Tauberbischofsheim

Vollversammlung des Dekanatsrats Wandel hin zu einer „Solidargemeinschaft von Gemeinden“ angestrebt / Anpassung der inhaltlichen Arbeit / Zentraler Ort und Motor von Kirchenentwicklung

Lebendiges Netzwerk, Dienstleister und Impulsgeber

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Die Vollversammlung des Dekanatsrats fand im Tagungshotel St. Michael in Tauberbischofsheim statt. Den besinnlichen Einstieg gestaltete Pastoralreferent Dr. Robert Koczy in der Hauskapelle.

Im Sitzungssaal des Hotels ging es nach den Begrüßungsworten von Dekanatsratsvorsitzender Birgit Frei mit einem intensiven Austausch untereinander weiter. Hartmut Schäffner, stellvertretender Vorsitzender, führte in den Tagesordnungspunkt „Aus der Praxis – für die Praxis“ ein. Die Vertreter der einzelnen Kirchengemeinden informierten sich gegenseitig über die Feier des Osterfests und des Erstkommunionwegs. Am Beispiel von Marbach zeigte Hartmut Schäffner auf, dass bereits das erste Treffen zur Vorbereitung der Erstkommunion den Kindern Freude machen müsse.

Die Beiträge zur Erstkommunionvorbereitung waren vielfältig und lebendig. Während in manchen Gemeinden Kinder nur zu Pflichtterminen kamen, waren andere zwar mit Begeisterung dabei, wurden aber teilweise sogar zum Weissen Sonntag selbst nur „abgeliefert“ und wieder geholt. Deutlich wurde auch viel Frust darüber, dass das Gebetsleben in den Familien massiv zurückgegangen ist und die Vorbildfunktion nicht nur in diesem Bereich vermisst werde. Vielfach nehmen sich Eltern zunehmend aus der Erziehungspflicht heraus. Kinder erleben Kirche deshalb oft nicht mehr zuhause, dadurch falle es auch schwer, anschließend Ministrant zu werden.

Dekan Gerhard Hauk wies auf die Diözesanen Leitlinien hin, nach denen die bisherige Fokussierung auf Erstkommunion- und Firmkatechese zugunsten anderer Angebote katechetischer Prozesse verändert werden sollte. Es müsse Hauptaufgabe der Eltern sein, Verantwortung zu übernehmen.

Für Familien erlebbar werden

Es wurde klar: Kirche müsse für Familien erlebbar werden. Ein Weg seien sicher Familiengruppen bereits über den Kindergarten.

Anschließend stellte Dekanatsreferent Robert Koczy den zweiten Entwurf der Pastoralkonzeption des Dekanats Tauberbischofsheim vor, der aus den bisherigen Anregungen des Gremiums und einiger Pfarrgemeinderäte entstanden ist. Neu sei die Verdeutlichung, dass das Dekanat als lebendiges Netzwerk, Dienstleister und Impulsgeber weiterentwickelt werden soll. Die Konzeption des katholischen Dekanats Tauberbischofsheim solle den Wandel dieses Dekanats hin zu einer Solidargemeinschaft von Gemeinden begleiten und gestalten – „aus dem Geist heraus, der uns treibt“.

Mit der Veröffentlichung der Diözesanen Leitlinien sei ein neuer Schritt für die inhaltliche Arbeit eingeläutet: Das Dekanat werde als zentraler Ort und Motor von Kirchenentwicklung – hin zu einer „neuen Form des Kircheseins“ – positioniert. Auch haben sich die Vorgaben für eine Konzeption verändert. Man habe erkannt, dass sie in Zeiten des Umbruchs schlanker, konkreter und konzentrierter sein müsse. Keine über Jahre dauernden Findungsprozesse, sondern kompakte, zeitnah umsetzbare Handlungsimpulse.

Schließlich zeige sich in den Diskussionen immer mehr, dass es an der Zeit ist, „das Dekanat neu zu denken“: Nicht mehr nur als Organisationseinheit im Rahmen der kirchlichen Struktur, sondern als Solidargemeinschaft voneinander lernender, einander stützender und einander einladender Gemeinden.

