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Kabarett Martina Schwarzmann begeisterte in der Buchener Stadthalle

Alltägliche Absurditäten

Archivartikel

Eine sitzt stoisch auf der Bühne, ziemlich bewegungsabstinent und ziemlich schwanger; viele sitzen im Saal und kringeln sich vor Lachen, sind regelrecht aus dem Häuchen: Genau, dann findet gerade ein Auftritt der oberbayrischen Kabarettistin Martina Schwarzmann statt – so wie in der Buchener Stadthalle am Donnerstag. Drei Stunden lang schildert die 39-Jährige vor ausverkauftem Haus Begebenheiten ihres Lebens als Mutter, Frau/Ehefrau und Künstlerin, sinniert dazu über deren Sinnlosigkeit sowie -haftigkeit, zieht daraus überraschende Schlussfolgerungen und führt so manch scheinbar Normales ad absurdum. Zur Freude des Publikums, das sich oft gar nicht mehr einkriegt.

Die besten Geschichten schreibt das (eigene) Leben. Diesen Satz hat sich Martina Schwarzmann für ihr künstlerisches Schaffen gut gemerkt. Sie beobachtet genau sich und ihr Umfeld, filtert den ganz normalen Wahnsinn heraus und kommentiert die Schilderung an sich banaler Begebenheiten und als gegeben hingenommener Rollenverteilungen der Geschlechter aus ihrer ganz speziellen Sicht. Darin findet sich ebenso der Aberwitz eines Karl Valentin als auch der humoristische Hintersinn eines Gerhard Polt wieder. Schwarzmanns Anekdoten stehen so stark in der Tradition von Polts Film „Man spricht deutsch“ – halt als Kopfkino.

Im Zentrum steht neben dem eigenen Sein vor allem das Familienleben mit Mann und „minderjährigen Mitbewohnern“, sprich Kindern, auf dem Bauernhof und den sich daraus ergebenden Problemstellungen, etwa in Erziehungsangelegenheiten. So fragt sie sich beispielsweise, ob man Kinder auch erpressen dürfe. Bei Unartigkeiten der Kleinen habe sie sich angewöhnt, statt sie anzuschnauzen, sie anzufeuern, etwa wenn sie in der Öffentlichkeit in der Nase bohren.

Vielen Frauen dürfte die Oberbayerin aus dem Herzen gesprochen haben, wenn sie die typische Aufgabenverteilung in einer Ehe anspricht: „Warum muss ich Fenster putzen, das einzige, was mich von meinem Mann unterscheidet, ist der Busen und der befähigt nicht zum Fensterputzen.“ Ebenso verstehe sie nicht, warum immer nur Frauen wenn sie außer Haus sind, gefragt würden, wer denn auf die Kinder aufpasse. „Meinem Mann passiert das nie.“

Weiter spricht sie ihre Formularallergie und Unordentlichkeit an. „Die Papierstapel sind so hoch, dass ich an die Ordner im Regal nicht mehr hinkomme, um sie einzuheften.“ Deshalb habe sie schon überlegt, das Büro in einen Keller in einem Überschwemmungsgebiet zu verlegen.

Aber auch ihre Geschlechtsgenossinnen bekommen ihr Fett weg, wenn sie die Treffen ihrer Frauengruppe schildert. „Die sind wie Serien im Fernsehen, da ist man immer auf die Fortsetzung gespannt. Nur aufs Klo gehen darfst du nicht, sonst bist du ruckzuck die Hauptdarstellerin des Gespötts.“

Apropos Toilette: Besonders detailverliebt sind Schwarzmanns Schilderungen von Toilettenbesuchen und Gepflogenheiten rund ums stille Örtchen – halt Geschichten aus dem wahren Leben. Dazu gehört bei Schwarzmanns auch der Bauernhof, der jetzt bio ist. „Da bin ich froh, nur mein Mann ist jetzt stets auf Fortbildung, weil früher hat man das Wissen durch Spritzen ersetzt. Das Ernten ist jetzt viel entspannter, weil es nicht mehr so viel zu holen gibt.“

Es ließe sich durchaus konstatieren, dass Martina Schwarzmann ein Feuerwerk an Gags abgebrannt hat. Aber das würde dem Charakter der Protagonistin und des Abends nicht entsprechen.

Eher hat sie dem Publikum einen alltäglichen Gegenentwurf mit hohem Unterhaltungswert und humoristischer Güte unterbreitet. Selbst die Liedvorträge zwischen Blues und Liedermacher waren zwar trefflich, aber auch nicht beseelt von hohem Tempo. Aber das ist auch gut so. Das Gesamtkunstwerk ist stimmig und macht tierisch Spaß.

Und man darf gespannt sein auf ihr 20. Bühnenprogramm. Denn als Appetithappen reichte sie einen Punksong (in Zeitlupe), weil sie im Alter zum Punk mutieren will. Als Jugendliche hat es nicht geklappt. Zum einen, weil sie einen Job und deshalb keine Zeit zum Rumlungern gehabt hätte. Zum anderen weil der lackierte Irokesen-Haarschnitt wegen der Arbeit als Köchin und der Arbeit im heimischen Stall „unduschbar“ gewesen wäre.

Da sie aber ihren ersten Auftritt bei einem Punkkonzert als Lückenfüller hatte, habe sie Blut geleckt. Den Namen der Band gebe es ebenfalls schon in Anlehnung an die „Red Hot Chilli Peppers“: „Weiße Heiße Radi Salzer“.