Tauberbischofsheim

Schlosskonzert Kammerorchester Bad Brückenau gastierte zum Saisonausklang im Rathaussaal

Ein Fest für Feinschmecker

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Werke polnischer und russischer Komponisten bildeten den Schwerpunkt in der jüngsten Veranstaltung (der letzten der laufenden Saison) der Schlosskonzerte, wo sich das 1979 gegründete, seit langem international renommierte Kammerorchester Bad Brückenau unter seinem Leiter Johannes Moesus im gut besuchten Rathaussaal präsentierte.

Der Dirigent war hier vor zwei Jahren schon einmal als Gastdirigent des Pforzheimer Kammerorchesters mit großem Erfolg aufgetreten und zeigte sich erneut als der Typ des gut aufgelegten Kappellmeisters ohne Starallüren, dem es vor allem darum zu tun ist, sein Ensemble maximal zu motivieren und zugleich das Publikum durch ausführliche Erläuterungen zum Programm in das musikalische Geschehen mit einzubeziehen. Mit Erfolg: Das Kammerorchester erwies sich im Laufe des Abends als ein präzise abgestimmter Klangkörper mit klarem, distinktem, brillantem Sound, stimmlich sehr profiliert und mit geschmeidig-elastischer Dynamik agierend, was bereits der eingangs gespielten Stück „Orawa“ des Polen Wojciech Kilar (1932 bis 2013) zugute kam. Kilar hat sich Zeit seines Lebens vor allem als Filmkomponist einen Namen gemacht. Sein hier gespieltes Werk, eine überwiegend idyllische Landschaftsschilderung, verwendet die repetitiven Techniken der „minimal music“ zusammen mit Zitaten polnischer Volksmusik und schafft daraus ein organisch klingendes Ganzes voll suggestiver Wirksamkeit.

Mit schwungvollem und eleganten Gestus, voll Feuer und rhythmischer Finesse wandten sich die Brückenauer den anspruchsvollen „Variationen für Streichorchester nach einem Thema von Tschaikowsky“ zu, 1894 komponiert von Anton Arensky und mit ihrer virtuos kontrastierenden Behandlung der Instrumentengruppen und ihrem kapriziösen Einfallsreichtum ein typisches Beispiel der russischen Spätromantik. Aus derselben Epoche stammte schließlich die „Serenade für Streichorchester“ des Polen Mieczyslaw Karlowicz (1876 bis 1909), mit der sich das Bad Brückenauer Kammerorchester unter Johannes Moesus im Rathaussaal verabschiedete. Karlowicz zählte zu den größten Komponistenbegabungen seiner Generation und ist mit seinem infolge seines frühen Todes vergleichsweise Werk in seinem Heimatland bis heute unvergessen und populär.

Wenn man seine mit gerade mal 21 Jahren geschaffene Serenade hört, versteht man auch warum: Sie verbindet romantische Klangfülle und Klangpracht mit der Liebe zur polnischen Volksmusiktradition, ursprüngliche Heimatverbundenheit und Emotionalität mit künstlerischer Weltoffenheit und technisch hohem Standard der Komposition. Es war eine Mischung, die auch beim Publikum im Rathaussaal so gut ankam, dass der charmante Walzer der Serenade besonders beklatscht wurde. Die Brückenauer bedankten sich dafür mit einem weiteren Walzer –dieses Mal als Zugabe – aus der Streicherserenade von Tschaikowsky.

Zuvor war beim letzten Schlosskonzert der Saison, das unter anderem mit Unterstützung der Einrichtungen der GVL und des Deutschen Musikwettbewerbs stattfinden konnte, nicht ohne ein hochkarätiges solistisches Highlight über die Bühne gegangen– und zwar in Person der vielfach preisgekrönten, ukrainischen Weltklasse-Saxofonistin Asya Fateyeva, unter anderem Gewinnerin des Conocurs Adolphe Sax“,die sich hier mit dem bekannten Saxofonkonzert von Alexander Glasunow und einer Saxofon-Bearbeitung des Oboenkonzerts C-Dur von Domenico Cimarosa(1749-1801) präsentierte: Das waren nicht nur für Freunde dieses Instruments zwei klangkulinarische Leckerbissen vom Feinsten, zum einen wenn man miterlebte, wie in Cimarosas Konzert der etwas näselnde, pastorale Oboenklang durch den mehr fremdartigen, silbrig weichen Glanz und Gesang des Sopransaxofons ersetzt wurde und zuvor schon in Glasunows melodien- und abwechslungsreichem Konzert für Altsaxofon, seinem letzten Werk und in der Interpretation Fateyevas dem künstlerischen Höhepunkt dieses Abends.

Die Solistin vermochte ihrem Instrument eine wundervoll farbensatte, in dunkelgoldenen Schattierungen spielende, sinnlich-körperhafte Klangfülle zu entlocken, mit biegsamer, schmiegsamer Phrasierung und betörend nuancenreicher Beredsamkeit. Wie gesagt. Ein Fest für Feinschmecker. the