Tauberbischofsheim

Schlag ins Gesicht

Archivartikel

Marcel Sowa; über die Reaktionen; aus der Politik

Es gab in der Vergangenheit wohl kaum ein politisches Video, das für so viele Diskussionen gesorgt hat wie der Beitrag des Youtubers Rezo. Wenige Tage vor der Europawahl wurde quasi über nichts anderes geredet. Die CDU reagierte hilflos und benötigte mehrere Tage, um aus der Schockstarre zu erwachen. Erneut wurde sie mit einer Generation konfrontiert, der Politikverdrossenheit nachgesagt wurde. Einer Generation, die als verschollen galt in den Tiefen des „Neulands“ namens Internet. Mittlerweile sollte selbst der Letzte bemerkt haben, dass außer Selfies, Instagram und Youtube die vielzitierte „Jugend von heute“ doch ein Interesse und ein Gespür für die Politik hat. Sicherlich hat Rezo in seinem Video manche Sachverhalte zugespitzt, vereinfacht und mit einer Brise Polemik garniert. Doch ganz ehrlich: Geht es in der Politik nicht genauso zu? Nach den „Fridays for future“-Protesten und den Demonstrationen gegen die Urheberrechtsreform hätte man im Umgang mit dem Video auch mehr Fingerspitzengefühl als Antwort erwarten können. Die Statements von Annegret Kramp-Karrenbauer oder Thomas Bareiß sind ein Schlag ins Gesicht für alle, nicht nur für junge Menschen. Die CDU hat einiges bewirkt, das stimmt, doch sie hätte noch viel mehr tun können. Die „Nach mir die Sintflut“-Politik funktioniert nicht beim Thema Klimawandel. Nicht umsonst haben die Christdemokraten bei den unter 25-Jährigen, zu denen auch ich gehöre, so wenige Stimmen gesammelt. Und das hat nichts damit zu tun, dass die Partei online „cooler“ oder „hipper“ werden muss. Die Entscheidungen von heute sind auch noch in Jahrzehnten spürbar. Es müssen weitreichende Taten folgen, denn: Nur vom Reden wird der Meeresspiegel auch nicht aufhören zu steigen.

 
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