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Konzert "Helloween" gastierten unter dem Motto "Pumpkins United" vor 8000 Fans in der Stuttgarter Porsche-Arena

Ausgelassene Power-Metal-Party

Zum Beginn der fünften Jahreszeit rollen die Kürbisköpfe durch Deutschland - und das im XXL-Format. Unter dem Titel "Pumpkins United" ist die aktuelle Besetzung von "Helloween" zusammen mit den ehemaligen Mitgliedern Gitarrist Kai Hansen und Sänger Michael Kiske in der Republik unterwegs.

In erster Linie ist das Ziel, die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen, gleichzeitig sollen aber auch neue Songs aus der Andi-Deris-Ära unters Volk geschmettert werden. Eine Idee, die den Fans gefällt. Die Kartennachfrage ist groß. Und so wird der Tour-Start vor rund 8000 Leuten in der ausverkauften Porsche-Arena der Auftritt mit der größten Zuhörerschaft, den die Band je in Stuttgart gespielt hat. In knapp drei Stunden präsentiert das Septett sozusagen das Beste aus beiden Welten. Das Ergebnis: Eine ausgelassene Power-Metal-Party, an deren Ende die Fans die Band frenetisch feiern.

Kleine Sensation

Es war schon eine kleine Sensation, als "Helloween" mit ihren beiden Scheiben "Keeper of the seven Keys" Part I und II 1987 nicht nur den deutschen, sondern auch den internationalen Metal-Kosmos aufmischten. Seinerzeit dominierten britische Bands wie "Iron Maiden", "Def Leppart" oder "Judas Priest" die Szene. Praktisch aus dem Nichts stürmten die Kürbisköpfe die Hitparaden mit ihrem Power-Metal, der mit eingängigen Hooklines direkt ins Ohr ging. Doch das Line up mit Michael Kiske (Gesang), Kai Hansen (Gitarre und Gesang), Michael "Weiki Weikarth" (Gitarre), Markus Großkopf (Bass) und Ingo Schwichtenberg (Schlagzeug) sollte nicht lange Bestand haben. Hansen und Kiske verließen die Band. Kiske wurde 1994 durch Andi Deris ersetzt, dem Sänger von "Pink Cream 69". Er sollte bald auch maßgeblich am Songwriting beteiligt sein.

Da der Abgang von Hansen und Kiske nicht so ganz einvernehmlich über die Bühne gegangen war, schloss man, obgleich die Fans es immer wieder erhofft hatten, gemeinsame Auftritte kategorisch aus. Doch die alten Streithansel haben sich mittlerweile versöhnt und kündigten eine gemeinsame Tour als "Pumpkins United" (Vereinigte Kürbisköpfe) an. Das versprach natürlich eine Rückkehr in die glorreichen alten Tage, und dass aus den fünf nun sieben Hüter der Schlüssel geworden sind, kann ja auch nicht schaden, dachten wohl viele und strömen an diesem verregneten Novemberabend in die Porschearena, um den glorreichen Tagen der Band, aber auch ein wenig der eigenen Jugend zu huldigen.

Um es vorwegzunehmen: Die Band gibt dem Volk, was es will. Gleich mit den ersten drei Songs "Halloween", "Dr. Stein" und "I'm alive" geht es zurück in die ruhmreiche Vergangenheit der "Keeper"-Scheiben. Die Band gibt von Anfang an Gas und hält das Pedal auch nahezu die gesamte Spielzeit von 170 Minuten über durchgetreten. Nur bei "Forever and One", ("Ein Song für die Mädchen", wie ihn Deris ankündigt) und "A Tale that wasn't right" wird es ruhiger.

Tempo dominiert

Ansonsten dominiert Geschwindigkeit, wie es sich für eine Power-Metal-Band gehört. Die Gitarristen Kai Hansen, Michael "Weiki" Weikarth und Sascha Gerstner lassen die Finger über ihre sechs Saiten flitzen, teilen sich die Soli, wie auch Kiske und Deris die Gesangsparts abwechselnd bestreiten.

Beide sind noch gut bei Stimme, auch wenn Kiskes Organ die Höhen früherer Tage an diesem Abend nicht mehr erklimmen will. Dennoch sind die gesanglichen Darbietungen erste Sahne. Dazu trägt auch Kai Hansen bei, der in einem Medley seine Qualitäten als Shouter eindrucksvoll unter Beweis stellt.

Natürlich werden die alten Gassenhauer am meisten bejubelt und mitgesungen. Immerhin knapp ein Dutzend Songs der ersten drei Alben stehen auf der 21 Titel umfassenden Setlist. Aber auch bei den Deris-Songs erweist sich das Publikum als textsicher.

Erste Sahne

Es brodelt von Anfang an, der Spaß, den die Kürbisköpfe auf der Bühne haben, überträgt sich schnurstracks aufs Publikum. Absolutes Glanzstück des Abends ist das epische "Keeper of the seven Keys" mit seinen zahlreichen Tempi-Wechseln und Breaks am Ende der ersten Zugabe.

Zu den High-Speed-Gitarren-Soli gesellen sich auch ein paar bluesige Zwischenspiele. Die rund 15-minütige Live-Version kann sich durchaus mit dem Liveklassiker "Fear oft he Dark" von "Iron Maiden" messen. Erste Sahne.

Damit ist der Boden bereitet für einen zweiten Zugabenblock mit "Future World" und "I Want out", natürlich zwei Klassikern, die die Arena zum Kochen bringen. "Helloween" haben an diesem Abend keine Wünsche offengelassen, auch das unvermeidliche Schlagzeugsolo ist dabei, so dass sich die Fans höchst zufrieden in die nasskalte Stuttgarter Nacht trollten. Schwamm drüber, dass nicht jeder Ton gesessen hat. Der Sound war für ein Metal-Konzert mehr als ordentlich.

Den Musikern hat es ebenso wie den Fans sichtlich Spaß gemacht. Die Stimmung ist grandios.

Wiederkommen erwünscht.