Tauberbischofsheim

Matthias-Grünewald-Gymnasium Interkonfessionelle Diskussionsrunde mit ehrenamtlich tätigen Menschen kam durchweg positiv an

„Jeder kann sich einbringen“

Bei einer interkonfessionellen Diskussionsrunde kamen die Zehntklässler mit Menschen ins Gespräch, die Verantwortung übernehmen und aus dem Glauben heraus anderen helfen.

Tauberbischofsheim. Was tun in der Freizeit? Möglichkeiten gibt es viele. Sich zum Beispiel ehrenamtlich in der Kirche engagieren. Die Fachschaften Religion und Ethik am Matthias-Grünewald-Gymnasium veranstalteten dazu ein ökumenisches Projekt.

Ehrenamtlich ist laut Lexikon „ein öffentliches Amt, für dessen Erfüllung kein Entgelt, sondern nur Ersatz der Auslagen gewährt wird“. Ob Staat, Gemeinde oder Kirche: Sie alle leben aus der Kraft, dem Einsatz und der Fantasie der freiwilligen Helfer. „Keine Pfarrei kann ohne die Ehrenamtlichen auskommen“, erklärte Schuldekanin Cornelia Wetterich. Sie hatte die Veranstaltung initiiert und gemeinsam mit ihren Kolleginnen der Fachschaften Religion und Ethik vorbereitet.

„Nicht mit Geld zu bezahlen“

Die Ehrenamtlichen sind, so Wetterich, neben den Hauptamtlichen mit ihrem Engagement, ihren Ideen und ihrer Einsatzbereitschaft der eigentliche Motor. „Was sie an Kraft und Zeit investieren, ist wirklich nicht mit Geld zu bezahlen.“

Einsatzbereitschaft zeigen auch die Personen, die ans MGG gekommen waren, um von ihrem ehrenamtlichen Engagement zu berichten. Sie übernehmen Verantwortung, wenn sie in ihrer Freizeit im Raum der Kirche ihre Gaben an ganz unterschiedlichen Stellen einbringen.

Elf Menschen waren es, die mit den Zehntklässlern das Gespräch suchten. Die Auswahl sollte nach Wetterichs Angaben deutlich machen, wie vielfältig die kirchlichen Arbeitsfelder sind. „Jeder kann sich einbringen.“ Beim Ehrenamt seien alle Altersgruppen vertreten, ganz unterschiedliche Fähigkeiten würden gebraucht.

Elisabeth Burger, Annsophie Unden und Emma Rincker vertreten die KjG in der Pfarrjugendleitung der Seelsorgeeinheit Tauberbischofsheim. Die beiden berichteten von den Projekten, die sie mit Kindern veranstalten. Es sei schön, sich für andere einzusetzen, versicherten die Drei unisono. Die KjG biete die Möglichkeit, Gemeinschaft zu erfahren.

Elke Hunecke erzählte von ihrer Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe. Sie ist im Helferkreis in Tauberbischofsheim tätig. Dort steht sie als Ansprechpartnerin zur Verfügung und hilft beispielsweise, Formulare auszufüllen. „Jugendliche Flüchtlinge liegen mir besonders am Herzen“, sagte Hunecke. Auch deshalb, weil sie selbst zwei Söhne in diesem Alter hat.

Waltrud Albert und Margrit Wagner berichteten von ihrer Arbeit im Tauberbischofsheimer Tafelladen. Dort setzen sie sich für bedürftige Menschen ein. Margit Einzmann ist als Prädikantin im ganzen Kirchenbezirk Wertheim unterwegs. Manchmal trifft sie dabei auf Jenny Amarell, die als Organistin in Wertheim im Einsatz ist.

Die überkonfessionelle Gemeinschaft von Taizé stellte Johannes Grotz vor. Jahr für Jahr zieht die ökumenische Bruderschaft Tausende junger Menschen zwischen 15 und 30 Jahren aus aller Welt an. Grotz berichtete von der einladenden Atmosphäre von Taizé. „Dort haben Jugendliche die Möglichkeit, ohne Druck von außen einfach sein zu dürfen, wie sie sind.“

Konrad Laufer berichtete von der Karlsruher Citypastoral. Das „Kirchenfenster“ ist ein Angebot der Kirchen für Passanten in der City, egal ob sie der Kirche fernstehen, an Gott glauben oder regelmäßige Kirchgänger sind. Die Akteure der Citypastoral versuchen, die christliche Botschaft in einer alltagsnahen Sprache den Menschen näherzubringen .

Praktische Hilfen

Margot Flegler ist ein „wellcome-Engel“. Diese geben praktische Hilfe nach der Geburt und unterstützen junge Mütter oder Familien eines Kindes, damit sie den Baby-Stress bewältigen. Regionaler Träger des bundesweiten Projekts ist das Diakonische Werk im Main-Tauber-Kreis.

Nach zahlreichen intensiven Gesprächen zogen alle Beteiligten ein positives Fazit. Benedict Fischer staunte über die vielfältigen Einsatzbereiche. „Das Spektrum an ehrenamtlichen Aufgaben ist sehr groß“, erklärte der Zehntklässler. Annabel Füger, Luisa Ille und Eva-Marie Reith fanden die Gespräche sehr inspirierend. „Man wurde angeregt, selbst darüber nachzudenken, eine ehrenamtliche Arbeit anzutreten“, erklärten die Drei.

Tom Beuschlein hat sein Sozialpraktikum in einem Tafelladen in Bayern absolviert. Deshalb freute er sich, mit Waltrud Albert und Margrit Wagner vom Tauberbischofsheimer Tafelladen Erfahrungen austauschen und fachsimpeln zu können. Seine Erkenntnis: „Es war faszinierend zu hören, wie unterschiedlich gearbeitet wird.“

Positive Rückmeldungen kamen auch von den Referenten. „Die Zeit ging wie im Flug vorbei“, bedauerte beispielsweise Johannes Grotz. Spannend fand er die Reaktionen, als er davon erzählte, dass in Taizé jeder mit anpackt – sei es beim Kochen, Spülen, Putzen oder beim Verkauf im Kiosk.

Als „bereichernd und schön“ bezeichnete Konrad Laufer die Gespräche mit den Jugendlichen. Er habe in dieser Zeit eine große Offenheit erlebt, Interesse und ein große Bereitschaft, sich einzulassen. Elisabeth Burger freute sich, bekannte Gesichter zu sehen. „Viele aus der Jahrgangsstufe machen schon bei der KjG mit“, lobte sie das Engagement ihrer Mitschüler.

Religionslehrerin Jutta Banzer empfand die Veranstaltung als für alle Seiten gewinnbringend. „Die Schüler haben erfahren, dass Ehrenamt Teil eines Lebenskonzepts sein kann, in dem nicht nur eigene Interessen und Profit im Vordergrund stehen.“

Ihr Fazit: „Begegnungen mit Menschen bereichern das eigene Leben durch Bestätigung, Freude und Anerkennung.“ mgg