Tauberbischofsheim

Musikkapelle Distelhausen Die Feierlichkeiten zum 90. Geburtstag am Wochenende stehen unter dem Motto „90 Jahre MKD & noch lange kein Ende in Sicht“ / Blick in die Geschichte

Erstes Repertoire bestand aus drei Stücken

Archivartikel

Die Musikkapelle Distelhausen feiert am Wochenende ihr 90-jähriges Bestehen. Anlässlich dieses Ehrenfestes gibt es am Sonntag um 13.30 Uhr einen großen Festzug durch Distelhausen.

Distelhausen. In ihrer langjährigen Geschichte hat die Musikkappelle das kulturelle Dorfleben wesentlich mitgeprägt, besonders beliebt sind die Konzerte im Advent und an Dreikönig, sowie die Sommerserenade am Turmplatz.

Es war im Jahr 1928 als die alte bislang bestehende Musikkapelle infolge Mitgliedermangels sowie auch aus Altersgründen nicht mehr spielfähig war. Die Einwohner, an ihrer Spitze Bürgermeister Bertrand Kaiser, waren sich einig, alles daran zu setzen, um der Gemeinde eine Musikkapelle zu erhalten.

Mit 14 Musikern ging’s los

Es wurde vorgeschlagen eine neue Kapelle mit nur jungen Musikern ins Leben zu rufen. Mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde, der Brauerei Bauer und Darlehensaufnahmen, wofür die Eltern bürgen mussten, wurden neue Instrumente angeschafft. Bald entstand die aus 14 Mann bestehende neue Musikkapelle Distelhausen auf festen Füßen.

Die 14 Musiker beim ersten öffentlichen Auftritt 1929 waren: Dirigent Böhme, Alois Englert, Ignatz Geisler, Franz Hepp, Albert Hollerbach, Richard Kaiser, Otmar Kuhn, Alfred Stieber, Burkhard Ulsamer, Fritz Ulsamer, Karl Ulsamer, Alois Wachter, Friedrich Waldherr und Markus Waldherr. Böhme aus Grünsfeld war Ausbilder und Dirigent und Friedrich Waldherr Vorsitzender als die noch junge Kapelle erstmals in der Öffentlichkeit stand.

Im Januar 1929 trat die damals neu gegründete Musikkapelle Distelhausen zum ersten Mal in der Öffentlichkeit auf. Beim ersten großen Musikfest in Distelhausen im Mai 1929 konnte die Kapelle nur drei Musikstücke spielen, einen Marsch, einen Walzer und einen Rheinländer, so wurden den ganzen Abend über nur diese drei Stücke im Wechsel gespielt.

Guter Start nach dem Krieg

Die ersten öffentlichen Veranstaltungen klappten vorzüglich. Die verhältnismäßig kleine Kapelle konnte bis zum Kriegsausbruch im Jahre 1939 an verschiedenen Musikfesten teilnehmen und mehrere erste Preise erringen. Die Begeisterung der jungen Musiker tat ein Übriges, so dass im Wettstreit mit anderen Kapellen auf Musikfesten ansehnliche Erfolge erzielt wurden. Durch den Zweiten Weltkrieg wurde die Musikergemeinschaft jäh auseinandergerissen.

Es war insbesondere der Verdienst des damaligen Ortspfarrers Reinhard, dass 1947 das Musizieren unter der Führung von Friedrich Waldherr wieder aufgenommen wurde. In den Jahren 1954 bis 1956 wurden viele junge Leute für die Blasmusik begeistert. Aus den Reihen der Musiker übernahm Otto Hepp den Dirigentenstab. Im Jahr 1954/1955 schloss sich der damalige Juniorchef der damaligen Brauerei Bauer heute Distelhäuser Brauerei, Ernst Bauer, der Kapelle aktiv an. Durch sein Beispiel und seine finanzielle Unterstützung kamen viele junge Distelhäuser in die Blaskapelle. Inzwischen hatte die Kapelle bereits 28 Mitglieder und war zu einer starken Gemeinschaft geworden. Der häufige Besuch von Musikfesten brachte freundschaftliche Bindungen zu anderen Kapellen. Beim Musikfest zu 30. Geburtstag im Jahr 1959 kamen bereits 16 Kapellen nach Distelhausen, ein Resultat der guten Verbindung zu befreundeten Musikkapellen.

Schwere Krise

Kurz danach kam eine schwere Krise für die Kapelle, als mehrere Mitglieder das Musizieren einstellten. Einen Dirigenten anderweitig zu engagieren, war nicht möglich und so konnten lediglich die kirchlichen Anlässe musikalisch mitgestaltet werden. Nur noch eine kleine Schar von Idealisten war vorhanden als Albin Barthel 1961 die Dirigentenstelle übernahm. Ihm gelang es junge Musiker heranzubilden und damit den Fortbestand, gemeinsam mit Vorstand Friedrich Waldherr, zu sichern.

