Tauberbischofsheim

Landratsamt Gebietsbetreuer Rainer Kühner in den Ruhestand verabschiedet / Neue Mitarbeiter vorgestellt

Wichtiger Wegbereiter für Naturschutz

Archivartikel

Der Gebietsbetreuer des Landratsamts für Naturschutzgebiete, Rainer Kühner, wurde in den Ruhestand verabschiedet. Ulrike Schick und Wilfried Gerlinger sind seine Nachfolger.

Tauberbischofsheim. Im Rahmen eines Fachgesprächs zwischen dem Referat „Naturschutz und Landschaftspflege“ des Regierungspräsidiums Stuttgart und dem Umweltschutzamt des Main-Tauber-Kreises wurde Rainer Kühner vom Ersten Landesbeamten Dr. Ulrich Derpa anlässlich seines Ruhestandes als Gebietsbetreuer verabschiedet. Ulrike Schick und Wilfried Gerlinger werden die Nachfolge in der Gebietsbetreuung im Main-Tauber-Kreis übernehmen.

Bindeglied

Die Gebietsbetreuer stellen das Bindeglied zwischen der höheren Naturschutzbehörde am Regierungspräsidium und der unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt dar. Pro Landkreis werden durch das Regierungspräsidium in der Regel zwei Gebietsbetreuer eingesetzt, wobei einer der beiden als Hauptansprechpartner fungiert.

Kernaufgabe ist die Betreuung der Naturschutzgebiete in den Landkreisen. Hier übernehmen sie eine besondere Verantwortung. Sie dokumentieren die Tier- und Pflanzenwelt, erstellen die Pflege- und Entwicklungspläne und setzen die notwendigen Pflegemaßnahmen durch Beauftragung von Landwirten oder wie im Main-Tauber-Kreis durch den Kommunalen Landschaftspflegeverband Main-Tauber (KLPV) um. In enger Abstimmung und Koordination beauftragt das Regierungspräsidium jährlich notwendige Pflegearbeiten in den Naturschutzgebieten als so genannte Direktmaßnahmen, die zu 100 Prozent vom Land finanziert werden.

Die Gebietsbetreuer kennen die Naturschutzgebiete in- und auswendig, stehen den Bewirtschaftern, den Kommunen sowie dem amtlichen und privaten Naturschutz für Fragen zur Verfügung, kümmern sich um die Besucherlenkung und leisten Öffentlichkeitsarbeit. Sie werden bei Flurneuordnungsverfahren gehört und stimmen waldbauliche Maßnahmen in Naturschutzgebieten mit der Forstverwaltung ab.

Als Mitglieder im Fachbeirat unterstützen und beraten sie die Landschaftserhaltungsverbände. Nicht zuletzt gehört die federführende Koordination des Einsatzes von Ersatzgeldern zu ihren Aufgaben. Diese Gelder fallen beispielsweise beim Bau von Windkraftanlagen aufgrund der Beeinträchtigung des Landschaftsbildes an und werden zweckgebunden für Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege, möglichst im Eingriffsbereich, verwendet.

Einer der Väter der „Brachenleite“

Erster Landesbeamter Dr. Derpa würdigte und dankte, auch im Namen von Landrat Reinhard Frank, Rainer Kühner für seine nahezu 15-jährige, erfolgreiche Tätigkeit als Gebietsbetreuer für den Main-Tauber-Kreis. Er wurde im Jahr 2005 als Gebietsbetreuer eingesetzt. Gemeinsam mit dem KLPV wurden in dieser Zeit viele der 36 Naturschutzgebiete im Kreis „auf Vordermann gebracht“. Dr. Derpa bekräftigte „dass gerade die Naturschutzgebiete die Juwelen in unserer Kulturlandschaft darstellen“.

Kühners Fachwissen und Überzeugungskraft waren bei zahlreichen Plänen und Projekten gefragt. So begleitete er beispielsweise auf einem mühevollen Weg in enger Zusammenarbeit mit dem Naturschutzrechtsreferat des Regierungspräsidiums, der Stadt Tauberbischofsheim, dem Landratsamt und der örtlichen Nabu-Gruppe die Ausweisung des Naturschutzgebietes „Brachenleite“ bei Tauberbischofsheim. Dies führte schließlich mit der rechtskräftigen Ausweisung des Schutzgebietes am 17. Dezember 2014 zum Erfolg. Mit dem Vorteil „Natur pur – ein Naturschutzgebiet von circa 74 Hektar vor der Haustür“ wird auch für das Wohnen am Laurentiusberg geworben.

Als Mitglied im Fachbeirat begleitete er fachlich kompetent, unterstützend und beratend die Arbeit des KLPV bei seinen Projekten zur Erhaltung und Entwicklung einer artenreichen Kulturlandschaft im Landkreis.

Mann der deutlichen Worte

Eine Selbstverständlichkeit war für Rainer Kühner die Teilnahme an den Arbeitstreffen der unteren Naturschutzbehörde mit den ehrenamtlich tätigen Naturschutzbeauftragten beziehungsweise mit den Vertretern des privaten Naturschutzes. Speziell dieser Kontakt mit der Basis trug dazu bei, dass Rainer Kühner stets die Nöte und Belange vor Ort kannte und sich daher für den Naturschutz beständig und konsequent, aber auch mit dem notwendigen Realitätssinn einsetzte.

Ein besonderes Lob zollte Dr. Derpa dem Vermögen von Rainer Kühner, anspruchsvolle und lebhafte Diskussionen mit deutlichen Worten wieder auf den Punkt zu bringen.

Sichtlich gerührt bedankte sich der scheidende Gebietsreferent für die sehr gute Zusammenarbeit: „Der Main-Tauber-Kreis ist einfach toll. Die Landschaft und die vielen Naturschutzgebiete sind mir ans Herz gewachsen, und es fällt mir sehr schwer, loszulassen.“

Referatsleiterin Ulrike Möck stellte die neuen Gebietsbetreuer vor. Hauptansprechpartner wird ab sofort Wilfried Gerlinger sein. Verstärkung erfährt er durch Ulrike Schick, die sich schwerpunktmäßig um Eingriffsvorhaben und die Verwendung von Ersatzgeldern kümmern wird.

Wilfried Gerlinger ist Agrarbiologe und kennt den Main-Tauber-Kreis bestens. Er ist in Queckbronn (Stadt Weikersheim) geboren und aufgewachsen. Seit mehreren Jahren ist er bei der Erstellung der Managementpläne für die Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiete im Main-Tauber-Kreis fachlich involviert. Ulrike Schick hat kürzlich ihr Studium der Umweltwissenschaften in Freiburg erfolgreich absolviert und kommt aus Waldenbuch bei Tübingen. „Beides Fachleute, die die bewährte Arbeit von Rainer Kühner nahtlos fortsetzen und eng mit uns zusammenarbeiten werden“, ist sich Dr. Derpa sicher. lara