Tauberbischofsheim

Leserbrief Zu „Regierung sieht keine Unterversorgung“ (FN, 7. Mai)

„Wir müssen in der Realität arbeiten“

Schön, wenn man sich hinter statistischen Daten verstecken kann. Wir Hausärzte können das leider nicht, wir müssen in der Realität arbeiten. Einmal mehr wird uns belegt, wie gut wir doch hier im Main-Tauber-Kreis hausärztlich aufgestellt sind. Fast klingt es so an, als könnten wir feiern: „besser als Stuttgart“.

Im Rahmen einer Diskussionsrunde hatte ich 2018 die damals aktuellen Zahlen für unseren Altkreis ermittelt. Dabei ergab sich ein etwas anderes Bild:

Insgesamt 27 Ärzte waren in der hausärztlichen Versorgung (Innere Medizin/Allgemeinmedizin); davon drei Ärzte unter 50 Jahre (elf Prozent), zehn im Alter von 50 bis 59 Jahren (37 Prozent) und 14 Ärzte im Alter von über 60 Jahren (52 Prozent). Davon sind mir schon jetzt zwei Praxen bekannt, die definitiv in Kürze die Tore schließen werden.

Nur ganze zwei Ärzte in Weiterbildung waren Ende 2018 vor Ort tätig (erfreulicherweise eine Kollegin bei uns).

Auf den Altkreis gerechnet kommen wir hier auf ein reales Verhältnis von rund 1670 Patienten pro Hausarzt, anders als im Artikel erwähnt (nach Tätigkeitsende der beiden genannten Kollegen gar 1807 Patienten pro Hausarzt).

Richtig prekär wird die Lage ab etwa 2023: angesichts der vorliegenden Zahlen wird sich durch Verrentung die Zahl der Hausärzte halbiert haben, sofern nicht ein Wunder geschieht und sich nun jährlich vier neue Hausärzte hier niederlassen. Das wiederum erscheint, gemessen an der geringen Zahl von Weiterbildungsärzten, schlicht unwahrscheinlich.

Mithin belegt die Aufarbeitung der Zahlen durch die Landesregierung einmal mehr die Realitätsferne, der legitimierten Politiker, wenn es um die Versorgung „auf dem Land“ geht.