Tauberbischofsheim

Leserbrief Zu "Die Ansprüche erfüllt?" (FN, 27. September)

"Ein bedrückendes Urteil"

Alle Bedenken, die im Leserbrief von Herrn Rincker über den Ausbau der Fußgängerzone und des Marktplatzes zum Ausdruck kamen (die ich im Übrigen teile), brachte eine langjährige Kundin aus unserem Umland in einem einzigen kurzen Satz genau auf den Punkt: "Herr Apotheker, ich fühle mich nicht mehr wohl in Ihrer Stadt".

Ein bedrückendes Urteil für eine Einkaufsstadt, das mich erschreckte und das die Verantwortlichen unserer Stadt bedenklich stimmen sollte.

Herr Bürgermeister Vockel hat vor rund 20 Jahren eine intakte Innenstadt treuhänderisch übernommen. Manche Rückschläge kamen unverschuldet (Bundeswehr, Verwaltungsreform), andere waren und sind hausgemacht. Wer in gröblicher Weise die "grüne Wiese" vor der Stadt den Supermärkten überlässt (inzwischen fünf, mit Königheim sechs), darf sich nicht über das Sterben der Innenstadt wundern. Andere Städte, die sich diesem Trend rechtzeitig entgegengestellt haben (auch mit juristischen Mitteln), haben auch heute kaum Leerstände, zum Beispiel Karlstadt und Marktheidenfeld. Mehrere Geschäfte der Innenstadt versuchen nun mit Unterstützung des Gemeinderats und der Verwaltung ebenfalls ihr Glück auf der Grünen Wiese (Schott Outlet).

Die Gründe hierfür sind nachvollziehbar: mit dem Auto jederzeit erreichbar, ausreichend und kostenloser Parkraum.

Wie man hier allerdings - wie von der Verwaltung erwartet - einen positiven Effekt für die Innenstadt ableiten kann, bleibt deren Geheimnis. Laufkunden und Kaufkraft werden abgezogen. Die Folge: das Sterben der Innenstadt wird sich beschleunigen.

Wer das Wohl einer Stadt nur noch von einem einzigen Geschäft in der Innenstadt abhängig macht (Drogerie Müller), um das sich die letzten Geschäfte ängstlich scharen und für dessen Erhalt die Stadt bereit wäre, selbst eine letzte historische Bausubstanz zu opfern, kann nicht gesund sein.

Der Satz "Herr Apotheker, ich fühle mich nicht mehr wohl in Ihrer Stadt", wenn auch zunächst nur einmal von einer Kundin ausgesprochen, hat mich ins Mark getroffen und mich entgegen meiner früheren Absicht zur Feder greifen lassen.