Tauberbischofsheim

Schuhhaus Gattner-Finke Inhaberin Doris Finke fällt die Schließung ihres alteingesessenen Geschäfts in der Bahnhofstraße nicht leicht

Der richtige Zeitpunkt zum Aufhören

Sie zieht sich mit einem weinenden und einem lachenden Auge aus dem Tauberbischofsheimer Einzelhandel zurück: Doris Finke schließt ihr Schuhhaus und geht in Ruhestand.

Tauberbischofsheim. Sobald jemand ihren Laden betritt, erkennt Doris Finke mit geschultem Blick sofort, welche Schuhgröße gebraucht wird – egal ob es sich um Kinder, Frauen oder Männer handelt. Denn der Schuhverkauf ist seit fast 50 Jahren das Metier der Tauberbischofsheimerin.

Sie übt ihren Beruf mit großem Engagement und – wie sie selbst sagt – „mit Herzblut“ aus. Das und die individuelle Beratung schätzen nicht nur ihre vielen, teilweise schon seit Jahrzehnten treuen Stammkunden besonders.

Deshalb ist ihr die Entscheidung, ihren Laden in der Bahnhofstraße aufzugeben, alles andere als leicht gefallen, bekennt sie im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten. Immerhin hätte sie in diesen Monaten dessen 95-jähriges Bestehen feiern können. Doch seit sie sich zur Schließung durchgerungen habe, freue sie sich auf ihr künftiges Rentner-Leben.

„Endspurt“

„Jetzt geht’s zum Endspurt“, blickt sie auf den anstehenden Total-Ausverkauf, der am Donnerstag, 2. Juli, beginnt. Diesen Mittwoch bleibt das Geschäft geschlossen, damit Doris Finke letzte Vorbereitungen treffen kann.

Eröffnet wurde das Schuhhaus Gattner-Finke in der Tauberbischofsheimer Bahnhofstraße im Jahr 1925 von Doris Finkes Großeltern Franz und Therese Zubrod. Sie verkauften damals aber nicht nur Schuhe, sondern auch Lebensmittel. Diese gab es vorne im Laden. Dahinter, abgetrennt durch eine halbhohe Wand, wurde das Schuhwerk verkauft.

Schuhe auf Bezugsschein verkauft

Der Geschäftsbetrieb lief auch während des Zweiten Weltkriegs weiter. So weiß die gelernte Kauffrau im Einzelhandel aus Erzählungen ihrer Mutter Johanna Gattner, dass auf Bezugsschein Lebensmittel und Schuhe verkauft wurden.

Auf Letztere konzentrierte sich Johanna Gattner nach der Aufgabe des Lebensmittelbereichs im Jahr 1962. Damals übernahm sie von ihren Eltern das Geschäft. Dessen Führung gab sie 1975 an ihre Tochter Doris Finke und deren Ehemann ab. Als dieser früh starb, führte Finke das Geschäft mit zeitweiser Unterstützung einer Aushilfe alleine weiter.

Zurückblickend auf ihr jahrzehntelanges Wirken als Geschäftsfrau sagt sie: „Ich habe es noch keinen Tag bereut. Aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt zum Aufhören gekommen.“

Im Laufe ihres Arbeitslebens hat Doris Finke schon manche Veränderung in ihrem Schuhhaus und auch im Tauberbischofsheimer Einzelhandel miterlebt. „Ganz früher war die Bahnhofstraße die Hauptstraße.“ In jedem Haus dort habe es ein Geschäft gegeben. „Damals waren wir 1A-Lage, heute sind wir 1B-Lage.“ So wüssten viele Leute nicht, „dass hier oben noch ein Schuhgeschäft ist“.

Veränderungen

Doch nicht nur die Anzahl der Läden sei zurückgegangen, zieht Doris Finke Bilanz. Auch das Einkaufsverhalten der Kunden habe sich verändert. „Vieles geht nur noch über den Preis“, weiß die Tauberbischofsheimerin aus Erfahrung. Hinzu komme eine zunehmende Zahl an Onlineshops, welche dem Einzelhandel zu schaffen machen, betont sie. Zudem sei es für Einzelhändler nicht immer einfach, die von vielen Anbietern vorgeschriebenen Mindestmengen an Waren abzunehmen.

Verdienter Ruhestand

Das alles hat auch Doris Finke in ihrem Geschäft zu spüren bekommen. Dennoch sagte sie: „Ich bin zufrieden.“ Und so sind auch nicht die Veränderungen der Grund dafür, warum sie ihr Geschäft schließt. Sie findet einfach, dass „ich mir mit 72 Jahren meinen Ruhestand verdient habe.“ Dann könne sie sich ihre Zeit frei einteilen, worauf sie sich nun freue. Bis dahin dauert es aber noch ein wenig. Denn auch während des Ausverkaufs will Doris Finke, die seit dessen Gründung auch dem Wirtschaftsforum Pro Tauberbischofsheim angehört, ihre Kunden wie gewohnt gut beraten.