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Interview Andreas Gabalier äußert sich zu seiner neuen CD „Vergiss’ mein nicht“ und zu seinem Leben als erfolgreicher Musiker

„Der Schmalz muss manchmal einfach rinnen“

Archivartikel

Man kann ja weiterhin von ihm halten, was man will, aber Fakt ist und bleibt: Kaum einer kriegt die Hallen, Stadien und zuletzt sogar den Hockenheimring derzeit mit solcher Leichtigkeit gefüllt wie der 33-jährige „Volks-Rock-’n’-Roller“ aus Graz. Auf seinem neuen Album „Vergiss’ mein nicht“ versucht Andreas Gabalier denn auch gar nicht erst, sich selbst neu zu erfinden. Wieder bietet er eine mal laute, mal leise, mal ausgelassen lustige, mal ernste Mischung für Skihütten, Stadien und die Heiratsanträge der Fans. Inhaltlich bleibt die neue CD des politisch als konservativ geltenden Musikers meist unverfänglich.

Wir unterhielten uns mit dem Sänger in Hamburg.

Herr Gabalier, Sie spielen am 16. Juni im dritten Jahr hintereinander im ausverkauften Münchner Olympiastadion. Haben die Leute immer noch nicht genug von Ihnen?

Andreas Gabalier: (lacht) Anscheinend nicht. Vor drei Jahren schien die Idee mit dem Stadion noch undenkbar. Ich sagte „Wir gehen da rein“, und alle haben mir den Vogel gezeigt. Für mich war das nur noch mehr Motivation, zu schauen, dass es voll wird. Ich glaube, drei Jahre am Stück, das hat noch keiner geschafft. Das ist der Wahnsinn.

Was machen Sie richtig?

Gabalier: Ich mache einfach, und anscheinend besteht noch Sehnsucht. Der Erfolg macht euphorisch, und ich denke gar nicht so viel über alles nach, sondern haue einfach drauf. Ich habe Bock, ich will immer noch mehr. Und ich schreibe nach wie vor meine Lieder selbst. Die neuen Stücke sind mir so leicht gefallen wie noch nie, keine Spur von Schreibblockade, ganz im Gegenteil.

Ist „Vergiss mein nicht“ so etwas wie ein Rundflug durch die Welt des Andreas Gabalier?

Gabalier: Ja, das kann man sagen. Das ist sicherlich mein buntestes Album. Ein paar Lieder sind richtig schön hart und progressiv. Einen Song wie „Vergiss mein nicht“ kann man sich auf seinem sechsten Album ruhig mal erlauben.

Die Nummer hört sich fast nach Rammstein an.

Gabalier: Danke sehr. Ja, Rammstein fand ich richtig gut als Teenager, Metallica auch. Ich weiß noch, wie wir damals angefangen haben, Stromgitarre zu spielen und den Keller zu dämmen. Mit Eierkartons! Das brachte natürlich nichts, aber das wussten wir nicht. War das ein Spaß!

Sowohl der Text als auch die Musik Ihrer Single „Verdammt lang her“ lässt einen massiv an „Summer Of 69“ von Bryan Adams denken?

Gabalier: Der Bryan Adams war ein total prägender Einfluss für mich. Er war sogar der Hauptgrund für den Kauf meiner ersten Gitarre mit 14. Alles, was ich in dem Song verarbeite, ist wirklich so passiert. Das war meine Teenagerzeit, damals haben wir noch Musik auf Kassetten überspielt. Und ich bin mit dem Walkman in die Schule gegangen. Auch sonst ist alles da drin, die Partys, die erste Freundin, überhaupt das Ganze mit den Mädels.

Wann hatten Sie die erste Freundin?

Gabalier: Mit 20.

Und davor?

Gabalier: War eher so Lotterleben angesagt (lacht). Ich hatte eine lustige Jugend. Wir lebten am Stadtrand in einer wunderbaren Siedlung im Grünen, da war immer was los. Wir haben toll gefeiert in alten, stillgelegten Bunkern, manche Nächte waren durchzecht, und so langsam wurde man erwachsen. Also, ganz langsam. Erwachsen bin ich eigentlich bis heute noch nicht geworden.

„Ewig“ ist die Liebesballade auf dem neuen Album. Glauben Sie an die ewige Liebe?

Gabalier: Ja, durchaus. Ich habe das bei meinen Großeltern gesehen, dass so etwas sehr wohl möglich ist. Ob es mir selbst das ganze Leben so ergehen wird ...? Man wird sehen. Es ist heute alles viel schnelllebiger geworden, man macht es sich einfacher, man gibt viel schneller auf und wechselt schneller aus. Man ist halt auch finanziell nicht mehr so aufeinander angewiesen wie früher, wo man oft ganz anders hat zusammenhalten müssen. Ob das jetzt immer toll und lustig war, das sei dahingestellt, natürlich haben die auch mal gestritten. Aber letztlich blicken beide Großelternpaare auf ein erfülltes, glückliches Leben zurück.

Denken Sie bei einer Zeile wie „Ewig wirst du in meinem Herzen sein“ denn an Ihre Großeltern? Oder eher an Ihre Freundin?

Gabalier: „Ewig“ ist ein klassisches Gabalier-Schmalzlied. Das geht an alle. Es bezieht sich zum Beispiel auch auf meine Freunde. Mit einer Handvoll Burschen bin ich seit dem Kindergarten befreundet, das ist für mich auch eine gewisse Art von Liebe. Oder die Lisa, meine älteste Freundin, auch aus dem Kindergarten. Mittlerweile leitet sie ein Kunstatelier. Obwohl wir beide viel beschäftigt sind, gehen wir immer noch einmal die Woche zusammen laufen.

Ein Gabalier-Schmalzlied?

Gabalier: Ja, der Schmalz muss manchmal einfach rinnen. Diese Art von Liedern lieben die Fans. „I sing a Liad für di“ ist ein echter Live-Klassiker, solche Songs haben mich groß gemacht. Das ist tagsüber im Radio vielleicht ein bisschen zu viel des Kitsches, aber im Konzert, nach ein paar Bier – herrlich. Dann nehmen sich alle in den Arm. Die breite Masse will auch bedient werden. Für die mache ich Musik. Sonst würde ich nicht in Stadien spielen oder in Schladming vor 70 000 Leuten.

Zumal bei Ihren Fans von Kindern bis zu alten Leuten alles dabei ist, oder?

Gabalier: Absolut. Ein Lied wie „Ewig“ kommt vor allem bei der reiferen Jugend sehr gut an. Mein Publikum geht los mit Kindergartenkindern, ich habe auch ganz viele Jugendliche, dann Leute in meinem Alter und auch die älteren Semester. Ich gehe auch nach wie vor in Sendungen wie die von Florian Silbereisen, man holt überall ein paar Menschen ab. Ich war mir nie für irgendwas zu schade. Ich kenne so viele Künstler, die mich fragen „Warum tust du dir das an?“. Tja, die meisten der „Coolen“ begreifen das nicht, und deswegen spielen die in Clubs. Da können die das Kapperl noch so schief aufsetzen und die Hose unterm Arsch haben. Steffen Rüth