Tauberbischofsheim

Vortragsabend Dr. Andreas Löser, Facharzt für Urologie, referierte über sein medizinisches Gebiet und die Fortschritte in diesem Bereich

„Falsch verstandene Scham ist hier vollkommen fehl am Platz“

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Prostata, Erektionsstörung, Inkontinenz: Darüber spricht man(n) nicht gern. Nicht so Dr. Andreas Löser. Der Facharzt für Urologie hielt einen ebenso informativen wie spannenden Vortrag im Saal des Winfriedheims. Veranstalter war die Kolpingsfamilie in Kooperation mit dem VdK.

Von einem „schweren, aber wichtigen Thema“ sprach Georg Maluck. Der Vorsitzende der Kolpingsfamilie konnte zahlreiche Zuhörer begrüßen. Etliche Damen waren im Publikum anzutreffen. „Urologie ist nicht nur etwas für Männer“, meinte auch Georg Maluck.

Urologie sei ein Thema, bei der es keine falsch verstandene Scham geben dürfe, betonte Dr. Andreas Löser. Der Facharzt nahm bei seinem Vortrag kein Blatt vor den Mund. Detailliert ging er auf die unterschiedlichen Aspekte ein. Viele Bilder und Grafken vermittelten einen anschaulichen Einblick in das Fachgebiet.

Ein unbekanntes Terrain sei die Urologie ihm anfangs gewesen, räumte Löser ein. Der heute 43-Jährige studierte von 1996 bis 2002 Medizin an der Universität Würzburg. Beim Präparierkurs habe er sein handwerkliches Geschick festgestellt. „Ich wusste, dass ich später operieren will“, berichtete Löser. Vorlesungen an der Universität begeisterten ihn für die Urologie. Eine Karriere an der Uni wäre mögliche gewesen, wollte Löser nach eigenen Angaben aber nicht anstreben. „Dazu muss man zu viele Opfer auf sich nehmen.“ Stattdessen eröffnete er eine urologische Praxis mit onkologischem Schwerpunkt. Man ist Kooperationspartner des Prostatakarzinom-Zentrums Tauberfranken, Kooperationspartner des Comprehensive-Cancer-Center (CCC) Mainfranken und Gründungsmitglied des Instituts für Prostatadiagnostik (IFP).

„Noch immer wird die Urologie als ,kleines’ Fach der Medizin betrachtet“, bedauerte Löser. Seiner Meinung nach trifft das nicht zu. Die Urologie beschäftige sich mit den harnbildenden und harnableitenden Organen, also mit Niere, Harnblase, Harnleiter und Harnröhre. Urologen behandelten zudem auch Krankheiten der Geschlechtsorgane des Mannes und deckten damit Bereiche der Andrologie ab. Naturgemäß gebe es Überschneidungen mit Nephrologie, Gynäkologie, Neurologie, Onkologie, Venerologie und Chirurgie.

In Lösers Augen ist die Urologie deshalb vielmehr ein „riesiges“ Fach. Es gehe keineswegs nur um Männer. Kinder und Frauen, Junge und Alte: Alle trifft Löser in seiner Praxis an. Sie in jeder Phase des Lebens mit Kompetenz und Freundlichkeit zu begleiten, nannte Löser seine Hauptaufgabe.

Dabei gelte es vor allem, den Patienten nicht gerechtfertigte Ängste zu nehmen. Die moderne Medizin biete unterschiedliche Möglichkeiten der Früherkennung und Behandlung.

Mit prominenten Beispielen illustrierte Löser den medizinischen Fortschritt. Zum einen führte er den Amerikaner Lance Armstrong an. Der ehemalige Profiradfahrer besiegte den Hodenkrebs und fuhr anschließend die Tour de France.

Mit Tasuko Honjo und James Alliso verwies Löser auch auf zwei Mediziner, die für eine neue Tumortherapie den Nobelpreis bekommen haben. „Es ist faszinierend, welche Erfolge man heute erzielen kann, die früher nicht möglich gewesen sind.“

Lösers Vortrag streifte noch eine Reihe anderer urologischer Aspekte. Der Facharzt ging auf die Problematik bei der Früherkennung von Prostatakrebs ein, schilderte minimalinvasive Eingriffe, um Blasensteine zu entfernen, und gab Tipps, wie mit Inkontinenz umzugehen ist. So viel Fachkompetenz kam beim aufmerksam lauschenden Publikum sehr gut an.

Die Kolpingsfamilie ist bald wieder aktiv. Am Sonntag, 5. Mai, singt man zusammen mit dem Männergesangverein „Liederkranz“ im Klösterlegarten. Die Dekanatsmännerwallfahrt führt am Sonntag, 19. Mai, nach Schweinfurt. Und am Sonntag, 26. Mai, kommen die Verbände KAB und Kolping zur Maiandacht in der Klosterkirche von Bronnbach zusammen. f eu