Tauberbischofsheim

Vorpremiere Max Uthoff mit neuem Programm im Engel-Saal

Die Mächtigen im Visier

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Vorpremieren haben ihren eigenen Charme. Der Künstler kann sein Programm unter realen Bedingungen ausprobieren. Er erkennt unmittelbar, ob der Text sitzt und die Pointen zünden. Das Publikum ist gleichsam Versuchsobjekt. Es entscheidet darüber, was Bestand hat oder ersetzt werden muss. So auch bei Max Uthoffs neuem Programm, das kürzlich beim Kunstverein Vorpremiere hatte.

Max Uthoff gehört zu den derzeit renommiertesten Kabarettisten. Spätestens seit er an der Seite von Claus von Wagner die Moderation der ZDF-Satire-Sendung „Die Anstalt“ übernommen hat, ist er als scharfer Analytiker der politischen und gesellschaftlichen Lage bekannt. Dass Uthoff die Vorpremiere seines neuen Programms in den Engel-Saal verlegte, war ein spektakulärer Coup des unermüdlichen Kunstvereinsvorsitzenden Volker Weidhaas.

Uthoff ist nicht nur ein bekannter und viel beschäftigter, sondern auch ein vielfach ausgezeichneter Kabarettist. Er erhielt unter anderem 2011 den Förderpreis zum Deutschen Kabarettpreis, 2012 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte „Kabarett“ und 2013 den Bayerischen Kabarettpreis in der Kategorie „Senkrechtstarter“. 2011 begründete die Jury ihre Entscheidung folgendermaßen: „Seine glasklaren, geschliffenen Formulierungen weisen ihn als virtuosen Meister der präzisen Sprache aus. Schnell, trocken und pointiert reagiert er auf tagesaktuelle Ereignisse und weckt so die Vorfreude auf sein nächstes Programm.“

Diese Definition traf auch auf die Vorpremiere im Engelsaal zu. Mit aufklärerischem Furor schilderte er seine Sicht der Dinge. So virtuos wie bitterböse fiel seine Analyse der herrschenden Verhältnisse. Im Visier hatte er auch all jene Strategien, mit denen die Mächtigen sich an der Macht halten. Der Abend wurde so zu einem wilden satirischen Ritt durchs Leben und die deutsche Parteilandschaft.

Ausgewogen war Uthoffs Abrechnung keineswegs. Sein Herz schlägt links, das wurde mehr als deutlich. Nicht ohne Grund haben ihm seine scharfzüngigen Urteile den Ruf eines „geschniegelten Brettl-Stalinisten“ eingetragen. Uthoff versuchte im Engelsaal einmal mehr, „das kapitalistische System mit den Mitteln der Satire aus den Angeln zu heben“, wie er es in einem früheren Programm formuliert hat.

Von journalistischem Eifer getrieben geriet dabei der eine oder andere Beitrag zu einem Referat, das auch im Politikseminar an der Universität seinen Platz gefunden hätte. Lustig war das nicht unbedingt, aber durchaus gewollt: „Das ist wahrscheinlich das Verdienst von Georg Schramm, der ja nicht nur die Empörung zurück ins Kabarett gebracht hat, sondern auch die Freiheit zu sagen: Ich mache jetzt mal fünf Minuten keine Pointe“, so Uthoff in einem Zeitungsinterview.

Gelacht, und zwar ausgiebig, hat das Publikum im Engelsaal trotzdem. Das lag zum einen an Uthoffs Eloquenz. Der studierte Jurist reihte mit geradezu atemberaubender Sprechgeschwindigkeit Einfall an Einfall, geißelte gesellschaftliche Ungerechtigkeiten und Auswüchse des politischen Systems.

Gleichzeitig scheute er sich nicht, sich hin und wieder selbst auf den Arm zu nehmen. Da war es auch unerheblich, dass Uthoff im Eifer des Gefechts hin und wieder den Faden verlor und im umfangreichen Manuskript nachschauen musste. Auch das machte den Charme der Vorpremiere aus. Ulrich Feuerstein