge benötigt. Die Einsatzleitung entschied zu diesem Zweck die Nachalarmierung der Drehleitern aus Hardheim im benachbarten Neckar-Odenwald-Kreis, sowie kurze Zeit später aus Weikersheim im südlichen Main-Tauber-Kreis.

Weitere Alarmierung

Noch während deren Anfahrt zündete der Dachstuhl des Brandobjekts durch. Mit ihrem Eintreffen begann für die Drehleiter aus Hardheim, die aufgrund der veränderten Lage ebenfalls mit weiteren unterstützenden Fahrzeugen ausgerückt war ein Außenangriff von der Hofseite, die Kameraden aus Weikersheim wurden von der Straßenseite aus am gleichen Teil des Dachs tätig.

Zur Sicherstellung ausreichender Zahlen von Personal und Atemschutzgeräten wurde die Feuerwehr Werbach nachalarmiert, zusätzlich brachte die Feuerwehr Bad Mergentheim ihren Gerätewagen Transport mit Atemschutz-Komponente in den Einsatz. Als die Lage sich gegen 10 Uhr vormittags entspannte, begannen die Nachlöscharbeiten und die aufwändige Suche nach Glutnestern in den thermisch stark beanspruchten Räumen der Stadtverwaltung, insbesondere im Archiv des Bauamtes.

In dieser Phase des Einsatzes fiel die parallele Alarmierung der Feuerwehr Tauberbischofsheim durch eine Brandmeldeanlage in einem Alten- und Pflegeheim. Durch die Zusammenstellung einer Gruppe aus Einsatzkräften, die gerade am Sammelplatz auf weitere Befehle warteten, konnte ein für diesen Fall an der Einsatzstelle vorgehaltenes Löschgruppenfahrzeug der Feuerwehr Bad Mergentheim besetzt werden, welches gemeinsam mit dem Kommandowagen der Feuerwehr Tauberbischofsheim mit einem Zugführer die Einsatzstelle anfuhr. Eine der Drehleitern wurde vorsorglich in Abmarschbereitschaft versetzt, ihr Eingreifen an der zweiten Einsatzstelle war jedoch nicht erforderlich.

Gegen 13 Uhr wurden zur Unterstützung und Ablösung der eingesetzten Feuewehrleute die Abteilungen Hochhausen und Impfingen der Feuerwehr Tauberbischofsheim alarmiert, parallel wurden nach und nach immer mehr Einsatzkräfte aus dem Einsatz entlassen. Die Nachlöscharbeiten, das Öffnen der Dachhaut, deren provisorischer Verschluss und die Suche nach Glutnestern, bei der mehrere hundert Kilo (nasse) Akten ins Freie befördert werden mussten, zogen sich bis in die frühen Abendstunden.

Am darauffolgenden Montag, knapp zwölf Stunden nach Verlassen der Einsatzstelle, wurde die Feuerwehr Tauberbischofsheim erneut zu Nachlöscharbeiten alarmiert. Hierbei mussten Wände teilweise geöffnet werden, da die Glut sich tief in die jahrhundertealten Balken hineingefressen hatte.

Die Einsatzleitung bei beiden Einsätzen hatte Kommandant Michael Noe, bei ersterem unterstanden ihm ein Zugführer zur besonderen Verfügung, mehreren Abschnittsleiter und die Führungsgruppen der Feuerwehren Lauda-Königshofen und Tauberbischofsheim; beratend ergänzt durch den Kreisbrandmeister, Bürgermeister und Stadtverwaltung, Energieversorger, Wasserwerk und Verantwortliche der Kirche.

Vier Drehleitern im Einsatz

Insgesamt waren rund 120 Einsatzkräfte der Feuerwehren, unterstützt durch dutzende haupt- und später ehrenamtliche Angehörige des Rettungsdiesnstes im Einsatz. Die Anfahrtswege der Feuerwehren lagen zwischen 400 Meter (FW Tauberbischofsheim), rund zehn bis 20 Kilometer (FW Lauda-Königshofen, FW Hardheim, FW Bad Mergentheim) und über 32 Kilometer (FW Weikersheim).

Vermutete Brandursache ist ein technischer Defekt. Begünstigt wurde die Brandausbreitung dadurch, dass keine Brandmeldeanlage installiert war und die Detektionszeit so erheblich verlängert wurde.

Die Wiedereröffnung des Gebäudes wurde im Juni 2018 gefeiert, die Instandsetzung kostete insgesamt knapp 2,8 Millionen Euro.

Insbesondere das Zusammenziehen von vier Drehleitern, welches im ländlichen Raum absolut unüblich, im vorliegenden Fall aber notwendig war, spricht für eine Bewerbung für den Conrad-Dietrich-Magirus Award.

Bis 27. Januar hat man die Chance, jeweils einem Team unter https://www.magirus-group.com/de/de/serving-hero-es/conrad-dietrich-magirus-award/ seine Stimme zu geben.