Tauberbischofsheim

Leserbrief Zu „Minister will die Region nicht abhängen“ (FN 7. Mai)

Ungerechtigkeit muss ein Ende haben

Der große Festsonntag zum Jubiläum „150 Jahre Tauberbahn“ ist vorüber. Erfolgreich: die Fülle an Infoständen, Ausstellungen, Aktivitäten zur Bahn allein in Lauda (neben weiteren Geschäfts- und Kulturaktionen), dazu die vielen Angebote entlang der Taubertalbahn - der festliche Höhepunkt im Jubiläum. Drei persönliche Anmerkungen zum Festtag: besonders gefreut hat mich, dass die Königshöfer Heimatfreunde ihre Ausstellung über den Bahnhof Königshofen in Lauda zeigten. Sehr interessiert hat mich die Nachbildung des „Adlers“ von 1835. Auf jeden Fall der Wiederholung wert ist die Führung von Herrn Bickel durch die Laudaer Eisenbahnerstadt und Baugenossenschaft.

Die Festredner hatten ein gutes Thema, ist doch die Taubertalbahn inzwischen Vorzeigeobjekt. Ihre Bedrohung wurde im kreis-kommunalen Schulterschluss abgewehrt – ihre Betreuung durch die Westfrankenbahn sucht ihresgleichen. Wenn man sieht, wie Bahnsteig um Bahnsteig optimiert wird, und hört, dass 15 Millionen Euro allein in den Reicholzheimer Tunnelsanierung investiert werden! Von diesen Zuständen können Anlieger der Frankenbahn nur träumen. Dass das Eisenbahn-Stiefkind im Kreis nicht vergessen wurde, dafür sorgten Bürgerinnen und Bürger aus den Gemeinden Ahorn und Boxberg. Erstmals traten sie zusammen auf. Erstmals zeigten sie über Ortsgrenzen hinweg gemeinsam Flagge. Erstmals erhoben sie vereint die Schilder „S-Bahn-Lückenschluss Osterburken-Würzburg JETZT!“

Während Hr. Kollai von der Westfrankenbahn die Initiative bestärkte: „Kämpfen Sie weiter!“, monierte Verkehrsminister Hermann: Ein schneller Regionalexpress könne, um schnell zu sein, nicht an jeder Station halten. Die Äußerung offenbart ein tiefes Stuttgarter Missverständnis. Wenn Menschen für den S-Bahn-Lückenschluss demonstrieren, wollen sie nicht zuerst schnelle RE-Züge. Sie wollen erst mal Nahverkehrszüge, die am Heimatbahnhof halten.

Sie wollen nicht immer mit Auto, Taxi oder Bus zum nächsten Knotenbahnhof fahren müssen. Sie wollen verkehrsnah, nämlich vor Ort einsteigen, so wie es 120 Jahre lang möglich war – bis zum Service-Kahlschlag 1985. Sie wollen auch nicht länger ausgetrickst werden mit der Behauptung: der schnelle Regionalexpress erlaube keine S-Bahn oder Regionalbahn.

Es gibt einige beliebte Stuttgarter „Totschlag“-Argumente gegen S-Bahn oder Regionalbahn zwischen Osterburken und Würzburg. Etwa zu wenig Fahrgast-Potential (wäre widerlegbar durch das Gutachten von 2007) oder zu hohe Kosten. Aber nach 30-jährigem Abbau gibts Neuaufbau nicht zum Nulltarif. Und anderenorts wird mehr investiert. Beispiel Westfrankenbahn: 15 Millionen Euro für nur einen Tunnel - dafür hätte man 2007 die S-Bahn von Osterburken über Lauda und Wittighausen bis zur Landesgrenze bauen können.

Ich sehe das Ganze als eine Frage der Gerechtigkeit. Unsere Vorfahren haben für die Bahnlinie Heidelberg – Würzburg gekämpft. Sie haben Geld und Energie, Gelände und Landschaften eingebracht für den Nah- und Fernverkehr. Ein faires Geben und Nehmen: wer den Fernverkehr ermöglicht, wird auch im Nahverkehr bedient. Eine Sache der Gerechtigkeit! Dieses faire Miteinander wurde durch den Service-Kahlschlag 1985 aufgekündigt. Was seither zwischen Osterburken und Lauda geschieht, ist skandalös: seit 30 Jahren wird die Infrastruktur an den gekappten Bahnhöfen ruiniert: durch Abbau von Gleisen, Weichen, Übergängen, Bahnsteigen. Investitionen nur für Durchfahr-Züge - nach dem Motto: „Dein Feind, der Nahverkehr“.

Doch es gibt neue Hoffnung: Nach vielen vergeblichen Einzel-Vorstößen sprechen Kreise und Kommunen endlich zusammen für eine Verbesserung auf der Strecke Osterburken – Würzburg, auch außerhalb von Osterburken und Lauda.

Erstmals beginnen jetzt auch Bürgerinnen und Bürger gemeinsam für den Lückenschluss zu demonstrieren. „Wir tun alles, damit die Bahn in der Region nicht abgehängt wird“, sagte Minister Hermann. Die Menschen zwischen Osterburken und Lauda sind derzeit vom Bahn-Nahverkehr abgehängt. Sie wollen sehen, was „alles“ bedeutet. Die Ungerechtigkeit muss ein Ende haben!