Tauberbischofsheim

Matthias-Grünewald-Gymnasium Neuntklässler veranstalteten einen Aktionstag zum Thema „Suchtprävention“ / Autorin Anna Kuschnarowa las aus ihrem Buch vor

Spaß können Jugendliche auch ohne Alkohol haben

Tauberbischofsheim.Trauriger Rekord: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die wegen Alkoholmissbrauchs ins Krankenhaus eingeliefert werden, steigt wieder an. Laut Statistischem Landesamt wurden 2016 2957 Mal 13- bis 19-Jährige behandelt, weil sie zu viel getrunken haben. Der Main-Tauber-Kreis belegte in dieser Statistik den vordersten Platz in Baden-Württemberg. Grund genug für die Neuntklässler des Matthias-Grünewald-Gymnasiums, einen Aktionstag zum Thema „Suchtprävention“ zu veranstalten.

„Wir wollten nicht nur aufklären, sondern Möglichkeiten erfahrbar machen, wie die Jugendlichen ihre Lebensenergien sinnvoll und selbstverantwortlich einsetzen können“, erklärte Suchtpräventionslehrerin Diana Orthober das Anliegen der Veranstaltung. Zusammen mit Religionslehrerin Monika Keller hatte sie den Aktionstag organisiert. Ziel war es, dass die Schüler ihren Horizont erweitern und Verantwortung für sich übernehmen.

Mehrere Workshops ermöglichten unterschiedliche Perspektiven auf das Thema. Lernen der etwas anderen Art war, so Monika Keller, angesagt. „Der Lebensbezug ist bei den verschiedenen Angeboten sehr deutlich geworden.

Den Auftakt des abwechslungsreichen Projekttages bildete eine Autorenlesung mit Anna Kuschnarowa. Die gebürtige Würzburgerin hat mit „Junkgirl“ einen rasanten Jugendroman über Verführung und Desillusionierung geschrieben. In den Auszügen, die die Autorin vortrug, wurde mit erschreckender Eindringlichkeit deutlich, wie wenig es bedarf, um in einen Strudel aus Heroin, Prostitution und Kleinkriminalität abzurutschen. Kuschnarowas Vortrag verfehlte seine Wirkung nicht. Ihr sei in dieser Deutlichkeit gar nicht bewusst gewesen, was Drogen anrichten können, meinte Annabel Füger. Jetzt will sie den ganzen Roman lesen.

Dr. Anne Merklein informierte über Ursachen und Folgen von Essstörungen. Die in der Kinder- und Jugendpsychiatrie tätige Expertin wollte den Blick auf die eigene Körperwahrnehmung schärfen. Ein Anliegen, das gerade bei den Mädchen gut ankam. „Man hat viel über sich selbst erfahren und gelernt, sich selbst zu lieben“, bestätigte Lilly Scherer.

Für Betroffenheit unter den Schülern sorgte die Begegnung mit Anonymen Alkoholikern. Die Offenheit, mit der diese über ihre Sucht sprachen, imponierte ihnen. „Sie gaben einen Einblick in ihr Leben, wie man es eigentlich nur aus Filmen kennt“, staunte Florian Krug. Von „tragischen Schicksalen“ sprach Lukas Welker. Und Ilvi Seidemann räumte ein, dass deren Geschichten sie „sehr mitgenommen“ haben.

Kriminalhauptkommissar Bernhard Haag klärte eindrücklich über Drogen aller Art auf. „Menschen suchen einen Kick“, meinte der Leiter der Außenstelle Tauberbischofsheim, Referat Prävention. Ihn auf sinnvolle Weise zu befriedigen, legte er den Jugendlichen ans Herz.

Lust auf leckere Cocktails? Der Workshop mit Beate Laumeyer und Christine Schaber war sehr gefragt. Unter Anleitung der beiden Mitarbeiterinnen der Landesinitiative Blickpunkt Ernährung mixten die Schüler alkoholfreie Getränke mit verheißungsvollen Namen wie „Tropical Island, „Hot Amor“ oder „Blck Hole“. Von den leckeren Alternativen zum Alkohol war Nele Otter begeistert. Auf der nächsten Party will sie die Ideen gleich umsetzen. mgg