Tauberbischofsheim

Gemeinderat Ratsmitglieder erhielten bei der Waldbegehung am Stammberg einen Einblick in Ziele und Maßnahmen der Forstwirtschaft im Stadtwald von Tauberbischofsheim

Nur ein guter Mix sorgt dauerhaft für Einnahmen

Die Leiterin des Kreisforstamts, Dagmar Wulfes, und Revierförster Jochen Hellmuth informierten den Gemeinderat beim Waldbegang über den Forstbetrieb im Stadtwald.

Tauberbischofsheim. „Was wir Ihnen heute bei unserem Rundgang am Stammberg zeigen, können sie nahezu eins zu eins auf den gesamten Stadtwald übertragen“, stellte die Leiterin des Kreisforstamts eingangs der Waldbegehung fest. „Der Zustand ist insgesamt gut, wir haben eine schöne Mischung im Wald.“ Auch den trockenen, heißen Sommer hätten die meisten Baumarten gut überstanden, nur die Buche hätte an manchen Standorten etwas geschwächelt. Einziger Wermutstropfen sei das Eschentriebsterben, das den Forstleuten Sorgen bereitet.

Handlungsbedarf bei Eschen

„Während wir bei allen anderen Baumarten planend und selbstbestimmend vorgehen können, sind wir bei den Eschen die Getriebenen“, stellte die Leiterin des Kreisforstamts fest. Vor allem am Laurentiusberg in der Nähe der ehemaligen Kaserne gebe es einen Eschenwald, der stark befallen sei.

Aber auch am Stammberg stehen Eschen, die trockene Triebe in den Kronen aufweisen. „Wir müssen zusehen, dass wir sie aus dem Wald bringen, so lange der Stamm noch in Ordnung ist“, erklärt Revierförster Jochen Hellmuth. Bei starkem und langem Pilzbefall werden die Stämme schwarz und das Holz ist nicht mehr zu verkaufen. Ebenso sterben auch die Wurzeln der vom Pilz befallenen Bäume ab, so dass sie „spontan umfallen“ können.

Mechanisches Fällen

„Gerade am Stammberg müssen wir, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten, Eschen, die am Wegrand stehen, fällen“, umriss Hellmuth das weitere Vorgehen. „Wir werden insgesamt am Wirtschaftsweg unterhalb der Stammberghütte durch die Entnahme von Bäumen ein großzügigeres Lichtraumprofil und danach einen krautigen Streifen Wegrand schaffen, um einen Biotopverbund zur Insektenförderung zu etablieren“, ergänzte Dagmar Wulfes.

Bei der Holzernte komme seit kurzem auch der mechanische Spaltkeil zum Einsatz, führte der Revierförster aus. Er werde nicht mehr durch Schläge in den Stamm getrieben, sondern durch Drehung auseinandergespreizt. „Das schont einerseits Muskulatur, Sehnen und Gelenke des Waldarbeiters und verhindert andererseits, dass durch die Vibration der Schläge dürre Äste, wie sie gerade bei der Esche vorhanden sind, herunterfallen“, so Hellmuth.

Unterschiedliche Waldbilder

An den weiteren Stationen der Waldbegehung zeigten Dagmar Wulfes und Jochen Hellmuth auf, wie sinnvolle Waldwirtschaft funktioniert und welche Maßnahmen von der Jungbestandspflege bis zur Hiebsreife erfolgen. „Wir gehen nach der Devise erst qualifizieren, dann dimensionieren vor“, sagte die Leiterin des Kreisforstamts. Anhand einer Naturverjüngung in einem alten Eichenbestand erläuterten die Forstleute, dass es zunächst darauf ankommt, die jungen Eichen durch Bestandspflege zu fördern, damit sie sich gegen die anderen Baumarten im Bestand behaupten.

In einem 50-jährigen Douglasien- und in einem 70-jährigen Eichenbestand führten sie den Ratsmitgliedern vor Augen, was „dimensionieren“ bedeutet. „In diesen beiden Waldabschnitten gilt es, für die Kronen der besten Bäume Platz zu schaffen, damit sie genügend Licht bekommen und somit die Stämme gut zulegen“, führte Hellmuth aus. Deshalb werde in beiden Wäldern durch eine Durchforstungsmaßnahme Platz geschaffen.

Gut ersichtlich war an diesen beiden Waldbildern auch das unterschiedliche Wachstum der zwei Baumarten. Während die 50-jährigen Douglasien einen Stammdurchmesser von über 50 Zentimetern hatten, waren es bei den 70 Jahre alten Eichen gerade mal 30 Zentimeter. Zudem: „Bei den Douglasien ist geplant, 400 Festmeter pro Hektar zu ernten, bei den Eichen 250 Festmeter“, erläuterte Dagmar Wulfes. „Allerdings erzielt man bei der Eiche auch einen höheren Preis pro Festmeter, so dass auch ein Eichenwald sich lohnt.“ Das einzige Manko sei, dass ein Eichenwald viele Jahrzehnte länger braucht, bis die Bäume erntereif seien.

Revierförster Jochen Hellmuth und auch Dagmar Wulfes wiesen noch auf die Bedeutung der Rückegassen hin.

„Nur in diesen Schneisen darf mit schwerem Gerät gefahren werden, alle anderen Waldflächen sind tabu“, so Hellmuth. Deshalb sei dies schonender für den Waldboden und die Mehrzahl der Bäume, als wenn überall kreuz und quer gefahren würde.

Hellmuth wies noch darauf hin, dass er und seine Kollegen auf Blockbildung bei Hiebmaßnahmen hin. „Wenn wir konzentriert in einem Distrikt fällen, ist zum einen die Überwachung des Hiebs für uns einfacher und zum anderen rentabler für die Selbstwerber, da alles kompakt an einer Stelle ist“, so Hellmuth. Der Einsatz der Selbstwerber habe sich in diesem Jahr als eine „Win-Win-Situation“ sowohl für den Forstbetrieb als auch fürs Unternehmen erwiesen. „Trotz sinkender Preise auf dem Holzmarkt aufgrund einer Schwemme von Käfer- und Sturmholz haben wir noch gute Preise erzielt“, so Wulfes.

Auch Exoten etablieren

„Wir wollen in ihrem Stadtwald einen Gemischtwarenladen mit breitgefächertem Angebot etablieren, so dass wir auf alle Anforderungen des Markts reagieren können“, meinte die Leiterin des Kreisforstamts abschließend. Deshalb werde bei den Naturverjüngungen auch ein Augenmerk darauf gelegt, „Exoten“ wie Hybridnuss, Haselnuss, Spitzahorn, Kirsche oder Bergahorn in den Betsand zu integrieren.

Vockel lobt Forstleute

Auf Nachfrage von Bürgermeister Wolfgang Vockel, stellte Dagmar Wulfes fest, dass es an den Schneisen, die für die Windräder geschlagen wurden, keine Sturmschäden aufgetreten seien. Aber: „Die Bäume am Rand haben teilweise Sonnenbrand bekommen“, sagte Leiterin des Kreisforstamts.

„Wir sind mit ihrer Arbeit voll und ganz zufrieden“, lobte Bürgermeister Wolfgang Vockel die Forstleute.