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FN-Interview Stewart Copeland kommt am 24. März mit Orchester nach Stuttgart

„Da entwickelt sich eine ganz eigene Energie“

Er gilt als einer der besten Schlagzeuger im Rockgeschäft, hat mit „The Police“ Musikgeschichte geschrieben und mittlerweile für über 40 Filme, Serien und Computerspiele den Soundtrack komponiert: Stewart Copeland ist ein Tausendsassa und immer auf der Suche nach einer neuen Herausforderung.

Nun kommt er mit dem Filmorchester Babelsberg auf Deutschland-Tour, die ihn am Sonntag, 24. März, um 20 Uhr auch in die Stuttgarter Liederhalle führen wird.

Im Interview mit den Fränkischen Nachrichten er über das Konzert in der Landeshauptstadt sowie über sein musikalisches Schaffen in der Vergangenheit und in der Zukunft.

Herr Copeland, was erwartet das Publikum in der Stuttgarter Liederhalle?

Stewart Copeland: Nachdem Ihr in Deutschland ja gerade ausgelassen Fastnacht gefeiert habt, wird es am 24. März eine weitere verrückte, außergewöhnliche Show geben.

Wir spielen natürlich mit dem Orchester meine Filmkompositionen, aber es werden auch einige Police-Songs im Programm sein.

Funktionieren die Police-Songs mit Orchester?

Copeland: Natürlich werden die Police-Lieder eine andere Instrumentierung haben und in einem anderen musikalischen Gewand erscheinen, aber sie werden zum einen zu erkennen sein und zum anderen in das musikalische Gesamtbild passen.

Natürlich sind sie mit drei, vier Minuten die kurzen Songs, wir werden auch längere, bis zu 15-minütige Songs im Programm haben.

Sie sehen, wir sind total in, weil wir Prog-Rock machen. Was die wenigsten wissen: Ich habe meine ersten musikalischen Schritte in einer Prog- Band namens „Curved Air“ gemacht.

Wieso machen Sie und das Orchester Prog-Rock?

Copeland: Na ganz einfach. Es wird lange Songs mit langen Passagen ohne Gesang geben, eben wie beim Prog-Rock. Eigentlich ist es sogar besser als Prog-Rock, weil wir bei einem Orchester mehr Instrumente zur Verfügung haben.

In der Rockmusik ist man normalerweise auf Gitarre, Schlagzeug und vielleicht noch Keyboard beim Komponieren und den Soli beschränkt.

Bei einem Orchester ist das Arsenal an Instrumenten viel größer, so dass die Lieder auch vielschichtiger und abwechslungsreicher sein können. Da entwickelt sich mitunter auch eine ganz eigene Energie.

Sie schreiben viele Filmmusiken. Was ist der Unterschied zum Komponieren eines Rocksongs?

Copeland: Bei der Musik für Filme und Serien muss man sich an die Vorgaben der Handlung halten, den Plot musikalisch umsetzen. Der Rahmen ist also abgesteckt. Und man muss bis zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein. Das erfordert Disziplin, bringt aber auch sehr gute Ergebnisse an den Tag, weil man einfach fokussierter arbeitet.

Das erste Mal, dass ich die Mitglieder von „The Police“ gesehen habe, war in den 1970er Jahren. Damals sind Sie in der TV-Show „Bios Bahnhof“ mit Eberhard Schöner aufgetreten. Können Sie sich noch erinnern?

Copeland: Die Zusammenarbeit mit Eberhard Schöner war für uns einzigartig und prägend. Er hat uns ganz neue musikalische Horizonte eröffnet. Wir kamen ja aus dem von Punk geprägten London, und da war genau vorgegeben, wie du als junge Rockband Musik zu machen hast. Eberhard Schöner hingegen hat gesagt, macht einfach, es gibt keine Grenzen. Und plötzlich hat Sting ganz anders gesungen, Andi Summers eine vielschichtigere Gitarre gespielt und sein großes Potenzial erst ausgeschöpft. Letztendlich hat es zur Musik von „The Police“ geführt.

Im letzten Jahr waren Sie mit „Gismodrome“ unterwegs, was ein ganz anderes Projekt war als Konzerte mit einem Orchester. Es war eine Art Supergruppe mit Mark King von „Level 42“ und Adrian Belew von „King Crimson“, die einen Mix aus Jazz, Rock und Funk gespielt hat. Wird es eine Neuauflage geben oder ist das Orchester jetzt Ihr Ding?

Copeland: Die Konzerte mit dem Orchester sind nur ein vorübergehendes Projekt, das ich jetzt mal mache, aber kein dauerhaftes Ding sein wird. Ich bin nach allen Seiten offen, mal sehen, was passiert.

Sie könnten sich auch eine weitere Zusammenarbeit oder Auftritte mit Sting und Andi Summers als „The Police“ vorstellen?

Copeland: Warum nicht? Auf der sozialen, zwischenmenschlichen Ebene haben wir uns immer gut verstanden, da steht nichts zwischen uns.

Ob allerdings unsere musikalischen Wege sich noch einmal kreuzen werden, muss man sehen.