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FN-Interview Denise Heinlein ist mit „Pferdeflüsterer“ Monty Roberts auf Tour

Fair und präzise mit Pferden umgehen

Die Monty Roberts-Jubiläumstour macht am Mittwoch, 31. Oktober, in Schlüsselfeld auf der Westernreitanlage King Stables Station.

Monty Roberts, der wohl bekannteste „Pferdeflüsterer“, wird dabei von Denise Heinlein begleitet, die die Tourleitung inne hat. Heinlein ist ebenfalls Tiertrainerin und folgt Roberts Konzept der gewaltfreien, partnerschaftlichen Kommunikation mit Pferden.

Im Interview erläutert sie, was genau es damit auf sich hat.

Frau Heinlein, wie ist Ihr Interesse an Pferden entstanden?

Denise Heinlein: Mein Interesse an Pferden ist angeboren. Laut Aussagen meiner Mutter haben mich Pferde schon begeistert, als ich noch nicht laufen konnte. Das hat sich dann auch hartnäckig gehalten und bis heute ist es nicht abgeflaut, sondern hat sich eher noch gesteigert. Je mehr man sich auf diese Tiere einlässt, umso faszinierender erscheinen sie.

Wie wurden Sie auf Monty Roberts aufmerksam?

Heinlein: Ich habe früher seine Bücher gelesen und er war ja in aller Munde. Die ersten Karten zu einer seiner Shows habe ich zu meinem 18. Geburtstag von meinen Reiterfreunden bekommen. Aber so richtig überzeugt wurde ich erst, als ich seine Konzepte in der praktischen Arbeit kennenlernte, als ich in Bad Saarow Pferdekommunikationswissenschaften studiert habe. Dort habe ich erkannt, was für einen Unterschied seine Herangehensweise für die Pferde bedeutet. Durch das Erlernen der „Pferdesprache“ eröffnet sich ein ganz neues partnerschaftliches, kommunikatives Verhältnis zwischen Pferd und Mensch. Dies hat mich dann veranlasst bei Monty Roberts in Kalifornien die Ausbildung zum Instruktor zu beginnen.

Was zeichnet seinen und Ihren Umgang mit Pferden aus?

Heinlein: Monty ist einfach unglaublich gut darin, die Pferde zu lesen. Er kann die kleinen Gesten deuten, die die Pferde anzeigen und dadurch deren Verhaltensweisen klar definieren. Somit kann er immer fair und präzise auf die Reaktionen der Pferde eingehen. Dies unterstreicht er noch damit, dass er mit seiner Körpersprache alles unterstützt, somit kommt es nie zu Missverständnissen. Ich persönlich habe mich darauf fokussiert, den Menschen, die Interesse daran haben, die „Pferdesprache“ zu erlernen, zu helfen, diese Signale zu deuten und ihnen die Psychologie der Pferde näher zu bringen. Mein Ziel ist es, das Pferde-Mensch-Verhältnis nachhaltig zu verbessern. Ich liebe es mit Pferden zu arbeiten, aber ich kann mehr Pferden helfen, indem ich mein Wissen an Pferdebegeisterte weitergebe und unterrichte.

Wie sieht Ihr Alltag aus

Heinlein: Alltag gibt es bei mir im Moment nicht. Ich habe die vergangenen vier Jahre das Monty Roberts Internationale Learning Center (MRILC) in Kalifornien als Head Instruktor geleitet. Dies hat mir die Möglichkeit gegeben, mit Menschen aus der ganzen Welt zu arbeiten und ihnen den gewaltfreien und partnerschaftlichen Umgang mit den Tieren näher zu bringen. Letztes Jahr habe ich fast weltweit mit Pferden gearbeitet. Das war zum Beispiel bei der Polo-Welt in Argentinien, Kursen in Belgien und beim ersten offiziellen Monty Roberts Kurs in Asien, Indien. Also, wie Sie sehen, ist es ein sehr vielfältiger Alltag.

Wie äußern sich Pferde? Woran sieht man beispielsweise, dass sich ein Pferd wohlfühlt?

Heinlein: Pferde haben eine ausgeprägte Körpersprache als soziale Tiere, die in einem Herdenverband leben. Sie verständigen sich untereinander zum Beispiel auf die Art und Weise, in welchen Winkeln sie sich nähern oder mit dem Ohrenspiel, also was für eine Kopf- beziehungsweise Halshaltung sie haben. Oft reicht ein warnender Schweifschlag für den Artgenossen schon aus, um zu wissen, dass sie sich nicht weiter nähern sollten. Nehmen wir Montys berühmtes Join-Up als Beispiel. Hier zeigen uns die Pferde vier Signale: Sie drehen uns das innere Ohr zu, was bedeutet, dass ihre Aufmerksamkeit auf uns gerichtet ist. Die Pferde lecken und kauen – eine Geste, die darauf zurückzuführen ist, dass die vorhandene Spannung sinkt und abfällt. Senken des Kopfes ist die letzte Geste, auf die wir warten. Es bedeutet für ein Fluchttier, dass es uns komplett vertraut, da, wenn man das Sichtfeld des Pferdes berücksichtigt, weiß, dass sie eingeschränkt in die Weite schauen können und uns mit dieser Geste signalisieren, dass sie Vertrauen in unsere Führung haben. Dann machen sie noch einen engeren Kreis um uns, um anzudeuten, dass sie sich uns anschließen möchten. Dass sich ein Pferd wohlfühlt, erkennt man daran, dass es glänzende, aufgeweckte Augen hat und einen entspannten Eindruck macht.

