Tischtennis

Tischtennis Verbände Baden, Südbaden und Württemberg unternehmen am 29. Juni einen weiteren Anlauf, sich zusammenzuschließen

Es gibt nicht nur Befürworter

Archivartikel

Jede Sportart hat ihre sportpolitischen Strukturen. Im Tischtennis gibt es derzeit innerhalb des Landes Baden-Württemberg drei Tischtennis-Landesverbände, welche zu einem vereinigten „Tischtennis Baden-Württemberg“ zusammengeführt werden sollen, sofern die jeweils nötigen Mehrheiten erreicht sind. Im Badischen Tischtennis-Verband gibt es dazu einen Ende Juni anstehenden außerordentlichen Verbandstag.

Seit Jahrzehnten existieren der Südbadische Tischtennis-Verband, der Tischtennis-Verband Württemberg-Hohenzollern und der Badische Tischtennis-Verband. Die drei benannten Verbände entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg in ihrer Ausdehnung auch deshalb, weil die vormalige Republik Baden im Norden zur amerikanischen Besatzungszone gehörte, im Süden zur französischen.

Versuche, diese Sportgrenzen im Tischtennis zu einem gemeinsamen Verband zu überwinden, führten in den 1990er Jahren nicht zum gewünschten Ergebnis. Zwar stimmten 1995 in Nordbaden und in Württemberg ausreichend große Mehrheiten für die Fusion, doch in Südbaden erreichte das Votum nicht die erforderliche Mehrheit.

Bereits 1999 fanden über eine „Arbeitsgemeinschaft Baden-Württemberg“ wieder gemeinsame Treffen statt, woraus später der Verein „Tischtennis Baden-Württemberg e.V.“ entstand. Die Verbände arbeiten seit rund 15 Jahren im Jugendsport zusammen, zudem seit einigen Jahren im Seniorensport, zudem in der Traineraus- und -fortbildung.

Im Januar 2017 taten die drei Verbände einen weiteren Schritt aufeinander zu. Mit einem „Kick-Off“ begann der Start hin zu einem geplanten Zusammenschluss in diesem Jahr. In einem Lenkungsausschuss sowie gleich elf Arbeitskreisen (Finanzen, Satzung, Sport, Öffentlichkeitsarbeit, Wettspielordnung, Erwachsene, Jugend, Senioren, Schiedsrichter, Recht/Ordnungen, Sportentwicklung) erarbeiteten jeweils Vertreter aller drei Verbände gemeinsame Grundlagen in allen relevanten Bereichen.

Zwei haben schon zugestimmt

In Südbaden und in Württemberg stimmten die jeweiligen Gremien einstimmig für eine Fusion, im Fall der Fälle auch nur mit einem der beiden anderen Landesverbände. Der Ball liegt nun beim Badischen Tischtennis-Verband. Eine Entscheidung für oder gegen einen Zusammenschluss fällt beim außerordentlichen Verbandstag am Samstag, 29. Juni, in der Bürgerhalle Ettlingenweier. Dort entscheiden die Vereine über den Antrag, der eine Aufnahme des Badischen Tischtennis-Verbandes in einen gemeinsamen Baden-Württembergischen Verband vorsieht, kurz „Fusion“ genannt. Für die Zustimmung zur Aufnahme ist eine 80-Prozent-Mehrheit der Vereinsvertreter notwendig. Die sportliche Fusion der drei bestehenden Verbände könnte zum 1. Juli geschehen, die Gesamtfusion zum 1. Januar 2020.

Für die Bezirke wie den Tischtennisbezirk Tauberbischofsheim bliebe bei einer Fusion der Verbände die bisherige Struktur mit eigenständigen Finanzen erhalten. Auf der Ebene des Spielbetriebs änderte sich in den unteren Klassen so gut wie nichts, in den höheren Klassen innerhalb von Baden-Württemberg müssten Angleichungen vorgenommen werden. Die neu konzipierte gemeinsame Wettspielordnung erfordert wie bei jedem Zusammenschluss Kompromisse.

Die Befürworter des Zusammenschlusses benennen verschiedene Aspekte als Vorteile. So wird eine Bündelung der Kräfte als bester Weg genannt, um auf die Probleme der Sportart Tischtennis wie Wandel und Rückgang des Ehrenamts oder Mitgliederschwund und anderes reagieren zu können. Man sieht es durch die dann höhere Anzahl von Vereinen als gegeben, leichter kompetente Verantwortliche für den Verband zu finden. Ein großer Verband könne zudem mit stärkerer Stimme innerhalb des Deutschen Tischtennis-Bundes sprechen.

Finanzielle Synergieeffekte

Die Erreichbarkeit der Geschäftsstelle würde erhöht, so Befürworter der Fusion, weil eine Baden-Württemberg-Geschäftsstelle auch im Falle von Urlaub oder Krankheit ständig besetzt sei. Weiterhin seien in einer TTBW-Geschäftsstelle personelle Voraussetzungen für die Aufgaben Sportentwicklung, Vereinsservice, Aus- und Fortbildung sowie Newsletter bereits vorhanden. Man sieht finanzielle Synergieeffekte, welche zum Großteil in eine nachhaltige Sportentwicklung für die Vereine und Bezirke flössen.

Zu sehen seien auch Nachteile bei einem Nein zum gemeinsamen Baden-Württembergischen Verband. Es entfielen laut der Befürworter der Fusion Veranstaltungen und sportliche Vergleiche auf Baden-Württemberg-Ebene, auf Grund der dann neuen Trainer-Situation sei ein Leistungsabfall wie in den anderen kleinen Tischtennis-Verbänden zu erwarten, im Jugendbereich sei bei einem „Nein“ eine Fortsetzung der Zusammenarbeit wegen der Zuschussbedingungen nicht sicher.

Die Gegner eines „Zusammengehens“ sprechen an, im Badischen Tischtennis-Verband laufe vieles gut, und das könne sogar durch neue und unverbrauchte Kräfte noch besser werden. Die Finanzen seien klar geregelt, rührige Funktionäre leisteten gute Arbeit. Die (nord)badische Unabhängigkeit stelle ein hohes Gut dar, die Nähe zur Geschäftsstelle in Leimen wird als gut bezeichnet, es gebe kein „Muss“, den Weg zum Zusammenschluss zu gehen. Bei Fusionen in anderen Sportarten, so die Sichtweise der Gegner, sei die Quittung einige Jahre später gekommen. Manche mögliche Neuerungen durch eine Fusion werden je nach Sichtweise von den einen als positiv bewertet, von anderen als neutral oder gar negativ.

Die Vereine des Tischtennisbezirks Tauberbischofsheim können sich im Internet und/oder bei verantwortlichen Stellen umfangreich informieren. Beim ordentlichen Bezirksfachtag am Dienstag, 4. Juni, im Sportheim des TSV Tauberbischofsheim kann das Thema „Fusion der Verbände“ eingehend diskutiert werden.