Tauberbischofsheim

Schlosskonzerte Furioser Auftakt der Saison mit dem Cellisten Johannes Moser

Filigran und dynamisch

Archivartikel

Tauberbischofsheim.Der Cellist (geboren 1979) Johannes Moser, der inzwischen zu den weltbesten Vertretern seines Faches zählt, ist mittlerweile so etwas wie ein guter alter Bekannter im Rathaussaal.

Und so konnte er es sich auch einmal erlauben, seinen jüngsten Solisten-Auftritt im wieder sehr gut besuchten Rathaussaal mit einem Programm bestehend aus drei (von insgesamt von sechs) Cellosuiten von Johann-Sebastian Bach zu bestreiten. Schwere, anspruchsvolle Kost also, eine echte Herausforderung auch für einen Meistercellisten und vielleicht noch mehr für seine Hörer, die – wenn sie wirklich etwas davon haben wollen – gehalten sind, den zunächst oft verwickelt erscheinenden, bei mehrmaligem Hören freilich um so natürlicher klingenden Gang der Komposition rezipierend nachzuvollziehen.

Großer Ideenreichtum

Bachs Cellosuiten, alle wohl irgendwann um 1720 entstanden, sind in der Tat wahre Wunderwerke, in dem sich größter Ideenreichtum und Ausdruckskraft mit höchster, souveräner kompositorischer Ökonomie vereinigt, allein schon technisch der absolute Gradmesser für jeden Meisterinterpreten und nach einem Diktum des großen Pablo Casals die „Quintessenz von Bachs Schaffen“. Der Interpret des Abends, eine ausgesprochen jugendliche Erscheinung mit seinen knapp 40 Jahren, mit sympathisch lockerem, unprätentiösem Auftreten brachte allenfalls durch sein streng und fast geistlich anmutendes hochgeschlossenes schwarzes Habit ein gewisses Moment von Feierlichkeit in seine Vorstellung.

Lässig anmutende Virtuosität

Das verfliegt wieder, sobald Moser in dem unlängst akustisch verbesserten Saal zu seinem herrlichen Instrument, einem Guarneri von 1694, greift oder auch, wenn er bei Gelegenheit einige erläuternde Kommentare zu den gebotenen drei Suiten(es sind die erste in G-Dur, die vierte in Es und – nach der Pause – die dritte in C-Dur: Schlichtweg bewundernswert, mit welch fast lässig anmutenden Virtuosität, die sich nie in den Vordergrund drängt, welch selbstverständlicher Souveränität er dabei zu Werke geht.

Mit leichtem Bogendruck, kecken Rubati zugleich Strukturen offenlegt, ohne dass der lebendige Fluss der Musik darunter leiden würde, mit einer leichten und zugleich eindringlichen Beredsamkeit, die in den rascheren Tanzsätzen einen manchmal fast swingenden Charakter annimmt, zugleich eine Art von spiritueller Eleganz, die das zeitlos moderne das heißt überzeitliche Wesen von Johann Sebastian Bachs Musik eindrucksvoll vergegenwärtigt.

So etwa gleich im sehr entspannten, eher gemächlichen Präludium der ersten Suite, einem ersten Ausweis der deutungsmächtigen Autorität ihres Interpreten, der intimen Sarabande im selben Werk, die einem halblauten Selbstgespräch glich, der zierlich ausgefeilten Gigue. Der geistreichen Überredungskunst der Allemande der Es-Dur Suite oder der zweiteiligen, witzigen und spritzigen Bourrée, nur als Beispiele zu nennen.

Herzlicher Applaus

Dem filigran und dynamisch ausdrucksvoll ausgearbeiteten Preludium der C-Dur Suite, der rhetorisch ausgefeilten Allemande oder der ländlich-fröhlichen Musizierlaune und den Dudelsackklängen der Gigue, wo man eine Bauernhochzeit denken konnte . . .

Für den überaus herzlichen Applaus im Rathaussaal bedankte sich Johannes Moser noch mit einem kleinen Schlaflied einer späteren Epoche: „Guten Abend gut’Nacht“ in der Vertonung von Johannes Brahms. Thomas Hess