Tauberbischofsheim

Ökumenisches Projekt Interkonfessionelle Diskussionsrunde mit Schülern des Matthias-Grünewald-Gymnasiums und Menschen, die ehrenamtlich Verantwortung übernommen haben

„Kirche ist nur dann lebendig, wenn viele sich einbringen“

Archivartikel

Tauberbischofsheim.„Zeig dich! Sieben Wochen ohne Kneifen“: So lautet das Motto der Fastenaktion der evangelischen Kirche. Die Fachschaften Religion und Ethik am Matthias-Grünewald-Gymnasium (MGG) veranstalteten dazu ein ökumenisches Projekt.

Im Rahmen einer interkonfessionellen Diskussionsrunde kamen die Zehntklässler mit Menschen ins Gespräch, die sich der Verantwortung stellen und aus dem Glauben heraus anderen helfen.

Fähigkeiten einbringen

„Martin Luther hat nicht gekniffen und sich gezeigt“, erklärte Pfarrerin Cornelia Wetterich. Sie hatte die Veranstaltung initiiert und gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen der Fachschaften Religion und Ethik vorbereitet. Luther habe es sich und anderen nicht leicht gemacht, so Wetterich. Er habe sich aber durchgerungen wie viele andere, von denen die Bibel erzählt. Geschichten wie die vom barmherzigen Samariter machen ihrer Meinung nach deutlich, dass Gott sich denen offenbart, die Mitgefühl zeigen und anderen helfen.

Verantwortung übernehmen auch die Personen, die ans MGG gekommen waren, um von ihrem ehrenamtlichen Engagement zu berichten. Sie zeigen sich und kneifen nicht, wenn sie in ihrer Freizeit im Raum der Kirche ihre Gaben an ganz unterschiedlichen Stellen einbringen.

„Sie beziehen einen Standpunkt“, betonte Cornelia Wetterich. Ganz ähnlich wie Martin Luther, der auf dem Reichstag zu Worms gesagt haben soll: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“

Neun Personen waren es, die mit den Zehntklässlern das Gespräch suchten. Die Auswahl sollte nach Wetterichs Angaben deutlich machen, wie vielfältig die kirchlichen Arbeitsfelder sind. „Jeder kann sich einbringen.“ Beim Ehrenamt seien alle Altersgruppen vertreten, ganz unterschiedliche Fähigkeiten würden gebraucht. Elisabeth Burger und Annsophie Unden vertreten die KjG in der Pfarrjugendleitung der Seelsorgeeinheit Tauberbischofsheim. Die beiden berichteten von den Projekten, die sie mit Kindern veranstalten. Es sei schön, sich für andere einzusetzen, versicherten die zwei unisono. Die KjG biete die Möglichkeit, Gemeinschaft zu erfahren.

Elke Hunecke erzählte von ihrer Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe. Sie ist im Helferkreis in Tauberbischofsheim tätig. Dort steht sie als Ansprechpartnerin zur Verfügung und hilft beispielsweise, Formulare auszufüllen. „Jugendliche Flüchtlinge liegen mir besonders am Herzen“, sagte Hunecke. Auch deshalb, weil sie selbst zwei Söhne in diesem Alter hat.

In diesem Bereich setzt sich auch Leonie Schurr ein. Sie ist selbst noch Schülerin am Matthias-Grünewald-Gymnasium und hat im Rahmen ihres Sozialpraktikums Flüchtlingskinder in der Würzburger Gemeinschaftsunterkunft kennengelernt. Mit ihnen veranstaltet sie in ihrer Freizeit Gruppenstunden oder unternimmt Ausflüge.

Waltrud Albert berichtete von ihrer Arbeit im Tauberbischofsheimer Tafelladen. Dort setzt sie sich für bedürftige Menschen ein. Dr. Anne Merklein engagiert sich als Kirchengemeinderätin in Wertheim. Margit Einzmann ist als Prädikantin im ganzen Kirchenbezirk Wertheim unterwegs. Manchmal trifft sie dabei auf Jenny Amarell, die als Organistin in Wertheim im Einsatz ist. Leonie Vestner absolviert in der evangelischen Kirchengemeinde von Wertheim ein freiwilliges soziales Jahr. Dort ist sie in der Kinder- und Jugendarbeit tätig und leitet einen Kinderchor.

Vielfältige Einsatzbereiche

Nach zahlreichen intensiven Gesprächen zogen alle Beteiligten ein positives Fazit. Fabian Baumeister staunte über die vielfältigen Einsatzbereiche. „Die Möglichkeiten, sich zu engagieren, sind sehr groß“, erklärte der Zehntklässler. Dass die Personen, mit denen er gesprochen hatte, viel Zeit investieren und alles unentgeltlich machen, nötigte seinen Respekt ab.

Lara Hemberger spielt Orgel in Kindergottesdiensten von Großrinderfeld. Deshalb freute sie sich, mit Organistin Jenny Amarell Erfahrungen austauschen und fachsimpeln zu können. Lucia Frackenpohl Fuentes hörte besonders aufmerksam Leonie Vestner zu. Das Gespräch mit ihr fand sie inspirierend, weil sie selber auch mit dem Gedanken spielt, ein freiwilliges soziales Jahr zu absolvieren.

Positive Rückmeldungen kamen auch von den Referenten. „Die Zeit war viel zu schnell vorbei“, bedauerte beispielsweise Elke Hunecke. Gleichzeitig lobte sie das große Interesse der Schüler.

Aus diesem Grund regte sie ein Begegnungstreffen mit geflohenen Jugendlichen an. „Dann könnten wir miteinander statt übereinander sprechen.“

Für Organisatorin Cornelia Wetterich machten die Gespräche eines deutlich: „Kirche ist nur lebendig, wenn viele sich einbringen.“ feu