Tauberbischofsheim

Liederabend Gesangverein Liederkranz bot zusammen mit den Gastchören den Zuhörern ein abwechslungsreiches Programm

Eine Reise durch die Welt der Musik

Ein breitgefächertes Repertoire boten die Chöre beim Liederabend des Gesangvereins Liederkranz Dittwar in der Laurentiushalle.

Dittwar. Man nehme je zwei außergewöhnliche Männergesangvereine und Gemischte Chöre, deutsche, europäische und internationale Chorliteratur aus allen möglichen Epochen, eine passende Örtlichkeit als Konzertsaal, lädt ein fachkundiges und begeistertes Publikum ein und fertig ist der äußere Rahmen für einen Liederabend – so geschehen in der Dittwarer Laurentiushalle.

Der Gesangverein Liederkranz Dittwar hatte eingeladen und der Projektchor „Sing, Africa!“, beide werden übrigens von Edith Lang-Kraft dirigiert, der Chor „Sunday Voices“ aus Markelsheim (Chorleitung Peter Ruppert) und der Männergesangverein Liederkranz Gerlachsheim (Chorleitung Ulrike Pfeiffer-Scheuermann) waren dieser Einladung auch gerne gefolgt.

Traditionell und modern

Selbstverständlich eröffnete der gastgebende Chor aus Dittwar das Konzertprogramm. Umrahmt von der kraftvollen Aufforderung und dem vor Selbstbewusstsein fast schon strotzenden „Männer, so singt doch“ von Peter Schnur und Pasquale Thibaut und dem feierlichen, choralähnlichen „Das Tal in den Bergen“ von Bepi De Marzi mit italienischen Textteilen, hieß der Vorsitzende Alexander Schwarz die Gäste willkommen.

Durch das weitere Programm führten dann Edith Lang-Kraft und der Vize-Chorleiter Manfred Bystricky, die nicht nur die Chöre und ihre Lieder ankündigten, sondern dies auch noch mit kleinen Anekdoten Hintergrundinformationen zu den Komponisten humorvollen Anmerkungen ausschmückten.

Die „Sunday Voices“ aus Markelsheim hatten sich ganz der neueren Chorliteratur verschrieben. Wer kennt nicht „Westerland“ von den „Ärzten“ oder „Can’t help falling in love“ von George Weiss, ursprünglich für Elvis Presley komponiert, oder „Alles aus Liebe“ von den „Toten Hosen“? Die gekonnten Interpretationen und ein Kontrast in sich bei der Liedauswahl begeisterten einfach.

Abstecher nach Afrika

Herbert Grönemeyer in Dittwar? Nicht möglich und nicht nötig. Joachim Gessler überzeugte mit seiner Fassung von „Männer“ und im zweiten Teil des Abends setzte er mit der verzweifelten Parkplatzsuche bei brütender Hitze mit dem Titel „Mambo“ noch einen drauf. In beiden Fällen wurde er von Hans-Ulrich Nerger am Klavier begleitet.

Starke Männerchöre werden offensichtlich in vielen Fällen von starken Frauen dirigiert. Der Liederkranz aus Gerlachsheim hatte sich zunächst für die Volkslieder „Horch, was kommt von draußen rein“ und „Wem Gott will rechte Gunst erweisen“, beide in den Bearbeitungen von Werner Jung-Faber, entschieden. Beim „Kad si bila mala, mare“ von Wilhelm Heinrichs wurden die Zuhörer nach Kroatien entführt, kompletter Rhythmuswechsel inklusive.

Der Projektchor „Sing, Africa!“ geht inzwischen in sein zehntes Jahr. Einmal im Frühjahr trifft man sich für ein Wochenende in Dittwar, probt gemeinsam und führt dann diese Lieder einem inzwischen immer größer werdenden Publikum vor. In diesem Jahr kam nun, nach einem weiteren Auftritt in der Oberlaudaer Kirche, noch der Liederabend im „eigenen“ Probenlokal dazu. „Mamaliye“ von Markus Detterbeck, „Woza Nkosi“ von Micha Keding und das südafrikanische Traditional „Ndikhokhele Bawo“ (Solo Michaela Lange) bedeuteten nicht nur andere Klänge oder Sprachen, sondern vermittelten ein ganz anderes Musikempfinden. Das ging ganz einfach direkt ins Blut über.

