Tauberbischofsheim

Musikcomedy Die „Schönen Mannheims“ zündeten beim Kunstverein ein rotzfreches Feuerwerk ihrer Best-of-Show „Das Schönste der Schönen“

Kess, frech und unglaublich amüsant

Sie rappen und rocken, sie singen und tanzen: Die „Schönen Mannheims“ haben es mal wieder geschafft, ihr Publikum im Tauberbischofsheimer Engelsaal restlos zu begeistern.

Tauberbischofsheim. Rotzfech und mit einem ganz eigenen Charme fesseln die Vier das vorwiegend weibliche Publikum im Engelsaal. Den bezeichnen sie locker als „ihr Wohnzimmer“. Beim Kunstverein sind sie schließlich schon zum fünften Mal zu Gast.

In glitzernden Minikleidern in Gold und Rot erobern sie mit dem „Best of“-Programm „Das Schönste der Schönen“ ihrer Musikcomedy die Bühne. Im Monnemer „Kurpälzisch“ und mit eigenen Songs schwadronieren sie augenzwinkernd über das Leben: Anna Krämer mit ihrem rauen Alt, Susanne Back mit dem wandelfähigen Mezzo und Smaida Platais mit ihrem Opernsopran. Für die passende Begleitung am Piano sorgt Stefanie Titus, die mit stoischer Gelassenheit der ruhende Pol ist und für das musikalische Fundament sorgt.

Das stimmgewaltige Quartett nimmt dabei die Probleme und Problemzonen der Frauenwelt gekonnt und perfekt aufs Korn – ohne unter die berühmte Gürtellinie zu gehen. Und dabei sprühen die Vier vor Witz, Temperament und Energie, dichten bekannte Songs um und persiflieren, was das Zeug hält. Ihre musikalische Ode an die „Blöde Öde“ eines Kanons, bei der auch Händels berühmtes Halleluja in Sequenzen Einklang gefunden hat, ist nur eine der vielen Kostproben – im Dreiklang mit sich und der Welt.

Wenn es um ihre Verflossenen geht, fährt Operndiva Smaida Platais gleich volle Geschütze auf: Als furiose „Königin der Nacht“ aus Mozarts „Zauberflöte“ ist sie nicht zu bremsen – sehr zur Begeisterung des Publikums. Als „Whitney-Houston- Double“ würde Anna Krämer gesanglich durchgehen: Ihr „I will always love you“ war grandios.

Verblüffend die ungeheure Bühnenpräsenz: Die schauspielerische Leistung steht dem Gesang in nichts nach. Urkomisch die Yogastunde, bei der Anna Krämer im meditativen Säuselton die Anweisungen gibt, die von Smaida Platais und Susanne Back pantomimisch und mit so mancherlei Verrenkung umgesetzt werden. Da fließen nicht nur die Hormone von rechts nach links, sondern auch die Lachtränen der Zuschauer. Nicht anders bei ihrer „Einspielung“ für eine BH-Werbung, bei der das gute Stück dezent über das Abendkleid geschoben wird, passend musikalisch untermalt mit „You raise me up“. Der Plissee-Rock kriegt auch sein Fett weg: „Da sitzen die Falten wenigstens an der richtigen Stelle.“

Die vier Grazien können alles – von Pop über Beatbox und Swing bis zu Oper, ob deutsch oder englisch, italienisch oder schwedisch. Und dabei lassen sie keine Lockerheit vermissen. Im Gegenteil. Bei „Voglio parlare“ fliegt die Chipstüte ins Publikum, die schwungvoll wieder zurück auf die Bühne geworfen wird. Die Weintrauben überleben den Abend übrigens ebenso wenig. Und manch ein Zuschauer hat vielleicht eine grüne Frucht gefangen und gekostet.

Spätestens da merkt jeder im Saal: Die „Schönen Mannheims“ fallen gerne mal aus der Reihe. Und die Courage geben sie ihrem Publikum singender Weise und ziemlich deutlich mit auf den Weg: „Was wichtig ist: Hab Mut und sei Du.“ Den haben übrigens auch die Tauberbischofsheimer. Auf einen offenen Liedschluss gibt es aus dem Publikum die passende Antwort.

Die Monnemer Comedy kommt an. „Merci“ sagen nicht nur die Vier am Schluss, die ohne zwei Zugaben nach langem Applaus nicht von der Bühne gelassen werden.