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Rock im Park Festival ging sonnig, friedlich und mit recht viel Abwechslung über die Bühne

Drei Tage voller musikalischer Kontraste

Archivartikel

Sonnig, friedlich, abwechslungsreich – auf Rock im Park 2018 treffen alle diese Attribute zu, die zu einem guten Gelingen eines Festivals dieser Größenordnung unabdingbar beitragen. Man kann man dem Dreitages-Spektakel ein insgesamt stimmiges Gesamtpaket attestieren, bei dem es sich für den Musikfan lohnte, drei Tage lang zwischen den drei Spielstätten hin und her zu wuseln.

Die Geschmäcker sind verschieden. Und wer auf Beats und Hip Hop steht, wie ihn am Freitag beispielsweise auf der Parkstage „Trailerpark“, „RAF Camora“ oder „Bilderbuch“ präsentiert haben, musste an diesem Tag ebenso wenig wie der Metal-Fan den Platz wechseln, der am Sonntag seinen Radius bei Bands wie „Shinedown“, „Bullet for my Valentine“ oder „Parkway Drive“ auf den Gang zwischen Getränkestand, WC und Bühne eingrenzen konnte.

Vielfalt

Rock im Park ist seit vielen Jahren ein Festival, bei dem es immer wieder die Gemüter gibt, die das „Rock“ im Line-Up vermissen und sich über die Anzahl an Acts stören, bei denen der Gitarrist Urlaub zu haben scheint. Jedoch ist es eben auch ein deutscher Rapper wie Casper, der am Samstag dann als heimlicher Headliner auf der Zeppelin Stage für ein Meer an wogenden Händen sorgt, bevor Jared Leto mit seinen „Thirty Seconds to Mars“ einen Hauch Hollywood über den Platz wehen lässt.

Ein Festival der Kontraste eben, und das ist auch gut so. Denn wenn Blueser „Seasick Steve“, Jahrgang 1941, als ältester Musiker des Spektakels die Jungen ebenso vor die Bühne zieht wie vermeintlich „hippere“ Bands, dann zeigt das einfach auch, wie tolerant Musik als gemeinsamer Nenner so unterschiedliche Menschen zu einem friedlichen Zusammenleben führt.

Rund 70 000 waren es in diesem Jahr, seit langem war Rock im Park mal nicht ausverkauft. Gemerkt hat den Besucherrückgang der regelmäßige Gast nur ansatzweise. Zum Beispiel am Freitag beim Auftritt der „Foo Fighters“ auf der Zeppelin Stage, als die beiden anderen Spielorte wie leergefegt wirkten. Was sicher daran lag, dass Dave Grohl und seine Mannen eine der Konsens-Gruppen sind, die sich die Rocker und die nicht ganz so Harten gerne gemeinsam anhören. Zweieinhalb Stunden spielte die Band energiegeladenen Rock, bei dem sich der Frontmann komplett verausgabte und man ihm jeden Schweißtropfen ehrlich abnahm.

Ähnlich enthusiastisch kann da vielleicht noch Corey Taylor mit seinen „Stone Sour“ mithalten, der am Samstag vor Marylin Manson über beide Backen grinsend die großen Stadionrock-Gesten gab. Kurz davor entführte ein hypnotisch vor sich auf einem Podest hin wallender Maynard James Keenan mit seiner Band „A Perfect Circle“ in ganz tiefe Düsterwelten, aus denen eine Coverversion von AC/DCs „Dog eat Dog“ überraschend herausstach.

Spannende Begegnung

Wer mit offenen Ohren zwischen den drei Musikwelten wanderte, machte dabei die ein oder andere spannende Begegnung. Viele der „Parkrocker“ steckten noch in den Windeln, als beispielsweise der US-Rapper Ice-T Anfang der 1990er-Jahre mit seiner Band „Body Count“ den Startschuss zum „Nu Metal“ gab - seine zweijährige Tochter hatte der „Gangsta“ auch mit auf der Bühne dabei, während seine neu formierte Band rockte wie die Bronx. Obwohl sie schon seit Anfang der 1980er zu der Speerspitze des deutschen Metals gehören, war es für Mille Petrozza und Kreator das erste Mal bei Rock im Park. Entsprechend gaben die alten Herren auch alles, feuerten Pyros und Luftschlangen ab und überzeugten im Lauf ihres Auftritts viele neue Fans.

Und mit „Muse“ gab es am Sonntagabend einen mehr als würdigen Abschluss eines gelungenen Parkrock-Dreiers. Dass am Sonntagnachmittag mit den „Ärzten“ gleich der Headliner für die nächste Auflage des Zwillings-Festivals in Nürnberg und am Nürburgring angekündigt wurde, die ihre einzigen beiden Termine für das Jahr 2019 spielen, sorgte dann für allgemeinen Jubel. Vom 7. bis 9. Juni 2019 findet das Festival dann wieder statt. Vorverkaufsstart ist am heutigen Dienstag. ele