Tauberbischofsheim

Wirtschaft Die Firmengründungen sind im 2017 gegenüber dem Vorjahr im Main-Tauber-Kreis zurückgegangen

Der Gründergeist schwächelt ein wenig

Archivartikel

Der Gründergeist hat im Gegensatz zu den Vorjahren im Jahr 2017 im Main-Tauber-Kreis ein wenig nachgelassen.

Main-Tauber-Kreis. Lässt sich Gründergeist messen? Die Statistik sagt ja und nimmt die Gewerbeanmeldungen und die Bevölkerung als Maßstab. Denn eigentlich müssten überall im Land alle gleich scharf drauf sein, Chef oder Chefin oder zumindest selbstständig zu werden.

Ist aber nichts so: Bezogen auf die Gewerbeanmeldungen hatte der Main-Tauber-Kreis bis Ende 2017 rund 60 Firmengründer und -gründerinnen je 10 000 Einwohner. Das ist Platz 342 in der Gründerbundesliga unter 403 ausgewerteten Stadtstaaten, Stadt- und Landkreisen. Rechnet man in Punkten, dann hatte der Spitzenreiter Offenbach am Main 174 Punkte (Vorjahr: 183 Punkte) und das neue Schlusslicht Kreis Altenburger Land rund 38.

Bundesweit schrumpft die Lust am Unternehmertum: 2017 wurden in Deutschland 80 394 weniger Gewerbeanmeldungen abgegeben als noch 2012. In der Region sieht es nicht besser aus, da liegt das Minus beim Vergleich dieser beiden Jahre bei 109 Gründungen. Die jüngste Entwicklung zeigt im Main-Tauber-Kreis, dass die Zahl der Gewerbeanmeldungen bis Ende 2017 mit 790 Anmeldungen um 55 im Vergleich zu 2016 zurückging.

Der Gründergeist ist in Deutschland gut messbar, denn Deutschland hat da einen bürokratischen Vorteil: Am Anfang eines etwaigen unternehmerischen Erfolges steht immer die Gewerbeanmeldung (nur Freiberufler brauchen die nicht). Über sie wird die gewerbliche Entwicklung im Vergleich zu anderen Staaten recht genau erfasst. Aktuell liegen in der von den Statistischen Landesämtern betriebenen Regionaldatenbank die Zahlen aus den Gewerbeämtern bis zum 31. Dezember 2017 vor. Im Main-Tauber-Kreis lautet die Zeitreihe bei den Gewerbeanmeldungen 2017: 790 Anmeldungen, 2016: 845, 2015: 821 Gründungen, 2014 wagten 826 den Schritt in die Selbstständigkeit.

Jetzt mit der Bevölkerungszahl abgleichen und heraus kommt ein bundesweit vergleichbarer Wert. Freilich sagt der so für 2017 errechnete Wert von 60 Firmengründern und -gründerinnen je 10 000 Einwohner nur wie groß der Drang in die Selbstständigkeit ist. Die Erfolgschancen zu beurteilen, die sich am Ende in Arbeitsplätzen, lokaler Wirtschaftskraft und interessanten Unternehmen niederschlagen, ist schwieriger.

Dafür schätzen die Statistiker die Chancen der Gründung ab, soweit das möglich ist: 2017 bekamen von den 790 Gewerbeanmeldungen im Main-Tauber-Kreis insgesamt 645 das Prädikat „Neuerrichtungen’’, womit Gewerbe beschrieben werden, die es vorher noch nicht gab.

In denen wiederum wurden 126 als „Betriebsgründungen’’ eingestuft, denen die Experten eine größere wirtschaftliche Bedeutung beimessen, weil sie meinen, dass diese Firmen und Betriebe auf Sicht wirtschaftlichen Erfolg und Arbeitsplätze bringen.

2016 hatte deren Zahl bei 133 gelegen. Diese besonders wichtigen Gründungen lagen 2017 im Main-Tauber-Kreis also um sieben niedriger als im Vorjahr.

Es muss auch nicht jeder unbedingt ein neues Unternehmen gründen. Nicht nur Chinesen kaufen Firmen auf.

Deswegen müssen auch die 752 Gewerbeabmeldungen genauer angeschaut werden. Nur 604 waren 2017 „echte Aufgaben’’, aber von diesen wiederum waren nur 105 sogenannte „Betriebsaufgaben’’, bei denen auch von größeren Arbeitsplatzverlusten auszugehen ist.

Dagegen steckten in den Abmeldungen auch 66 Betriebe, die an Nachfolger oder Käufer übergeben wurden, also bei den Anmeldungen in der Zahl der Übernahmen mit 71 größtenteils wieder auftauchen und bei denen unterm Strich die Arbeitsplätze nicht unbedingt verloren gegangen sind.

Bleibt ein letzter Indikator für das lokale Gründungsgeschehen: Zieht man die 752 Gewerbeabmeldungen von den Gewerbeanmeldungen ab, blieb 2017 ein Gründersaldo von plus 38 Gründerinnen und Gründern, die Hoffnung auf zusätzliche Jobs machen.

Ist das jetzt gut oder schlecht? Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bringt jedes einen Gründungsmonitor auf den Markt. Die Überschrift des KfW-Gründungsmonitors 2017 lautet „Beschäftigungsrekord mit Nebenwirkung: So wenige Gründer wie nie.’’ Oder: Wenn die Menschen satt sind, sind sie nicht hungrig auf Selbstständigkeit. Und je weniger neue Chefs, desto weniger Chancen auf künftige Arbeitsplätze. teb