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22. Taubertal-Festival Handverlesenes Programm mit zahlreichen Highlights garantierte Party für rund 18 000 Besucher

Am Wochenende "rockte" das Taubertal

Nach einigen schönen Jahren war diesmal beim Taubertal-Festival wieder eine Schlammschlacht zu schlagen. Das tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch.

Zum 22. Mal hieß es am vergangenen Wochenende auf der Eiswiese unterhalb von Rothenburg "Nichts geht mehr!" - zumindest nicht in den gewohnten Abläufen. Das Taubertal stand "mal wieder Kopf".

Dass sich das Rockfestival sein ganz besonderes Flair erhalten hat, bestätigten auch dieses Jahr viele Besucher. "Das Taubertal-Festival zählt seit vielen Jahren zu den erfolgreichsten in ganz Deutschland und hat sich dennoch, wie kaum ein anderes, einen individuellen 'Independant'-Charakter behalten", freut sich auch Veranstalter Volker Hirsch.

Leider spielte diesmal das Wetter nicht so ganz mit. Ihre gute Laune verderben ließen sich die rund 18 000 Gäste dennoch nicht.

Bands am Freitag

Einen Glücksgriff haben die Veranstalter mit der Verpflichtung der Berliner Punkgöre "Jennifer Rostock" gemacht: Die fünfköpfige Band steht für Punk, Pop und Elektro und einem schonungslosen Humanismus. So manches politische Statement auf der Bühne wurde von den Zuhörern frenetisch beklatscht. Unter anderem äußerte sie sich zur Gleichstellung von Schwulen und Lesben in unserer Gesellschaft. Bei Jennifer Rostock geht es um weitaus mehr, als Körperschmuck und Punkrock.

Am Freitagabend dann bekamen die Gäste einen Auftritt geboten, für den die Band um die halbe Welt gereist ist: "The Amity Affliction" kommen aus Australien und gelten als Hardrock-Aushängeschild par excellence. Die Liveshow zeugte von einer großen Energieleistung, die die vier Jungs aus "Down Under" in ihre Musik stecken.

Den Abschluss am Freitag markierte "Rise Against", eine Gruppe, die schon mehrfach das "Tal zum Beben" brachte. Das Quartett ist seit 1999 auf den Bühnen dieser Welt unterwegs und hat sich jenseits seiner Heimatstadt Chicago längst einen Namen in der Punkrockszene gemacht. Weitergefeiert wurde die Party dann im Steinbruch auf dem Berg Richtung Reutsachsen. Bis zum Morgengrauen legten DJ´s auf.

"Warm-up"

Das Warm-up übernahmen am Samstag auf der Hauptbühne "Emil Bulls" und "Anti-Flag". Gegen 21 Uhr flogen dann die Schottenröcke, beziehungsweise die langen Haare: "Biffy Clyro" gaben sich die Ehre. Ihre Hits "Bubbles", "Mountains" und "Biblical" ließen die Menge toben. Die vier Schotten touren seit Mitte der 90er Jahre und die treuen Fans sangen jede Liedzeile mit.

Den Samstag beschloss mit einer grandiosen Party "Casper", der in diesem Jahr mit "Lang lebe der Tod" ein neues Album herausgebracht hat. Der Rapper mit deutsch-amerikanischen Wurzeln wohnt seit 2011 in Berlin. Seine im Juli 2017 veröffentliche Single "Keine Angst" rangierte in den deutschen Singlecharts auf Platz 72. Das erfolgreichste Lied ist das gemeinsam mit Materia produzierte "So perfekt", damit rangierte er 2011 für 17 Wochen in den deutschen Singlecharts. Im Jahr 2016 wurde er hierfür mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Eine wahnsinnige Bühnenshow lohnte den Besuch dieses Konzerts allemal.

Verantwortung rund ums Festival

Über das gesamte Wochenende fand auch wieder die Initiative des Landkreises Ansbach statt - "Tanzen statt Torkeln". Sie leistet Aufklärungsarbeit zum verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol und zielt nicht nur auf Erfolge am Festival selbst ab, sondern auch für die Zeit nach der Veranstaltung in so manchen Freizeittreffs oder auf anderen Festen. Diese Initiative wurde vom Bundesinnenministerium vor einigen Jahren ausgezeichnet.

Das ist aber nicht der einzige Bereich, in dem die Rothenburger Festivalmacher in Sachen Verantwortung ganz vorne mit dabei sind. Ein weiteres wichtiges Thema ist die Umwelt, da das Festival in einem hochsensiblen Naturraum stattfindet.

Die Aufklärungsarbeit und auch diverse Erziehungsmaßnahmen beginnen beim Thema Müll, dem Lärmschutz und enden bei der Aktion "Love your tent".

Camping in drei Zonen

Seit vielen Jahren findet im Tal - in unmittelbarer Nachbarschaft zur Tauber - das sogenannte "Green-Camping" statt. Das Umweltkonzept, ein sauberes und umweltfreundliches Festival zu feiern, hat sich vollauf durchgesetzt. Auf den Green-Camping-Arealen sind keine Musikanlagen erlaubt, hier soll alles etwas gediegener und ruhiger zugehen, wenngleich natürlich gefeiert werden darf - und soll.

Erstmals wurde 2017 auch auf dem Campingplatz "Berg", also auf der Reutsächser Höhe, ein Green-Camp eingerichtet. Dieser Bereich zeichnete sich dadurch aus, dass keine Autos zwischen den Campingbereichen geparkt werden durften.

"Auf dem Berg" wurde auch eine Mischzone eingerichtet, ein Campingbereich, in dem es etwas "gemäßigter" zugehen sollte, dieser wurde als "Gelber Bereich" gekennzeichnet und dann natürlich auch der "Rote Bereich": Hier sind die Sonderfahrzeuge und großflächigeren Zeltstädte zu finden. In diesem Bereich wird auch die Thematik "Lärm" nicht ganz so eng gesehen, wenngleich das nächtliche Beschallen unterbunden wird.

Der "Rote Bereich" ist traditionell auch die Bastion der einheimischen Jugendlichen, die am Mittwoch in aller Früh eine erste Vorhut vorausschicken, damit die lustigen Gefährte die angestammten Zeltplätze wieder reservieren. Der Rest und alle, die noch arbeiten müssen, trudeln dann bis allerspätestens Freitagnachmittag ein, so dass einem lustigen Wochenende mit den allerbesten Freunden nichts mehr im Weg steht.

Damit das Festival sicher über die Bühne gehen kann, wurden schon in der Vergangenheit Maßnahmen seitens Verantwortlichen und Polizei ergriffen, die auch diesmal wieder zum Tragen kamen: unter anderem Lkw-Poller, die sich an allen vier Zufahrten befanden.

Mit diesen massiven Betonklötzen sollen Anschläge wie beispielsweise auf dem Berliner Weihnachtsmarkt verhindert werden.

Viel Lob hat Florian Zoll im Namen der Karo-Konzertagentur für die Zusammenarbeit mit der Polizei übrig: "Vor allem der Polizeiposten in Rothenburg ist ein super Partner für uns. Es wird nicht panisch, sondern sachlich im Vorfeld gesprochen und dann gemeinsam umgesetzt. Bei Fragen können wir uns jederzeit an die Polizei wenden, mit der wir echt gut kooperieren."