Tauberbischofsheim

Vollversammlung des Dekanatsrats Schwerpunktthema war im Hotel St. Michael die „Pastoral 2030“ / Viel Lob für erfolgreiche 72-Stunden-Aktion

„Die Augen vor der Zukunft nicht verschließen“

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Die Vollversammlung des Dekanatsrats im Tagungshotel St. Michael in Tauberbischofsheim statt. Im besinnlichen Einstieg stellte Pastoralreferent Dr. Robert Koczy diesmal Pfingsten in den Mittelpunkt.

Im Sitzungssaal des Hotels führte Hartmut Schäffner durch den Abend. Er begrüßte Dekan Gerhard Hauk, Pastoralreferent Dr. Robert Koczy und den Leiter der Diözesanstelle, Günter Stauß. Schwerpunkt der Versammlung war die „Pastoral 2030“: Dekan Gerhard Hauk meinte, dass viele „Insider“ bereits in den letzten Jahren gespürt hätten, dass etwas „in der Luft liegt“.

Das nun vorliegende Arbeitsinstrument des Erzbischofs sei ein viel diskutiertes Papier geworden, nicht nur bei der Diözesanen Pastoralkonferenz, wo es am 15./16. Februar vorgestellt wurde. Wenn sich Gesellschaft und Kultur rasant veränderten, könne dies auch die Kirche nicht unberührt und unverändert lassen, sei sie doch Teil dieser Gesellschaft und Kultur.

Für das Erzbistum Freiburg würden die 2017 verabschiedeten Diözesanen Leitlinien wichtige Anregungen, Impulse und Weisungen geben und deutlich machen, wie die notwendigen Veränderungen auch als Entwicklungschance verstanden und genutzt werden können – mit „Kreativität und Mut“. Im Erzbistum Freiburg sind Entscheidungen zu treffen, die die Weitergabe des Glaubens (Evangelisierung), den Einsatz der Hauptberuflichen, das Wirken der vielen Ehrenamtlichen und die Strukturen der Seelsorgeeinheiten betreffen. Erzbischof Burger stellt deshalb in dem Arbeitsinstrument die Frage: „Wie lässt es sich in 10 Jahren noch gut katholisch sein“. Mit Ordinariatsrat Wolfgang Müller gab es kürzlich ein erstes regionales Treffen, um die geografischen Konturen der „neuen Pfarreien“ zu diskutieren. Schließlich sollen aus den derzeitigen 224 Seelsorgeeinheiten in unserer Diözese nur noch maximal 40 Gemeinden (neu) werden.

Deshalb gab es im Dekanatsrat nun eine intensive Diskussion, ob künftig das jetzige Dekanat eine Pfarrei werde, oder ob man die „alten“ Dekanate Lauda und Tauberbischofsheim zu den beiden neuen Pfarrgemeinden bilden solle.

Die Hauptfrage dabei werde sein, wie eine solche „Einheit“ mit Leben erfüllt werden könne, welche „Pastoralen Zentren“ – hier gelte es, das Wort „Zentrum“ nicht unbedingt räumlich zu sehen – gebildet werden können. Die lebhafte Diskussion zeigte Sorgen und Nöte, die Frage der „Versorgung vor Ort“, die Gestaltung von „lebendigen Gemeinden“, aber auch die teils jetzt schon schwierigen Überlegungen von großen Gemeinden, Gottesdienstplanungen und Patrozinien unter einen Hut zu bringen.

„Großes Gebilde“

Klar sei auch, dass ein „großes Gebilde“ keine „Einheit“ sei und kleine Teams vor Ort nicht unbedingt einen Hauptamtlichen zur Seite haben.

Pater Joachim Seraphin, stellvertretender Dekan, erinnerte auch an den Anfang des Christentums mit seinen Klöstern als Geistlichen Zentren. Auch er wolle lieber mit den Menschen den Glauben feiern, sie für den Glauben begeistern. Schließlich müsse man mehr „missionarische Kirche sein“. Mit Blick auf die Fixierung auf den Mangel an Hauptamtlichen wies Pastoralreferent Dr. Koczy darauf hin, dass es weltweit immer schon die Tradition der Familienkreise gegeben habe. Familien, die sich gefunden hätten und oft über Jahrzehnte hinweg Leben und Glauben teilten – ohne die Notwendigkeit, von Hauptamtlichen am Leben erhalten zu werden.

