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Interview Schandmaul kommen am 13. Juli auf die Wertheimer Burg / D’Artagnon als Support

„Das Auge isst mit“

Sie sind wohl die am wenigsten von dunklen Jahrhunderten, Burgfräuleins und Rittern singende Band von allen denen, die gerne in die Schublade „Mittelalter-Rock“ gesteckt werden. Und auch wenn „Schandmaul“ einen recht provokativen Namen tragen, versprühen die sechs Musiker aus dem Münchener Raum weitaus mehr Lebensfreude als ähnliche Bands dieser Gattung.

So sicher auch am Freitag, 12. Juli, wenn Schandmaul auf der Wertheimer Burg auftritt. Einlass ist um 18 Uhr, Beginn um 18.30 Uhr. Support sind die Franken d’Artagnan. Im Interview spricht Gründungsmitglied Thomas Lindner, bei „Schandmaul“ als Sänger, Gitarrist, Akkordeon- und Klavierspieler sowie als Komponist und Texter aktiv, über die aktuelle Situation der Band.

Herr Lindner, ein Auftritt auf einer Burg – das Ambiente wie geschaffen für eine Band wie „Schandmaul“? Oder fast schon klischeehaft?

Thomas Lindner: Das passt perfekt. Ein Großteil unserer Lieder spielt thematisch in einer mittelalterlich anheimelnden Welt, wenn auch überhöht, sowie romantisiert und idealisiert gezeichnet. Eine Burg kann uns da nur recht sein – das Auge isst ja schließlich mit.

dArtagnan sind auch mit dabei, eine Band, die auch schon mal in Schlagershows im TV aufgetreten sind. Warum passt diese Mischung dennoch gut zusammen?

Lindner: Die sogenannten „Schlagershows“ sind unterm Strich nichts anderes als Promotion-Veranstaltungen. Jede Band muss für sich selbst entscheiden, welches Format ihr behagt. Wir kennen die Menschen hinter „d’Artagnan“ und wissen, dass das Musiker durch und durch sind. Sie verstehen es vortrefflich, den Spaß, welchen sie selbst auf der Bühne haben, in das Publikum zu versprühen. Von daher passt die Mischung hervorragend.

Auf dem neuen Album „Artus“ haben Sie das Spektrum an verwendeten Instrumenten erweitert. Wie bereiten Sie sich auf die Herausforderung der Live-Umsetzung vor?

Lindner: Das ist immer höchst spannend. Aufgrund der Tatsache, dass einem im Studio keine Grenzen gesetzt sind, ein Gitarrist, beispielsweise, in der Lage ist, mehrere Gitarren, Lauten und mehr „gleichzeitig“ zu spielen, nutzt man das natürlich auch aus. Während des Live-Konzertes gilt es, die die Essenz des Liedes herauszuarbeiten. Was hat Priorität, und was ist eher nur das „Sahnehäubchen“, aber vernachlässigbar? Es kommen auch ganz erstaunliche Entwicklungen dabei heraus. So lässt sich unser Gitarrist gerade ein Instrument bauen, welches weltweit einzigartig ist: Eine doppelhalsige Gitarre – ein Hybrid aus einer „Cister“ (verwandt mit der Laute) und einer E-Gitarre.

Sie sind jetzt seit über 20 Jahren unterwegs. Welche musikalischen oder thematischen Ufer wollen Sie noch ansteuern?

Lindner: Themen für Geschichten und Texte werden uns nicht ausgehen, zu groß ist das Angebot der Mythen und Sagen, welches über Jahrtausende gewachsen ist. Musikalisch heißt die Devise: Schuster bleib bei deinen Leisten, aber neugierig.

In diesen zwei Jahrzehnten hat sich die „Szene“ der Bands, die sich grob dem Thema Mittelalter verschrieben haben, stark gewandelt und erweitert. In welcher Nische sehen Sie sich selbst?

Lindner: Es ist immer schwer, sich selbst in eine Schublade zu stecken. Ich finde, dass „Folk-Rock“ unsere Art zu musizieren am besten umschreibt.

Was sind die wichtigsten Zutaten für eine Band, so lange schon in recht konstanter Besetzung zusammen zu spielen und Spaß dabei zu haben?

Lindner: Freundschaft, Kompromissbereitschaft, Bescheidenheit, Mannschaftsgeist . .

Sie sind auch schon beim evangelischen Kirchentag aufgetreten, der letzte ist erst vor wenigen Tagen zu Ende gegangen. Welche Rolle spielen Glaube oder Spiritualität für Sie?

Lindner: Da kann ich nur für mich sprechen, da man bei sechs Bandmitgliedern mit Sicherheit sechs verschiedene Antworten bekommt. In meinem Dafürhalten soll jeder glauben, an wen und woran er mag, solange er Menschen mit anderen Ansichten respektiert und toleriert. Ich persönlich stehe Religionen eher skeptisch gegenüber.

Was steht konkret in den kommenden Monaten für Schandmaul im Terminkalender an?

Lindner: Wir befinden uns mitten in der Open-Air-Saison. Ab Oktober sind wir auf ausgedehnter „Artus“-Tour und so nebenbei: Nach dem Album ist vor dem Album und das Schreiben von Liedern ist ein immerwährender und fortlaufender Prozess.