Otto Honikel singt seit 70 Jahren

Santiano hatte das Lied „Frei wie der Wind“ von Lukas Hainer bekannt gemacht und mit diesen Piratenträumen als Männerträume leiteten die Dittwarer Sänger zur Ehrung langjähriger und verdienter Mitglieder, alle aus dem aktiven Bereich, über. Der Vizepräsident Hubert Heffele vom Sängerbund Badisch-Franken meinte, Ehrungen sind und bleiben für ihn Beweise für ein langjähriges Miteinander im Chor, in guten und in schlechten Zeiten. Sie bedeuten gegenseitigen Respekt und Achtung, bis hin zur Freundschaft. Als Grundlage dazu dient die Freude am Singen. Der Gesangverein Liederkranz Dittwar mache nicht nur eine gute Figur, er setze auch gesangliche Maßstäbe. Ein Verein oder Chor lebt von seinen Mitgliedern und deshalb gehört es auch dazu, wenn man diese, je nach der Zahl ihrer Mitgliedsjahre, auch besonders ehrt.

Norbert Hörner singt seit 25 Jahren im Dittwarer Chor. Hubert Heffele überreichte ihm die entsprechenden Urkunden und die silberne Ehrennadel des BCV. Seit 50 Jahren ist Rudolf Withopf aktiv. Er erhielt die goldene Ehrennadel und Urkunde des DCV. Otto Honikel singt seit 70 Jahren in Dittwar und ist von Anfang an auch beim „Africa-Chor“ dabei. Neben der entsprechenden Ehrenurkunde des DCV konnte er noch die Goldene Ehrennadel mit der eingravierten „70“ entgegen nehmen.

„Ist euch schon mal …?“ Mit dieser Komposition von Stefan Bothur erzählte der Liederkranz aus Gerlachsheim nach einer kleinen Pause von alltäglichen, erfreulichen oder weniger erfreulichen Begebenheiten und gab gut gemeinte Ratschläge für eben dieses. „Halleluja“ von Kobi Oshrat leitete zur Feststellung über: „Wir machen Musik“ (von Peter Igelhoff/Adolf Steimel) – und dies mit nicht zu überhörendem Erfolg. Chorleiterin und Sänger zeigten sich von ihren besten Seiten.

Mobilität auf afrikanisch heißt „Amabhayesikili“ (trad. Zulu-Song)? Ein Schelm, wer dabei den Begriff „Lamborghini“ herauszuhören scheint. Der Projektchor aus Dittwar begann mit diesem Lied den zweiten Teil seines Auftrittes. „Pata pata“ von Miriam Makebe/Jerry Ragovoy ist im Laufe der Jahre schon sehr oft gecovert worden und hat dementsprechend auch einen sehr hohen Erkennungswert. Michaela Lange überzeugte dabei als Solistin, wie auch beim nachfolgenden „Ukuthula“, einem vertonten Gebet aus Südafrika. Spätestens hier war es im Saal mucksmäuschenstill und eine Zugabe unumgänglich. Noch einmal „Halleluja“, diesmal jedoch von Leonard Cohen.

Die „Sunday Voices“ begeisterten diesmal mit Spirituals. Dazu gehörten noch „Adiemus“ von Carl Jankas/Mike Ratledge mit der ganzen Bandbereite dieser auch aus der Werbung bekannten Melodie und, wie ein Ausrufezeichen, „Lord, Reign In Me“ von Brenton Brown. Auch hier war eine Zugabe fällig.

Kunterbunte Zugabe

Der Gastgeber hatte den Anfang gemacht, er setzte auch den Schlusspunkt. „Ihr von morgen“ von Udo Jürgens/Michael Kunze warf zunächst einen nachdenklichen Blick in die Zukunft und „Altes Fieber“ von Peter Schnur/Pasquale Thibaut, bekannt geworden durch die Toten Hosen, bildete mit seinem etwas sentimentalen Text den krönenden Abschluss dieses Liederabends, sieht man von der Zugabe ab, einem Medley auf alle möglichen Lieder aus der Feder aller möglichen Komponisten aus allen möglichen Stilrichtungen und Jahrhunderten. Das war nicht ganz ernst gemeint, aber es passte ganz einfach.

Alexander Schwarz blieb es vorbehalten, allen Helferinnen und Helfern zu danken, die bei der Vorbereitung und Durchführung dieses Abends unentbehrlich gewesen waren erha