Tauberbischofsheim

Grundschule am Schloss Neben der Unterhaltung gehörten auch ernste Themen zum vielfältigen Programm des Schulfests / Projektarbeiten zum Thema „Kinder dieser Welt“ vorgestellt

Nicht überall ist die Kindheit unbeschwert

Einen fröhlichen Nachmittag haben sie gefeiert, die Kinder, Eltern, Großeltern und Lehrkräfte der Grundschule am Schloss beim Schulfest.

Tauberbischofsheim. So vergnüglich allerdings waren nicht alle Themen gewesen, mit denen sich die Kinder während der vorangegangenen Projekttage beschäftigt hatten. „Kinder dieser Welt“ war dabei das Thema gewesen. Und von denen gibt es überall glückliche und traurige, arme und reiche, mit viel Freizeit /Freiheit und schwer Arbeitende.

All diese Aspekte fanden sich auch wieder in den verschiedenen Projekten, die die Kinder zusammen mit ihren Lehrkräften während der Projekttage mit viel Fantasie und Begeisterung umgesetzt hatten. Das wurde in jedem Klassenzimmer sichtbar, wo man den „Kindern dieser Welt“ und ihrem Umfeld begegnete. Und was hatten sie sich da nicht alles einfallen lassen. Da hatte man zum Beispiel Briefkontakt zu verschiedenen Schulen im Ausland aufgenommen und entstanden waren dabei Mappen, in denen die dortigen Jungen und Mädchen von ihrem Schulalltag, ihren Freizeitbeschäftigungen und Lieblingsessen erzählten. Dazu hatten die „Schlosskinder“ auch einige dieser Länder kreativ umgesetzt: einen Zen-Garten für Japan oder Trommeln (aus Blumentöpfen) für Benin, hatten Klebreis gekocht und russische Pfannkuchen gebacken und Musik aus diesen Ländern gehört.

Aber auch in dieser Schule selbst besuchen ja Kinder aus ganz verschiedenen Herkunftsländern – an die zehn sind das insgesamt. Da hatten die in den verschiedenen Klassen so einiges zu erzählen und das auch optisch umgesetzt: Ihre Flaggen gezeichnet, auf der Weltkarte –auch einer selbst gemachten – gezeigt, wo sie herkommen und verschiedene Dinge wie etwa landestypische Kleidung vorgestellt.

Auch so manches Spielzeug hatten die Kinder gebastelt – Brettspiele, wie sie hier gespielt werden wie Mensch-ärger-dich-nicht und Malefiz, aber auch Steckenpferde, Stabpuppen oder Gitta, ein Spiel mit Steinchen, wie man es auch in Indien kennt.

Vor dem Schulhaus hatten es die Zweitklässler selbst ausprobiert und offensichtlich viel Spaß daran gehabt. Im Klassenzimmer spielen konnten die großen und kleine Besucher dann mit selbstgeformten Murmeln, die zu manchem Geschicklichkeitsspiel einluden: beim Murmel-Mikado (Türkei), der Murmelbrücke (Südamerika) oder dem „Okwa“ aus Nigeria.

Die „Großen“ von den vierten Klassen hatten die schon etwas schwierigeren Themen erarbeitet, und, wie die Lehrkräfte ihnen bestätigten, waren mit großem Ernst dabei gewesen.

Was „Kinderarbeit“ bedeutet, erfuhren sie selbst hautnah dabei. In Kooperation mit dem Weltladen hatten sie Tüten geklebt, 100 Stück, eine ganze Stunde hatte die Klasse dafür gebraucht und am Ende gerade einmal zehn Cent dafür bekommen, den üblichen Lohn, für alle zusammen.

Wie es Straßenkindern geht, davon hatte auch Hans-Jörg Ghiraldin aus eigener Anschauung berichten können und die Kinder sehr nachdenklich zurückgelassen. Schulleiterin Beatrix Heimburger-Sack war dieses Thema auch ein Anliegen, hatte sie in ihren Begrüßungsworten zu Beginn des Festes doch die Charta der Vereinten Nationen zu den Rechten von Kindern zitiert: Recht auf Frieden, auf Chancengleichheit, auf Behandlung mit Würde und auf Bildung;. „Wir als Grundschule machen uns bewusst für das Recht eines jeden Kindes auf Bildung stark“, betonte sie. Überhaupt sei der Blick auf das einzelne Kind, dessen Identität und Persönlichkeit wertzuschätzen wichtig; er/sie sei ein Teil vom großen Ganzen der Schulgemeinschaft und der Gemeinschaft aller Kinder dieser Welt.

Um die Kinder dieser Welt, mit denen sich die Klassen jede auf ihre Weise beschäftigt hatten, geht es auch bei einem ganz konkreten Projekt: „Jede Runde zählt – wir laufen für Kinder dieser Welt“. Die beiden Augustiner Patres Peter und Marcel berichteten von ihrem Projekt in Kinshasa (Kongo), wo sie Straßenkindern mit dem Bau eines Kindergartens und einer Schule Zugang zu Bildung und Ausbildung ermöglichen wollen. Dazu hatten die Kinder Sponsoren gesucht – Eltern, Großeltern, Verwandte – und auch weitere Sponsoren sagten ihre Hilfe zu.

Das Fest endete fröhlich wie es begonnen hatte, wobei der Schulchor (Leitung Mechthild Geiger), unterstützt von einer großen Trommel-Gruppe, die Gäste begrüßt und am Ende wieder verabschiedet hatte. Dazwischen hatten die Eltern und natürlich auch eine ganze Reihe von Omas und Opas die Möglichkeit, all die beeindruckenden Ergebnisse der Projekttage zu bestaunen, sich von ihren Kinder (Enkeln oder auch Lehrkräften) so Manches dazu erklären zu lassen, sich am leckeren Kuchenbuffet des Elternbeirats zu stärken oder dem flotten Tanz der Cowboys und Cowgirls zu Countrymusik zuzusehen.

Der karitative Lauf fand dann am Montag auf dem Sportplatz statt und die gut 150 Kinder waren an die 1500 Runden gelaufen. Mit Eifer waren sie dabei und jeder Läufer, jede Läuferin wurde lautstark von den anderen Kindern angefeuert „Sören, Sören“ oder „Lisa, Lisa“; und am Ziel wurde dazu immer das Transparent für sie hochgehalten „Ich laufe für Kinder dieser Welt“. Es es dürfte, zusammen mit den übrigen Sponsoren, eine hübsche Summe zusammen gekommen sein. Die Kinder der dritten Klassen, die „Schulsanitäter“, die während der Projekttage einen kleinen Erste-Hilfe-Kurs gemacht hatten, mussten nicht eingreifen, denn alle waren ohne Blessuren davongekommen. aba