Im Jahre 1964 wurde Heinz Geisler zum Vorsitzenden gewählt und Friedrich Waldherr zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Mit völlig neuem Programm aus Volksmusik wie auch der Moderne und klassischer Blasmusik gewann die Kapelle immer mehr an ansehen und Bekanntheitsgrad. Seit dieser Zeit bildet das alljährlich stattfindende Dreikönigskonzert den Höhepunkt ihres Könnens. Bei den Wertungsspielen erreichten die Distelhäuser Musiker mit ihren Vorträgen immer gute Noten. Im Januar 1969 begann Dirigent Albin Barthel mit der Ausbildung von neun Nachwuchsmusikern.

Die Musik- und Jubiläumsfeste waren stets besondere Ereignisse, und die guten freundschaftlichen Kontakte zu vielen anderen Musikkapellen zeigten sich an Pfingsten 1979 beim 50-Jahr-Jubiläum an dem 25 Musikkapellen teilnahmen. Es war eine gewaltige Demonstration für die Blasmusik als über 600 Musiker unter der Stabführung von Albin Barthel gemeinsam einen Massenchor auf dem Kirchplatz vortrugen. In folgenden Jahren konnten immer wieder junge Menschen für die Blasmusik gewonnen werden.

Viele Aktivitäten

1976 wurden neue Uniformen angeschafft. Im März 1980 wurde Klaus Neckermann zum Vorsitzenden und Helmut Beil zum Stellvertreter gewählt. Inzwischen war die Kapelle beachtlich herangewachsen und hatte bis zu 30 Auftritte pro Jahr. Sie war aus dem kulturellen und kirchlichen Leben der Gemeinde nicht mehr wegzudenken.

Neben den musikalischen Aktivitäten veranstaltete die Musikkapelle jährlich eine Prunksitzung mit beachtlichem Rahmenprogramm. Auch wurde dazu eigens eine Guggemusik unter dem Namen „Distelhäuser Doldezupfer“ gegründet. Beim Jahreskonzert am 6. Januar 2000 übergab Albin Barthel nach 38-jähriger Stabführung den Dirigentenstab an den jungen Markus Jahnke, einem seit 1988 aktiven Musiker aus den eigenen Reihen der Distelhäuser Musikkapelle. Für sein langjähriges und erfolgreiches Engagement und die Verdienste um die Kapelle wurde Albin Barthel zum Ehrendirigenten ernannt.

Neuer Zeitabschnitt

Mit dem jungen Dirigenten Markus Jahnke begann ein neuer Zeitabschnitt in der Geschichte der Distelhäuser Musikkapelle mit damals knapp 50 aktiven Musikerinnen und Musikern und über 30 Auftritten und Veranstaltungen pro Jahr. Neben den damals erfolgreichen Konzerten im Ort wurden auch Konzerte in der Wandelhalle und im Kursaal Bad Mergentheim durchgeführt, was ebenfalls immer ein musikalischer Höhepunkt im Vereinsjahr war. Vorsitzender Klaus Neckermann wurde nach 28-jähriger Amtszeit 2008 zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Seine Nachfolge traten mit Michael Graf, Bernd Hofmann und Tobias Uihlein ein Team aus drei gleichberechtigten Vorsitzenden an.

Seit 2011 hat Stephan Schmidt aus Königheim die Funktion des Dirigenten übernommen. Die jährlich anstehenden 25 bis 30 Termine kann der Verein, auch zuletzt aufgrund des guten Zusammenhaltes, ohne Mühen meistern. Mit aktuell 28 aktiven Musikern, einem Durchschnittsalter von 37 Jahren und mehreren Nachwuchsmusikern in der Ausbildung blickt der Verein optimistisch in die Zukunft, getreu dem Jubiläums-Motto „90 Jahre MKD & noch lange kein Ende in Sicht“.

Die Dirigenten waren 1929 bis 1934 Hr. Böhme aus Grünsfeld, 1955 bis 1961 Otto Hepp, von 1961 bis 2000 Albin Barthel, von 2000 bis 2010 Markus Jahnke und seit 2010 Stephan Schmidt. Die Vorsitzenden waren: 1929 bis 1964 Friedrich Waldherr, 1964 bis 1980 Heinz Geisler, 1980 bis 2008 Klaus Neckermann, seit 2008 Michael Graf, Bernd Hofmann und Tobias Uihlein. hofm