Tauberbischofsheim

Workshop Bei der Alkoholprävention bei Jugendlichen ist der Handlungsbedarf groß / 26 Prozent der Elf- bis 14-Jährigen im Landkreis trinken Bier oder Biermischgetränke

Ohne kompetente Ansprechpartner und die Eltern geht es nicht

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Ein Workshop zur Alkoholprävention bei Jugendlichen fand im Landratsamt Main-Tauber-Kreis in Tauberbischofsheim statt. Iniziiert hatte die Zusammenkunft der Aktionskreis Sucht- und Gewaltprävention, Sicherheit und Gesundheitsförderung (AkS) und die Kommunale Suchtbeauftragte im Landratsamt.

Die hohen Zahlen des Statistischen Landesamtes über Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Main-Tauber-Kreis, die aufgrund einer Alkoholvergiftung stationär behandelt werden müssen, beschäftigen die Mitglieder des AkS und die Landkreisverwaltung immer wieder.

Neue Ideen entwickeln

Während der Alkoholkonsum bei Jugendlichen und speziell das Rauschtrinken laut der so genannten KIGGS-Studie (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland) bundesweit eher abnimmt, sind die Zahlen im Main-Tauber-Kreis nach wie vor signifikant hoch und nehmen entgegen dem Trend noch zu, erklärt Kreis-Sozialdezernentin Elisabeth Krug. Daher nahm der AkS stellvertretend für den Main-Tauber-Kreis am Förderprogramm „Starthilfe plus: Junge Menschen im öffentlichen Raum – Prävention von riskantem Alkoholkonsum“ des Landes Baden-Württemberg teil.

Schon 2015 hatten sich die Verantwortlichen in der ersten Phase des Landesförderprogramms Starthilfe eingebracht. Vor Ort initiierte man damals die CTC-Schülerbefragung mit den Mitteln dieses Förderprogrammes und intensivierte erneut die Arbeit rund um die Alkoholprävention.

Nun wurde mit dem Workshop an diese Arbeit angeknüpft. Der Einladung in das Landratsamt folgten zahlreiche Interessierte aus Politik, Medizin, Schule und Verwaltung, die Mitglieder des Aktionskreises Sucht- und Gewaltprävention, Sicherheit und Gesundheitsförderung (AkS) sowie der Erste Vorsitzende des Fördervereins AkS, Bundestagsmitglied Alois Gerig.

Ziel der Veranstaltung war es, gemeinsam zu überlegen und zu diskutieren, was bereits in den einzelnen Kommunen präventiv gut funktioniert und gemeinsam neue Ideen zu entwickeln. Auch wurde um die weitere Unterstützung neuer Mitstreiter geworben.

Ein besonderer Schwerpunkt des Förderprogramms liegt auf der Kooperation aller beteiligten Institutionen auf kommunaler Ebene. Erst, wenn sich alle an einen Tisch setzen, den Stellenwert der Thematik gemeinsam als hoch betrachten oder es einen so genannten Handlungsdruck gibt – erst dann würden Hindernisse oder Annahmen wie „keine Zeit dafür“, „Prävention ist nicht sexy“ oder „Prävention ist ein Spielverderber“ überwunden und gemeinsam das Ziel eines maßvollen, dem Jugendschutz entsprechenden Alkoholkonsums bei Jugendlichen erreicht, erklärte der Referent des Förderprogramms Heiko Probst aus Waldshut bei der Veranstaltung im Landratsamt.

Alarmierende Zahlen

Die Kommunale Suchtbeauftragte Sigrid Mündlein erläuterte den Teilnehmern die Ergebnisse der CTC-Schülerbefragung im Main-Tauber-Kreis. Damit sei die einzigartige Möglichkeit aufgegriffen worden, die Kinder und Jugendlichen zu ihrem Leben in großer Zahl selbst zu befragen. Auffällig seien dabei die hohen Zahlen bei häufigem Alkoholkonsum.

Während im Main-Tauber-Kreis schon 26 Prozent der elf- bis 14-Jährigen angeben, Bier und Biermischgetränke wie Radler zu trinken, waren dies in Niedersachsen nur sechs Prozent. Der Vergleich zu Niedersachsen wird herangezogen, weil der Main-Tauber-Kreis diese Befragung als erster Landkreis in ganz Baden-Württemberg durchgeführt hat. Weiter wurden Themen wie die Verfügbarkeit von Alkohol oder der Umgang mit konsumierenden Freunden von den Schülern selbst als auffällig bewertet.

Im Anschluss an diesen Impulsvortrag hob Gerd Frick die Bedeutung der personellen Ressourcen hervor. Nachhaltige, kontinuierliche und qualitativ hochwertige Präventionsarbeit könne nur geleistet werden, wenn den Schulen die Unterstützer wie zum Beispiel Suchtberatungsstellen, Polizei und Landratsamt bekannt sind und diese ihre Expertise an den Schulen miteinbringen können. Auch bedankte er sich an dieser Stelle, dass diese Unterstützung im Main-Tauber-Kreis gewährleistet ist.

Als Präventionsbeauftragter des Regierungspräsidiums Stuttgart kenne er die Bedarfe der Schulen und Schüler nach kompetenten Ansprechpartnern rund um Sucht- und Gewaltprävention. Schule ist zentrales Handlungsfeld der Prävention – ohne Unterstützung auf kommunaler Ebene und Einbeziehung der Eltern und Familien bleibt sie jedoch unvollständig und könne nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Prävention könne erst gelingen, wenn alle Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen einbezogen werden, sagte Frick. Schließlich waren die Teilnehmer im Workshop zu den Themen „Maßnahmen der Polizei und des Ordnungsamtes“, „Sensibilisierung der Öffentlichkeit“, „universalpräventive Programme zur Verhaltensänderung“, „Verfügbarkeit von Alkohol“ sowie „Familie und Schule“ selbst gefragt. Immer wieder wurde dabei die Preisgestaltung von alkoholfreien und alkoholhaltigen Getränken oder das Angebot von alkoholfreien Getränken bei (Vereins)Festen oder auch in Gaststätten diskutiert.

Das Fazit zur so genannten „Festkultur“ fiel bei den Teilnehmern durchaus unterschiedlich aus: Während dieses Projekt einerseits von Teilnehmern als „gescheitert“ bezeichnet wurde, entgegneten andere, wie wichtig diese Selbstverpflichtung sei und regten eine erneute Information und Sensibilisierung der Vereine und Kommunen zum Thema an. Auch wurde eine verbesserte Kooperation von Medizin und Suchtpräventionsfachleuten des AkS vorgeschlagen. Die Prüfung der Umsetzung der Maßnahmen könne von den Mitgliedern des AkS als Experten vor Ort stattfinden, schlug Heiko Probst vor. Einig war sich schließlich das Gros der Teilnehmer, dass der Handlungsbedarf zum Thema im Main-Tauber-Kreis groß sei und daher die Veranstaltung als weiterer Baustein rund um die vielfältigen Aktivitäten des AkS wertvoll gewesen sei. lra.