Tischtennis

Tischtennis Amateure schmettern zum letzten Mal mit Zelluloidball / Plastikspielgerät darf schon eingesetzt werden und ist ab 2019 Pflicht

Probleme für Materialspieler

Archivartikel

Für den Außenstehenden mag angesichts der jüngsten Plastikmüll-Diskussion folgende Meldung erstaunlich sein: Tischtennis-Amateure dürfen in der nun beginnenden Saison letztmals mit dem fast schon altehrwürdigen Zelluloidball spielen. Er wird spätestens ab dem 1. Juli 2019 durch einen Plastikball ersetzt. Die Runde 2018/19 ist die letzte von insgesamt drei Übergangs-Spielzeiten, in der die Mannschaften sowohl mit Zelluloid- als auch Plastikbällen spielen dürfen. Diese Regelung gilt bundesweit, also für alle Verbände.

„Angriffsspieler können ihr Spiel beibehalten“, sagt Bastian Kohl, Technischer Verantwortlicher bei Badenligist SV Niklashausen. Allerdings bekämen Aktive, die auf ihr Schläger-Material vertrauten, mit dem Plastikball Probleme, so Kohl. Oliver Kropf, Mannschaftsführer des TV Hardheim in der Bezirksklasse Tauberbischofsheim/Buchen, bestätigt das: „Es ist schwerer, Rotation in die Plastikbälle zu bringen. Sie nehmen weniger Spin und Effet an.“ Das heißt, dass Akteure, die mit Noppen- oder Antitop-Belägen agieren, unter Umständen ihr Spiel umstellen müssen. „Man muss die Plastikbälle etwas früher treffen, weil sie früher nach unten fallen“, erklärt Bastian Kohl dazu.

Die drei Übergangs-Spielzeiten wurden eingeführt, damit die alten Bestände der Zelluloidbälle abgespielt werden können. Der jeweilige Verein darf bis Ende der nun beginnenden Saison selbst bestimmen, mit welchem Material er spielt. Dies muss im Internetportal „click-tt“ gemeldet sein, damit die jeweiligen Gastmannschaften einsehen können, ob sie Plastik- oder Zelluloidbälle erwarten.

48 Stunden vorher melden

„Theoretisch können das die Vereine jede Woche umstellen. Bis 48 Stunden vor dem Spiel muss die Meldung jedoch vorliegen“, erklärt Jörg Kromer, Sportwart des Tischtennis-Bezirks Buchen. Ein Gastverein könnte Protest einlegen, würde der Heimverein sich beim Match dann nicht an diese Meldung halten.

„Das kam aber bei uns im Bezirk noch nie vor“, sagt Kromer und schiebt schmunzelnd nach: „Im Vergleich zu den von Verein zu Verein unterschiedlichen Beschaffenheiten der Platten und Hallenböden und das unterschiedliche Licht in den Spielstätten spielt die Materialbeschaffenheit des Balles eine eher untergeordnete Rolle.“ Der Sportfunktionär weiß aber auch, dass es wegen des Ball-Themas immer wieder „Gebrummel“ an der Basis gebe. Dass das Spiel mit dem Plastikball etwas langsamer wird, dürfte hingegen so manchem alternden Aktiven entgegen kommen…

Das „Gebrummel“ gab es bei den Profis auch, ist aber mittlerweile verstummt. Seit Ende 2012 wird auf internationaler Ebene ausschließlich mit Plastikbällen gespielt. Doch es ist im Laufe der Jahre verstummt. Die Weisung des Tischtennis-Weltverbandes (ITTF) wurde bei der Elite recht rasch – um Grunde von jetzt auf nachher – vollzogen. Die Übergangszeit gewährte man den Amateuren aus Kostengründen.

Doch warum hat der ITTF diese Weisung überhaupt erlassen? Der Herstellungsprozess von Zelluloid hat es in sich: Die Kunststoffverbindung aus Cellulosenitrat und Campher wird unter Verwendung von Salpetersäure hergestellt. Dieses Verfahren sei über weite Strecken mit der Herstellung des Sprengstoffs Nitroglycerin identisch, so berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Der Arbeitsschutz in China und anderen Ländern, die nahezu sämtliche Tischtennisbälle für die ganze Welt produzieren, lasse zudem zu wünschen übrig: Die Gesundheitsgefahren für die Arbeiter seien viel zu hoch. Zudem ist Zelluloid äußerst leicht entzündlich und gilt als Gefahrenstoff

Und damit sind wir wieder einmal bei der Plastikmüll-Diskussion: In Deutschland werden jährlich etwa zehn Millionen Bälle verbraucht. Bei einem Gewicht von 2,7 Gramm pro Spielgerät sind das ab dem 1. Juli 2020 nun etwa 27 Tonnen neuer Plastikmüll…