Tauberbischofsheim

Aktionswoche „Fair Fashion“ Weltladen organisierte im Winfriedheim eine Kleidertausch-Party / Filmabend machte auf Missstände in der Modeproduktion aufmerksam

Viele Kleidungsstücke wechselten die Besitzerin

Archivartikel

Tauberbischofsheim.An diesem Morgen drehte sich im Tauberbischofsheimer Winfriedheim alles um ein Thema: Mode. Die Kleidertausch-Party des Weltladens fand im Winfriedheim statt. Deren Sinn und Zweck fasste Vorstandsmitglied Monika Comparato kurz und bündig so zusammen: „Kleider tauschen statt kaufen“. Denn der Altkleiderberg wächst – und damit der Verbrauch an Rohstoffen und umweltschädlicher Chemie.

Gute Resonanz

Viele Interessierte haben ihre Kleidung bereits an den Tagen zuvor im Weltladen gegen einen Bon getauscht und so verlocken im Saal des Winfriedheims schon zu Partybeginn unzählige Shirts, Blusen, schicke und lässige Kleider sowie Hosen und Jacken zum Anprobieren. Gelächter schallt durch den Raum und viele Fragen müssen beantwortet werden: „Ist das zu Retro oder doch chic?“. „Passt mir die Hose?“. Und vor allem: „Steht mir das?“.

Während eine Gruppe älterer Damen ausgelassen kichernd eine Freundin berät, die eine Jacke mit dunklem Fellkragen in Händen hält, haben zwei jüngere Party-Besucherinnen bereits je drei Kleidungsstücke ausgewählt. Die eine möchte das blumige Etuikleid zu einer Konfirmation tragen, die andere freut sich über ein Shirt, das zur neuen Hose passt.

„Wir sind zufrieden mit der Resonanz unserer Tauschbörse“, sagt Monika Comparato. Mit rund 50 Besucherinnen sei die Tauschparty gut besucht. Etliche Kleidungsstücke haben neue Besitzerinnen gefunden.

Filmabend

Am Abend neigt sich die Aktionswoche „Fair Fashion“ im Kino Badischer Hof ihrem Ende entgegen. Im Foyer präsentiert das Weltladen-Team neben Informationsmaterialien das neueste Produkt des Weltladens: Unterwäsche für Herren und Damen. Hergestellt werden sie von zwei Weltenbummlern, die sich der öko-fairen Wäsche verschrieben haben.

Die Slips, Panties und Unterhemden tragen das GOTS-Siegel, das hohe ökologische Standards garantiert, und sie bestehen aus fair gehandelter Bio-Baumwolle. „Die Panties machen einen schönen Hintern“, verrät eine gut informierte Dame hinter vorgehaltener Hand, und sie seien gut waschbar.

Mode überlegt einkaufen

Wie wichtig es ist, Mode überlegt einzukaufen, macht der dokumentarische Vorfilm deutlich, in den Vorstandsmitglied Birgit Hauke in ihrer Begrüßungsrede einführt. Der Film beschreibt, wie bekannte Textilfirmen ihre Kleidung produzieren lassen. Von Kinderarbeit und Zwangsarbeit ist die Rede, von der fast unerträglichen Hitze in den Fabriken, dem Verbot, den Arbeitsplatz zu verlassen, um etwas zu trinken oder die Toilette aufzusuchen, von verschlossenen Türen und fehlenden Notausgängen.

Satirischer Blick auf die Branche

Erinnert wird auch an Rana Plaza und andere Katastrophen in den Textilfabriken des Südens. Während Frankreich ein Gesetz erlassen hat, das die Unternehmen dazu verpflichtet, die Menschenrechte entlang der gesamten Produktionskette einzuhalten, setzt die Bundesregierung auf die freiwillige Bereitschaft der Textilunternehmen im Rahmen des Bündnis für nachhaltige Textilien. Nach der nachdenklich stimmenden Dokumentation ging es weiter mit einem vergnüglichen Blick in die Welt der Mode im Film „Der Teufel trägt Prada“. Die Eindrücke aus den Textilfabriken im Bangladesch konnte der satirische Spielfilm jedoch nicht verdrängen.

Beim Verlassen des Kinos diskutierten zahlreiche Besucher über die Arbeitsbedingungen in Bangladesch, über das Textilbündnis in Deutschland und die vorbildliche gesetzliche Regelung in Frankreich. sps