Thema Gottesdienstversorgung

Außerdem stelle sich die Frage, ob das Thema einer flächendeckenden Gottesdienstversorgung in zehn Jahren tatsächlich noch augenblickliche Brisanz haben werde, wenn man sich realistisch vor Augen halte, wie viele (wie wenige) denn derzeit noch die Gottesdienstangebote nutzen. Man könne also „die Augen vor der Zukunft nicht verschließen“.

Nach intensivem Austausch wollte man dann doch ein Stimmungsbild der anwesenden Dekanatsräte einholen. Hier zeigte sich eine deutliche Mehrheit für den Wunsch nach zwei Pfarreien auf der Basis der Altdekanate Tauberbischofsheim (bis Wertheim und Freudenberg) und Lauda (bis Krautheim). Sicher sei, dass diese Fragen noch intensiv weiterbesprochen werden müssen.

Einen interessanten Diskussionsstand bildeten auch die anstehenden Neuwahlen der Pfarrgemeinderäte am 20. März 2020. Derzeit laufen die Überlegungen zur künftigen Größe dieser Gremien. Viele Gemeinden planen eine Reduzierung, prozentuale Aufteilungen nach Größe der Mitgliedspfarreien, andere sagen klar, für den nächsten Zeitraum diese Größe zu belassen. Viele Gemeinden stärken bereits jetzt die Gemeindeteams und reduzieren die Zahl der Pfarrgemeinderatssitzungen auf das geforderte Mindestmaß.

Die große Beteiligung bei der 72-Stunden-Aktion – gerade auch im Dekanat – mit immerhin 14 Gruppen und 350 Teilnehmern verdiente einen eigenen Tagesordnungspunkt bei dieser Sitzung. Für das Dekanatsjugendbüro informierte Michael Kinzie für die in Freiburg weilende Jugendreferentin Maximiliane Scheuermann über die Aktion. 3350 Gruppen weltweit zeigten die Größe dieser Aktion. Kinzie ging auf die einzelnen Projekte im Dekanat ein. SWR 3 habe pausenlos berichtet und für den Ko-Kreis ergänzten Iris Mayer und Rene Rosche das Engagement der Jugendlichen.

Beate Maier (Caritasverband) zeigte sich dankbar, dass durch das Engagement der KJG St. Bonifatius ein Pavillon für die Tauberbischofsheimer Tafel aufgebaut wurde. Damit könne wartenden Kunden, vor allem alten Menschen und Schwangeren, ein Sonnen-, Wind- und Wetterschutz geboten werden. Immerhin besuchten zweimal in der Woche 60 bis 80 Kunden den Tafelladen. Die Fränkischen Nachrichten hatten ausführlich über die Aktionen berichtet. Rene Rosche würdigte abschließend das herausragende Engagement von Maximiliane Scheuermann und Michael Kinzie. Der Dekanatsrat könne stolz auf solche Mitarbeiter sein.

Zahlreiche Informationen wiesen auf interessante Veranstaltungen hin: Hedwig Appel wies auf einen Vortrag mit Jürgen Lütke-Wenning aus Uissigheim am 18. September um 19 Uhr im Netzwerk Familie in Tauberbischofsheim hin: Freiwillige Hilfseinsätze auf der ganzen Welt stehen im Mittelpunkt eines Bildervortrags, speziell die Reise nach Bangladesch (im April), zum größten Flüchtlingslager der Welt zur Unterstützung der Rohingyas.

Weiter ist am Dienstag, 26. November, um 14.30 Uhr in Königshofen ein Vortrag mit Schwester Teres Zukic unter dem Motto „Lebe, lache, liebe“ geplant. Schließlich wartet am 30. November im Josefshaus Gerlachsheim ein Bibeltag mit Diplom-Theologin Anneliese Hecht, Titel: „Das Prophetische in uns, entdeckt im Dialog mit Prophetinnen“.

Theologischer Kurs

Günter Stauß wies auf geplante Workshops im Herbst zur Unterstützung der Pfarrgemeinderatswahlen hin.

Er wies auch auf den geplanten Theologischen Kurs hin, der im Herbst in Neckarelz stattfindet. Auch ein Ausbildungstag für neue Kommunionhelfer sei geplant.

Am Donnerstag, 25. Juli, wird es um 20 Uhr noch eine gemeinsame öffentliche Sitzung von Dekanatsrat und Dekanatskonferenz im Hotel St. Michael geben, bei der sich Interessierte aus den Gemeinden ein Bild von den aktuellen diözesanen Überlegungen zur Zukunft der Kirche in der Region machen können. bk