Tauberbischofsheim

Erinnerung Zwei Hochkaräter berichteten von ihrer Schulzeit an Wirtschaftsgymnasien im Landkreis

Fleischsalatbrötchen und zwei Fünfen

Tauberbischofsheim.Zwei ehemalige Schüler hielten Rückschau auf ihre Schulzeit in Tauberbischofsheim und Wertheim und berichteten, wie wichtig ihnen der an den Wirtschaftsgymnasien gelegte Grundstein für ihre berufliche Laufbahn sein sollte. Mit Professor Dr. Wolfgang Reinhart, CDU-Landtagsabgeordneter und Fraktionsvorsitzender, sowie Dr. Theodor Weimer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Börse, waren zwei Protagonisten mit einer außergewöhnlichen Karriere gewählt worden.

Reinhart bekräftigte, er habe während seiner Zeit am Wirtschaftsgymnasium die „Schule der Demokratie“ gelernt. Als Klassen- und Schulsprecher habe es einen Disput zwischen zwei Lehrern um das Ziel der Jahrgangsfahrt gegeben. Während der eine Berlin oder Hamburg präferierte, zog es den anderen zum Skifahren. Reinhart schlug sich auf die Seite des Wintersports, der in den kommenden Jahren zum Regelangebot avancierte und bis heute Bestand hat. Auch von den Brötchen mit triefendem Fleischsalat, die er in der Pause gerne verspeiste, berichtete er. Rückblickend meinte Reinhart: „Ich habe nur gute Erinnerungen an diese Schule.“

Dankbar sei er für das baden-württembergische Bildungsprinzip „Kein Abschluss ohne Anschluss“. Gerade in den ländlichen Regionen hätten sich die beruflichen Gymnasien zu den Aufsteigerschulen schlechthin entwickelt, die den gymnasialen Anspruch mit einer beruflichen Ausrichtung verbänden. „Auch diese Schulen müssen wir in Zukunft weiter entwickeln“, so Reinhart. Im jetzigen Doppelhaushalt stünden 22,5 Milliarden Euro für die Bildung bereit. Da lediglich ein Prozent davon vom Bund kämen, müssten andere Wege als eine Grundgesetzänderung gefunden werden.

Er dankte den Lehrern, die ihn und viele andere Schüler begleitet hätten und postulierte mit Blick auf die Digitalisierung: „Die Technik muss der Pädagogik folgen.“

Für Heiterkeit sorgte Dr. Theodor Weimer bei seiner Rückschau, denn er gab preis, dass er zu jeder Abitur-Prüfung von Bettingen nach Wertheim mit dem Passat seines Vaters gefahren sei – ohne den Führerschein zu besitzen. Auch die große, jedoch heimliche Liebe zu Mitschülerin Kiki, die zwei Fünfen in den ersten Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehrearbeiten und den für ihn sehr verehrten, anwesenden und mittlerweile 92-jährigen Lehrer Longin Reinhard, ließ er nicht unerwähnt. Der sei es gewesen, der nach den Fünfen die Frage gestellt habe, ob das wirklich die richtige Schule für Weimer sei. Das weckte dessen Ehrgeiz.

Er erinnere sich gerne an die „schöne Zeit des Lernens und des Leistungsglücks“, so der heutige Börsenchef. Die Lehrer hätten den Grundstein des heutigen Könnens gelegt, manche seien gefürchtet, andere verehrt worden.

Bei der Erstellung der Lehrpläne forderte er mehr unternehmerische Mitsprache, um dann den Begriff Leadership näher zu erläutern. „Wir brauchen Leute, die sagen, wo es lang geht und keine komplette Demokratisierung“, so seine Devise.

Mit Blick auf die Schüler gab er den Tipp, in leistungsstarken Gruppen zu arbeiten, um sich mit den Besten zu messen. „Sich die Anerkennung unter Gleichgesinnten zu verschaffen, ist ein hohes Gut“, stellte Weimer fest. Was Führungspersönlichkeiten ausmache, sei ein hohes Maß an Rationalität gepaart mit Leidenschaft und Überzeugung.

Für den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse war seine Zeit auf dem Wirtschaftsgymnasium eine prägende. Weimer: „Wer vom Wirtschaftsgymnasium kommt, hat hervorragende Voraussetzungen – vielleicht bessere als diejenigen von anderen Häusern.“ hvb