Ist eine Rasse leichter zu trainieren als die andere? Unterscheidet sich die Kommunikation?

Heinlein: Das würde ich nicht behaupten. Es gibt natürlich rassenspezifische Merkmale, aber jedes Pferd ist ein eigenständiger Charakter. So muss man sich auf jedes Pferd individuell einlassen. Pferde kommunizieren aber auf der ganzen Welt gleich.

Gibt es gewisse Pferde, an die Sie sich besonders erinnern?

Heinlein: Ja die gibt es, ich könnte Ihnen eine ziemlich lange Liste nennen. Dazu gehört auf jeden Fall mein Projektpferd Levi, ein Mustang, den ich während meines Internships auf Flag Is Up Farm, Montys Farm in Kalifornien, in meiner dreimonatigen Zeit mit ihm, von einem ungezähmten Mustang in ein Reitpferd verwandelt habe. Das ist schon etwas ganz Besonderes. Dann hatten wir auch ein sehr traumatisiertes Pferd namens Red. Da gab es diesen emotionalen Moment, als er nach ein paar Wochen Arbeit mit ihm entschieden hat, seine Barrieren den Menschen gegenüber fallen zu lassen und uns noch eine Chance zu geben. Das war ein unvergesslicher Moment. Wir waren zu dritt und haben das alle drei nahezu physisch gespürt. Sowas habe ich bis jetzt auch nur einmal so extrem erlebt. Wie gesagt, die Liste ist lang. Aber je schwerer die Fälle sind und je mehr man gefordert ist, desto mehr erinnert man sich natürlich an die einzelnen Tiere.

Haben Sie schon Filmpferde trainiert?

Heinlein: Nein, bis jetzt noch nicht.

Was erwartet die Besucher/Teilnehmer bei der Jubiläumstour? Wie muss man sich das vorstellen?

Heinlein: Die Besucher werden einen Einblick in die Arbeit von Monty Roberts bekommen. Monty wird zeigen, wie er Lösungsansätze und Trainingsvorschläge zu dem jeweiligen Pferden erarbeitet und den Besitzern einen Weg aufzeigen, wie sie wieder mit ihrem Pferd weiterkommen. Oft werden wir als letzte Chance für das Pferd genannt. Er wird mit verschiedenen „Problempferden“ arbeiten und erklären, was und warum er wie reagiert und trainiert. Die Jubiläumstour ist deshalb etwas ganz besonderes, denn es wird wahrscheinlich nach dieser Tour keine weitere mehr geben. Monty ist nicht mehr der Jüngste und die Gelegenheit eine lebende Legende live zu sehen und etwas von seinem unglaublichen Wissen direkt mitzunehmen, ist schon Grund genug, sich ein Ticket zu kaufen.

Bleiben Sie jetzt in Bayern und arbeiten Sie von dort aus – auch über die Tour hinaus?

Heinlein: Ich werde noch einmal kurz dem Winter entfliehen. Gleich nach der Tour werde ich nach Kalifornien fliegen, um Monty bei einem der dort abgehaltenen Workshops für Soldaten oder Ersthelfer mit PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) zu vertreten. Danach geht es für mich weiter nach Argentinien, um dort nochmals mit Polo-Pferden zu arbeiten. Unsere Demonstration letztes Jahr hat sehr viel Interesse geweckt. Aber ja, ich möchte auf jeden Fall ab Frühjahr 2019 wieder fest in Bayern arbeiten, unterbrochen vom ein oder anderen Trip in die Welt.

Bleiben Sie mit Monty Roberts in Kontakt und tauschen sich aus?

Heinlein: Ja, ich bemühe mich sehr, mit Monty und seiner Frau Pat in Verbindung zu bleiben. Wir arbeiten ja auch noch sehr oft und eng zusammen. Ich werde für die kommenden Jahre auch weiterhin die Advanced Kurse und Examen halten und unterrichten, die man, wenn man sich zu einem Monty Roberts Certified Instructor ausbilden lassen möchte, belegen muss. Daher habe ich das Glück, mich regelmäßig mit Monty privat auszutauschen. Wenn das nicht möglich ist, kann sogar der Pferdeflüsterer skypen (lacht). ella