Tauberbischofsheim

Hohe Temperaturen Belastung des Kreislaufs ist nicht zu unterschätzen / Behandlungszahlen gestiegen

Gesundheitsrisiken durch Hitze

Archivartikel

Es ist „Heiß-Zeit“ in der Region. Die anhaltende Hitze bringt auch Gesundheitsrisiken mit sich.

Main-Tauber-Kreis. Das Umweltbundesamt hat in einer neuen Studie davor gewarnt, dass sich die „gesundheitlichen Risiken, der mit dem Klimawandel einhergehenden Phasen mit extremer Hitze, kontinuierlich erhöhen“. Dies wird auch durch Daten der AOK Baden-Württemberg belegt: Landesweit stiegen die Behandlungszahlen von Versicherten wegen Schäden durch Hitze und Sonnenlicht zwischen 2013 und 2017 um 11,4 Prozent pro Jahr. Im Main-Tauber-Kreis dagegen verringerten sie sich im gleichen Zeitraum um 4,4 Prozent.

Die klimatologischen Kenngrößen „Heiße Tage“ und „Tropennächte“ des Deutschen Wetterdienstes werden unter anderem zur Beurteilung von gesundheitlichen Belastungen verwendet. So ist ein „Heißer Tag“ definiert als Tag, dessen höchste Temperatur oberhalb von 30 Grad Celsius liegt, und eine „Tropennacht“ als Nacht, deren niedrigste Temperatur oberhalb von 20 Grad liegt. „Die mit der Klimaerwärmung verbundene zunehmende Hitzebelastung ist von erheblicher gesundheitlicher Bedeutung, da sie den Organismus des Menschen in besonderer Weise beansprucht und zu Problemen des Herz-Kreislaufsystems führen kann. Im Main-Tauber-Kreis wurden im Jahr 2013 insgesamt 76 Versicherte wegen Sommererkrankungen durch Hitzeeinfluss behandelt. 41 waren es im Jahr 2014, 70 im Jahr 2015, 65 im Jahr 2016 und 57 im Jahr 2017“, so die AOK Heilbronn-Franken.

Als Folge von Hitzebelastung können bei empfindlichen Personen Regulationsstörungen und Kreislaufprobleme auftreten. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Erschöpfung und Benommenheit. Ältere Menschen und Personen mit chronischen Vorerkrankungen sind von diesen Symptomen besonders betroffen. Modellrechnungen prognostizieren für Deutschland, dass zukünftig mit einem Anstieg hitzebedingter Mortalität von einem bis sechs Prozent pro einem Grad Celsius Temperaturanstieg zu rechnen ist, dies entspräche über 5000 zusätzlichen Sterbefällen pro Jahr durch Hitze bereits bis Mitte dieses Jahrhunderts.

Laut Robert-Koch-Institut traten sechs der elf extremsten Hitzewellen im Zeitraum zwischen 1950 bis 2015 nach dem Jahr 2000 auf. In den Hitzesommern der Jahre 2003, 2015 und 2018 gab es in Deutschland eine erhebliche Anzahl von Todesfällen, bei denen Hitze als Ursache belegbar war. Allein 2018 wurde beim Tod von rund 8000 Menschen „Hitze“ als vornehmliche Ursache benannt.

Um hohe Temperaturen auszugleichen schwitzt der Körper. Dafür benötigt er Flüssigkeit. AOK-Ernährungsfachkraft Iris Baumann: „Bei Hitze ist es wichtig ausreichend Getränke zu sich zu nehmen. Sonst entzieht der Körper dem Blut Wasser, was unter anderem das Thrombose-Risiko erhöhen kann“. Wer schwitzt, verliere zusätzlich große Mengen Salze. Zunächst führe der Elektrolytmangel im Muskel zum Hitzekrampf. Baumann: „Treten diese Anzeichen auf, muss sofort gegengesteuert werden. Beispielsweise mit isotonischen Getränken und stark gewürzter Suppe. Ignoriert man die ersten Anzeichen und bewegt sich in der Hitze weiter, kommen Kopfweh, Schwindel und Übelkeit dazu.“

Hitzeerschöpfung führt zum Hitzekollaps und kann in extremen Fällen durch Schwellungen des Gehirns auch lebensgefährliche Ausmaße annehmen. Wer Anzeichen einer Hitzeerschöpfung spürt, solle in den Schatten gehen, Beine hochlegen, viel trinken und elektrolytreiche Flüssigkeiten konsumieren. aok