Tauberbischofsheim

Patiententag im Krankenhaus Tauberbischofsheim Rund 200 Besucher informierten sich über Behandlungsmöglichkeiten / Schonende minimal-invasive Verfahren helfen häufig

Gute Nachrichten für Menschen mit Durchblutungsstörungen

Tauberbischofsheim.Für mehr als 200 Besucher gab es am vergangenen Samstag beim Patiententag „Hilfe bei Durchblutungsstörungen“ im Krankenhaus Tauberbischofsheim gute Nachrichten: Viele Durchblutungsstörungen lassen sich heute mit schonenden minimal-invasiven Verfahren behandeln. Und mit dem Zusammenschluss mehrerer Praxen sowie dem Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim und dem Krankenhaus Tauberbischofsheim im Gefäßzentrum Tauberfranken gibt es in der Region ein Netz von Ärzten, die sich auf die Therapie der verschiedenen Erkrankungen spezialisiert haben und bei der Behandlung abstimmen.

„In Zeiten zunehmender Konkurrenz ist die Zusammenarbeit im Gefäßzentrum Tauberfranken zum Wohl der Patienten wirklich zukunftsweisend“, unterstrich Dr. Gerhard Schüder, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am Krankenhaus Tauberbischofsheim. Er beschäftigte sich in seinem Vortrag ebenso wie der Gefäßchirurg Dr. Thorsten Gläser aus der Facharztpraxis Wertheim mit der Behandlung von Krampfadern.

Eigentliche Ursache für die Entstehung von Krampfadern sei der aufrechte Gang des Menschen und schon aus der Antike seien erste Therapievorschläge überliefert. „50 bis 80 Prozent der erwachsenen Mitteleuropäer leiden unter varikösen Veränderungen – rund 15 Prozent sind behandlungsbedürftig“, machte Dr. Gläser deutlich. Frauen seien aufgrund von Schwangerschaften häufiger betroffen.

Wichtiges Verfahren

Bei ausgeprägten Befunden sei eine Operation erforderlich. „Das Herausziehen der Krampfadern, das sogenannte Stripping ist nach wie ein wichtiges Verfahren“, so Dr. Gläser. Daneben stellte er die „Radiofrequenzablation“ vor. Dabei wird über einen kleinen Schnitt ein Katheter in die betroffene Vene eingeführt. Dieser wird an der Spitze über Radiowellen erwärmt. „Durch die Hitze werden die Eiweiße denaturiert und die Vene kollabiert, die Krampfader verschwindet in der Folge.“ Dieses moderne und schonende Verfahren sei allerdings nicht für jeden Patienten geeignet.

Eine Behandlung der Krampfadern ist nicht nur eine ästhetische Frage. Das machte Dr. Schüder in seinem Vortrag deutlich. „Gefährlich sind vor allem die drohenden Folgeschäden bei Nichtbehandlung“, so der Chefarzt. Dazu gehören Venenentzündungen, erhöhte Blutungsneigung und ein erhöhtes Thrombose-Risiko. Eine häufige Folge seien außerdem die „offenen Beine“. Moderne Vakuumverbände, silberbedampfte Wundauflagen oder auch mit Algen belegte Verbände würden zwei bis drei Mal pro Woche von speziell ausgebildeten Wundfachschwestern gewechselt. Manchmal seien Hauttransplantationen erforderlich, um die Wunde zu decken.

Während Krampfadern an den Beinen meist gut sichtbar sind, sind arterielle Durchblutungsstörungen mit bloßem Auge nicht zu erkennen. „Die Betroffenen klagen meist über starke Schmerzen in der Wade, ein Ziehen und Brennen, das sich bessert, wenn sie stehen bleiben“, betonte Dr. Jochen Selbach, Chefarzt der Medizinischen Klinik 3 im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim. Ursache sei eine Verengung der Blutgefäße bis hin zu einem Gefäßverschluss.

Zur Behandlung in einem frühen Stadium gebe es verschiedene bewährte Medikamente. Die weiteren Verfahren stellte Privatdozent Dr. Ulrich Baum in seinem Vortrag vor. Der Chefarzt für Diagnostische und Interventionelle Radiologie im Caritas-Krankenhaus ging auf die Vor- und Nachteile der verschiedenen Diagnosemöglichkeiten ein. „Mit der sogenannten DSA gibt es dabei ein modernes Verfahren, bei dem wir in einer Sitzung die verschlossenen Arterien erkennen und zugleich behandeln können“, sagte er. In manchen Fällen sei eine offene Operation allerdings nicht vermeidbar.

Übergewicht, Rauchen, Diabetes und hoher Blutdruck sind auch die Risikofaktoren für Durchblutungsstörungen der Baucharterien. Dies kann zu einer Ausdehnung und Aussackung der Blutgefäße führen. Vor allem ältere Männer seien von einem solchen Aortenaneurysma betroffen, erläuterte Professor Dr. Peter Baier, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie im Caritas-Krankenhaus. Um die Aussackung frühzeitig zu erkennen, empfahl Baier allen Männern ab 65 Jahren eine Ultraschalluntersuchung beim Haus- oder Facharzt.

Neben den Vorträgen und in den Pausen informierten Sanitätshäuser und die Stern-Apotheke über Hilfsmittel für den Alltag. Die Physiotherapeutin Anett Kappus demonstrierte Übungen, um Durchblutungsstörungen vorzubeugen. Viele Besucher nutzten außerdem die Gelegenheit, direkt mit den Ärzten ins Gespräch zu kommen. ghtf