Tauberbischofsheim

Festrede Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann sprach

„Lesen durch Wischen zu ersetzen, ist kein Mehrwert“

Archivartikel

Tauberbischofsheim.„Die Wirtschaftsgymnasien waren die ersten beruflichen Gymnasien in Baden-Württemberg und damit Wegbereiter vieler anderer beruflicher Schulen, die Allgemeinbildung mit Spezialisierung verbinden“, stellte Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann bei ihrer Festrede zum Geburtstag der drei Wirtschaftsgymnasien im Main-Tauber-Kreis fest. Auf dieses Premium-Produkt könne man stolz sein, denn für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg seien diese Gründungen existenziell gewesen. Sie stünden für Durchlässigkeit und schöpften Begabungsreserven aus. „Wir brauchen diese Vielfalt“, konstatierte sie.

Partner im Bildungssystem

Was sie ärgere, sei die teilweise von oben herab geäußerte Meinung, dass ein Abitur auf einem beruflichen Gymnasium nicht so viel wert sei, wie das auf einem allgemeinbildenden. Eisenmann: „Das Abitur auf einem beruflichen Gymnasium ist nicht gleichartig, aber gleichwertig. Wir brauchen beides.“ Die beruflichen Schulen– und damit auch deren fachlich ausgerichtete Gymnasien – seien wichtige Partner im Rahmen des Bildungssystems.

Mit Blick auf den Main-Tauber-Kreis erachte sie den Slogan „Karriere daheim“ als unglaublich gut, so die Kultusministerin. Denn vor Ort im Main-Tauber-Kreis böten sich alle Entwicklungsmöglichkeiten für junge Menschen. Sie beleuchtete die unterschiedlichen Schwerpunkte der Wirtschaftsgymnasien mit der Ausrichtung auf Internationalität in Bad Mergentheim, auf das Profil Finanzmanagement in Tauberbischofsheim und auf das Forum für kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Kompetenz in Wertheim.

Bildung müsse für die Zukunft definiert werden, damit der berufliche Werdegang zum Erfolg führe, meinte sie. Hier gelte es, sich an den unterschiedlichen Anforderungen zu orientieren. Allein mit Digitalisierung sei allerdings nichts gewonnen. Vielmehr müssten auch Werte und Haltung vermittelt werden. „Das Lesen durch Wischen zu ersetzen, ist definitiv kein Mehrwert“, unterstrich Eisenmann. Sich mit Lessings „Nathan der Weise“ zu beschäftigen, über die Inhalte zu diskutieren, bringe letztendlich mehr als jedes noch so gut gemachte Medienangebot.

Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Vom Grundsatz her gelte nach wie vor Pestalozzis pädagogisches Prinzip vom Lernen mit Kopf, Herz und Hand. Den Lehrern bescheinigte sie, mit Herzblut, Leidenschaft und hoher Kompetenz zu unterrichten und die Schüler auf ihrem Weg in die berufliche Zukunft zu begleiten. Eisenmann abschließend: „Ich habe keine Sorgen ob der Zukunft der beruflichen Gymnasien, denn deren Existenzberechtigung ist nicht zu bezweifeln.“ hvb