Tauberbischofsheim

Leserbrief Zur Situation auf der Bundesautobahn A 81 (FN, 23. Juli)

„Unfall sollte zum Nachdenken bringen“

Archivartikel

Der schwere Verkehrsunfall auf der BAB 81 sollte uns alle zum Nachdenken bringen. Aus beruflichen Gründen bin ich sehr oft auf dieser Autobahn unterwegs und erlebe dabei immer mehr das Unvermögen und die Rücksichtslosigkeit der Kraftfahrer in ihren mit elektronischen Assistenzsystemen aufgerüsteten und dadurch vermeintlich sicheren, unfehlbaren Pkw.

Was das alles für Folgen haben kann, wenn der Fahrzeugführer sich voll und ganz auf die elektronischen Helferlein verlässt, wird uns immer wieder vor Augen geführt.

Irgendwie habe ich schon lange darauf gewartet, dass es auf dieser Autobahn zu einem solchen Unfall kommt. Abgesehen davon, dass viele der Fahrzeugführer während der Fahrt sich mehr mit ihrem Smartphone beschäftigen, als auf den Verkehr zu achten, werden grundsätzliche Verkehrsregeln ignoriert. Mindestabstand und Maximalgeschwindigkeit werden – nicht zuletzt aufgrund der vorgegaukelten Sicherheit – in Maximalabstand und Mindestgeschwindigkeit umgewandelt.

Wer braucht schon eine mit 16,50 Euro überteuerte Freisprecheinrichtung? Das Geld kann man sich doch sparen. Mir passiert schon nichts, ich kann ja fahren, und zudem habe ich doch auch noch den Notbremsassistenten, den Radar-Abstandswarner, ESP, ABS, ASR, bis zu 16 Airbags und die Wetter-App. Wozu soll ich mich dann noch auf das Fahren konzentrieren oder mein Fahrverhalten an die Witterungs- und Straßenverhältnisse anpassen?

Da ich dem täglichen Kampf auf dieser Autobahn ausgeliefert bin, schreibe ich hier nur das nieder, was ich mit eigenen Augen gesehen und im Gespräch mit anderen Verkehrsteilnehmern mit eigenen Ohren gehört habe. Einfach das Hirn einschalten und bei Regen den Fuß vom Gas nehmen, den Abstand auf das in der Straßenverkehrsordnung vorgeschriebene Maß bringen und sich selber nicht so wichtig nehmen, hätte vielleicht diesen Unfall nicht verhindern, aber die Folgen ganz sicher vermindern können. Dazu muss ich kein Experte sein, die Bilder von den verunfallten Kraftfahrzeugen, die deutschlandweit zu sehen waren, sprechen eine eindeutige Sprache. Auch wenn die Unfallursache noch nicht ermittelt ist und der Ablauf wahrscheinlich nie eindeutig geklärt werden kann.

Mein Fazit: Solange die Überwachung des Verkehrs aufgrund von drastischem Personalabbau bei der Polizei nur noch sporadisch durchgeführt werden kann und solange es keine wirklich drakonischen Strafen bei offensichtlichem Fehlverhalten gibt, wird sich an dieser Situation nichts ändern und bis es zum nächsten Unfall mit vergleichbaren Folgen kommt, ist es nur eine Frage der Zeit. Der nächste Regen kommt bestimmt. Vernunft und gegenseitige Rücksicht ist leider im Straßenverkehr des 21. Jahrhundert nicht mehr tugendhaft. Schwäche wird durch rücksichtsloses Drängeln, dichtes Auffahren und die Darstellung der eigenen Wichtigkeit bestraft.

Wann erkennen wir endlich, dass wir nicht so wichtig sind, um während der Fahrt auf dem Smartphone zu daddeln?

Wann erkennen wir endlich, dass elektronische Helferlein im Auto den Menschenverstand nicht ersetzen können? Wann fangen wir endlich wieder damit an, uns im Straßenverkehr wie zivilisierte Menschen zu benehmen?

Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen derer, die unbeabsichtigt in diese Situation geraten sind und ganz besonders den Einsatzkräften der Rettungsdienste.