Es werde darauf ankommen – den schon bei der Vergrößerung der Seelsorgeeinheiten eingeläuteten Prozess weiterführend – Versorgungsdenken einerseits und Anspruchsdenken andererseits zu überwinden. Um dies zu erreichen, müsse eine neue Kultur der Information und des Austauschs entstehen.

Fünf Ziele in den nächsten eineinhalb Jahren wurden festgelegt. Ziel eins ist die Gestaltung einer Infoplattform „Gutes beim Nachbarn“ (bis zum Herbst): Pfarreien sollen hier einander über besondere Veranstaltungen informieren können.

Informationsfluss optimieren

Ziel zwei ist die Optimierung der Informationsweitergabe: wichtige Dekanatsinformationen sollen zukünftig sowohl über die Dekanatskonferenz als auch über den Dekanatsrat in die Gemeinden gegeben werden. Zu diesem Themenfeld gehört auch eine Überprüfung und Aktualisierung der Verteilerwege und der Dekanatshomepage.

Ganz wesentlich wird das dritte Ziel gesehen: Thematisch wird auf Dekanatsebene einen Schwerpunkt auf dem Bereich der Trauerpastoral gelegt. Ziel ist es die Praxis in diesem Feld zu eruieren und zu überprüfen, neue Impulse zu gewinnen und in einem weiteren Schritt ein sinnvolles und funktionierendes Netzwerk aller in diesem Bereich Tätigen zu gestalten.

Intensiv wurde Ziel vier diskutiert: Künftig solle es eine Weitergabe von Stimmungen auf Ortsebene in Richtung Kirchenleitung geben. Das Dekanat intensiviere seine Aktivitäten als Sprachrohr der Ortsebene. Es gebe dann in den Gremien auftauchende Rückmeldungen, Erkenntnisse, Ideen und Entwicklungen als Impulse für die diözesanen Planungen an die Diözesanebene weiter. So könne in der Fastenzeit 2019 das Dekanat einen von den beiden Dekanatsgremien getragenen „Herdenbrief“ an den Erzbischof senden.

Als fünftes Ziel wurden Lektoren- und Kommunionhelferschulungen mit „Tankstellen-Charakter“ aufgenommen: In Kooperation mit der Diözesanstelle bietet das Dekanat im kommenden Jahr neben der Veranstaltung zum Beginn des Kirchenjahrs eine weitere Veranstaltung für Lektoren und Kommunionhelfer mit Schulungs- und spirituellen Elementen an.

Nach der intensiven Diskussion schritt man zur Abstimmung und erzielte ein einstimmiges Votum, so dass diese neue Pastoralkonzeption die nächsten Jahre die Gremien im Dekanat begleitet.

Zahlreiche Informationen warteten am Schluss auf die Dekanatsräte: So ging Dekan Gerhard Hauk auf die Dekanatswallfahrt vom 2. bis 8. September ein. Der Weg führt über Freudenberg, Bronnbach, Großrinderfeld, Lauda, Assamstadt, Uiffingen, Distelhausen nach Tauberbischofsheim.

Hedwig Appel berichtete von Veranstaltungen des Bildungswerks wie dem „Dialog im Klösterle“, dem ökumenischen Grundkurs Bibel und dem Film „Papst Franziskus“. Jugendreferentin Maximiliane Scheuermann warb für die nächste 72-Stunden-Aktion vom 23. bis 26. Mai 2019. Für das Koordinierungsteam würden noch Mitarbeiter gesucht.

Dr. Robert Koczy freute sich, dass beim Eheseminar sieben Paare Interesse zeigten. Am 9. November ist ein „Paardinner“ im Hotel St. Michael geplant. Anmeldungen sind bereits möglich.

Kurt Baumann ging kurz auf die Wallfahrt durch die Seelsorgeeinheit Tauberbischofsheim ein und gab einen positiven Eindruck vom 101. Deutschen Katholikentag in Münster wider. Bk