Tauberbischofsheim

Jakobskreuzkraut Ausbreitung besonders an trockenen und kalkhaltigen Standorten / Regelmäßiges Nachmähen verhindert Samenbildung

Gefährlich für Weidetiere und Menschen

Archivartikel

Von der Optik sollte man sich nicht täuschen lassen: Das Jakobskreuzkraut stellt für die Mensch- und Tierwelt eine ernstzunehmende Gefahr dar, die sogar zum Tod führen kann.

Main-Tauber-Kreis. Eine harmlose Pflanze mit schöner gelber Blüte? Nein, der Schein trügt. Das Jakobskreuzkraut, das schon seit 2000 Jahren zur mitteleuropäischen Flora gehört, stellt eine zunehmende Gefahr für die Mensch- und Tierwelt dar. Es enthält giftige Pyrrolizidin-Alkaloide (PA), die für Lebewesen bedrohliche Wirkungen haben.

Vorkommen und Verbreitung

Das Jakobskreuzkraut findet man hauptsächlich an genutzten Weiden, Wegrändern und Böschungen. Die Pflanze erreicht eine Höhe von 30 bis 120 Zentimetern und entwickelt im zweiten Jahr auffallend gelbe Blüten und flugfähige Samen, die für das rasante Ausbreiten verantwortlich sind.

Auch im Main-Tauber-Kreis ist das Kraut eine bekannte Plage. Die Pflanzenbauberatung des Landwirtschaftsamts beschäftigt sich mit den Auswirkungen und klärt regelmäßig über das Thema auf. „Das Jakobskreuzkraut kommt in der Region besonders an trockenen und kalkhaltigen Standorten vor, an denen keine regelmäßige Nutzung stattfindet“, erklärt Markus Moll vom Landratsamt in Tauberbischofsheim. Die regelmäßigen Trockenperioden im Sommer begünstigen zudem das starke Ausbreiten.

Das Jakobskraut gehört zu den vier giftigen Kreuzkrautarten in Deutschland, das aufgrund von Pyrrolizidin-Alkaloiden leberschädigend wirken kann. Auch Erbgutveränderungen und Krebserkrankungen sind als mögliche Folgen bei langjährigem Verzehr bekannt. Einige Pflanzen bilden PA zur Abwehr von Fressfeinden. Die Inhaltsstoffe sind nicht direkt schädlich, aber deren Abbauprodukte, die nicht ausgeschieden werden und sich im Körper, besonders in der Leber, ansammeln.

Risiken

Vor allem Weidetiere wie Pferde und Rinder leiden unter der toxischen Wirkung. Erfahrene meiden die Pflanzen aufgrund des Geruchs und bitteren Geschmacks. Dennoch lagern sich Giftstoffe auch im Heu ab, da diese bei der Bereitung nicht abgebaut werden.

Die verschiedenen Weidetiere reagieren unterschiedlich: Besonders Pferde sind empfindlich. Beim Heu-Verzehr führen bereits 2,4 Kilogramm der getrockneten Pflanze zum Tod. Auch Rinder sind anfällig, Schafe und Ziegen vertragen hingegen hohe Giftmengen.

Typische Symptome sind Veränderungen am Tierverhalten wie regelmäßiges Gähnen, Lecksucht oder Depressionen. Bei länger anhaltender Gangunsicherheit gilt die Krankheit als fortgeschritten. Auch die Klimabedingungen haben Einfluss auf die toxische Wirkung: Je wärmer das Gebiet der gedeihenden Pflanze, desto giftiger wirkt das Alkaloid.

Im ersten Jahr geht die größte Gefahr aus, da das Kraut eine sogenannte Rosette entwickelt, die sowohl geruchs- als auch geschmacksneutral ist. In der Regel sind den Tierhaltern die möglichen Auswirkungen bekannt, so dass sie notwendige Vorkehrungen treffen können.

Vergiftung bei Menschen möglich

Auch bei Menschen kann eine Vergiftung auftreten, welche im schlimmsten Fall gar zum Tod führt. Obwohl zunächst keine eindeutigen Symptome auftreten, sind sich Fachleute einig, dass die steigende Zahl der menschlichen Lebererkrankungen auch auf Nachwirkungen von PA zurückzuführen sind. Eine Vergiftung durch Jakobskreuzkraut erfolgt beim Menschen hingegen schleichend über einen längeren Zeitraum.

Nach festgestellten PA-Belastungen in Honigsorten und Salaten hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unerwartet hohe Giftmengen in Kräutertees festgestellt. Bei einer Untersuchung von 221 Tees seien 57 Prozent belastet gewesen. Das BfR empfiehlt, maximal zwei Tassen Kräutertee am Tag zu trinken und die Sorten regelmäßig zu wechseln.

Vorbeugung und Bekämpfung

Ein gut gepflegtes Grünland lässt der Ausbreitung des Jakobskreuzkrauts kaum eine Chance. Markus Moll stellt klar: „Flächen, die mindestens zwei mal im Jahr gemäht oder für landwirtschaftliche Nutzung gedüngt werden, sind von der Plage zumeist befreit.“ Durch regelmäßiges Nachmähen werde die Samenbildung verhindert. Um spätere Probleme zu vermeiden, sollten betroffene Flächen mit Jakobskraut nicht verfüttert werden.

Wichtig bei der Entfernung: Das Kraut mit der ganzen Wurzel ausstechen, damit Weidetiere die Reste nicht fressen müssen. „Sollte die Pflanze von Hand entfernt werden, müssen stets Handschuhe getragen werden, um einen Kontakt mit der Haut zu vermeiden“, ergänzt Moll.

Eine Empfehlung, die Pflanzen zu verbrennen, kann das Landratsamt nicht geben: „Aus unserer Sicht genügt im Hausgarten eine Entsorgung von Pflanzen über die Biotonne.“ Experten sind sich einig: „Die Bekämpfung dieser Plage ist nicht einfach. Häufig führt ein Umpflügen und Neueinsäen zur erhofften Problemlösung.“

Das Jakobskreuzkraut mag optisch zwar eine Augenweide sein, dennoch ist es zu einer lästigen Plage geworden, die man über Jahre mit allen Mitteln bekämpfen muss.