Tauberbischofsheim

Schlosskonzerte Tauberbischofsheim „German hornsound“ gastierten im Rathaussaal

Vier Hornisten begeisterten

Tauberbischofsheim.„German hornsound“ nennen sich die vier Hornisten Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger, die sich beim jüngsten Schlosskonzert im wieder sehr gut besuchten Rathaussaal mit überwiegend selbst geschriebenen Arrangements bekannter Klassik-Evergreens vorstellten und dabei eindrucksvoll die ungewöhnliche stilistische Bandbreite ihres Repertoires zwischen Barock und Moderne demonstrierten.

Das Quartett, bestehend aus bei bekannten Orchestern fest engagierten Hornisten, wurde 2006 gegründet und hat sich seither nicht nur durch seine eigenen erfolgreichen Arrangements aus dem populären Klassik-Fundus sondern auch durch viele originelle und innovative Projekte im Zusammenwirken mit anderen Ensembles internationales Renommée erworben.

Das Ventilhorn von heute, das Erbe einer jahrtausendealten Entwicklung, tönt zwar nicht ganz so laut und durchsetzungsstark wie verwandte Blechblasinstrumente – sei es nun die Trompete oder gar die Posaune – und ist in der Spielweise weniger flink und beweglich wie ein Holzblasinstrument, doch verfügt es über einen einmaligen, unverwechselbaren, warmen und weichen, dunkel-fülligen Klang, der eigenartig die Seele berührt und ferne Erinnerungen an eine schöne Vergangenheit, an Naturidyllen, kurz: an die „heile Welt“ heraufbeschwört. Nicht zufällig gilt es als ein Charakterinstrument speziell der deutschen Romantik, und Werkebeispiele aus dieser Epoche waren denn auch angemessen vertreten im Programm von „german hornsound“, die ihre Vorstellung im Rathaussaal vierfach gegliedert hatten, mit je drei Lieblingsstücken(neudeutsch „likes“) für jedes Mitglied, das seinen Part jeweils kurz anmoderierte.

Toll eingespieltes Team

Barocke Beispiele von Bach, Händel, Alessandro Marcello und Giovanni Pergolesi waren dabei ebenso vertreten wie allerlei Romantisches beginnend mit Mendelssohn über Dvorak, Bruckner bis hin zu Verdi. Last but not least durfte der viel gerühmte, in den letzten zwei Jahrzehnten zu enormer Beliebheit aufgestiegene Astor Piazzolla mit einem Tango nicht fehlen.

Die Truppe – mit dem hier schon wohlbekannten Christoph Eß als „primus inter pares“ – präsentierte sich dabei als ein toll eingespieltes Team mit saalfüllendem Volumen und besonders in den lyrischen Stücken expressive-emotionalem Wohllaut und reichen Farbnuancen.

Schöne Beispiele dafür waren etwa eine feierliche Arie aus „Rinaldo“ von Händel (während das folgende „Stabat mater“ von Pergolesi etwas hastig absolviert wurde), das schwermütige Largo aus Dvoraks neunter Symphonie oder der empfindsame langsame Satz aus dem Oboenkonzert von Alessandro Marcello. Neben orchestral ausgetüftelten Arrangements wie etwa dem zu Mendelssohns Hebriden“-Ouvertüre oder dem „Notturno“ aus dem „Sommernachtstraum“ gab es dann die richtigen Horn-Virtuosenstücke, keck, munter und mit wunderbar deutlicher Artikulation vorgetragen. Wie das glänzende Allegro aus Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 2, einem viel beklatschten Höhepunkt des Konzerts, oder das bekannte Scherzo aus Bruckners vierter Symphonie. Großartig war die Reinheit und Leuchtkraft der Solostimmen in dem von Stephan Schottstädt arrangierten, spektakulären Offertorium aus Verdis „Requiem“ und die Authentizität und Vollblütigkeit, die raffinierten Klangmodulationen, mit der das Quartett sich des „Meditango“ von Piazzolla annahm.

Über die Zugaben – es waren zunächst drei – hatte in der Pause das Publikum abgestimmt: Sie stammten aus Webers „Freischütz“, nochmals von Astor Piazzolla und endlich von Humperdinck mit seinem gefühlvollen „Abendsegen“(aus „Hänsel und Gretel“).

Der Beifall im Rathaussaal wollte nicht enden, ging in rhythmisches Klatschen über und so gab’s denn noch ein weiteres Encore mit der „Frippery“ von Lowell Shaw.