Veranstaltungen

Rock im Park Rockig rappende Vielfalt und ein sanitäres Dilemma boten jede Menge Gesprächsstoff

Friedliches, kunterbuntes Festival

Archivartikel

Drei Tage Live-Musik, friedliche Stimmung und – meist – spitze Wetter: So fällt die Bilanz von Rock im Park 2019 in Nürnberg aus. Eines kann man generell über die 24. Ausgabe von Rock im Park sagen – die Kommunikation auf dem Nürnberger Festival zu und zwischen den rund 70 000 Menschen, die am Pfingst-Wochenende das ehemalige Reichsparteitagsgelände zu einem kunterbunten Festival gemacht haben, funktioniert einwandfrei.

Das sorgt einerseits für eine gelassene Atmosphäre, wenn Warn-Hinweise zu Wetterumschwung oder Sicherheitsinformationen über die Rock-im-Park-App oder die LED-Leinwände und die regelmäßigen Beiträge in den sozialen Medien wirklich alle erreichen.

Große Hygiene-Probleme

Allerdings können sich gerade online auch die Dinge herum sprechen, die ein Thema zu einem Riesenproblem machen, was man heute auch gerne „Shitstorm“ nennt. Im Falle der das Jahr 2019 kennzeichnenden nicht gelungenen Ausstattung mit Toiletten kann man dies durchaus wörtlich nehmen. Am ersten Tag schon machte die Kunde die Runde, dass die Parkrocker mit überfüllten, geschlossenen und nicht funktionierenden Toiletten und Duschanlagen zu kämpfen hatten. Und da die Hygiene ein Thema ist, das wirklich jeden interessiert, wurde das Klo-Dilemma in diesem Jahr zur herausragenden Klammer, mit der sich die Veranstalter ebenso wie die Besucher wohl an das dreitägige Musikfest erinnern werden.

Wobei allen Unkenrufen zum Trotz aber dennoch hervorzuheben ist, dass auf der Plus-Seite jenseits der Musik auch deutlich weniger alkoholbedingte Einsätze der Polizei als im Vorjahr zu verzeichnen sind und die Stimmung unter den Gästen eine sehr friedvolle war, bei der sich Menschen unterschiedlichen Alters und Herkunft als eine große „Park-Gemeinschaft“ fühlen.

Entspanntes Sicherheits-Personal

Eine über Jahre gewachsene Struktur, an der nicht nur der ausgewogene Stilmix auf den drei Bühnen verantwortlich ist, sondern auch das für alle Geschmäcker offen stehende kulinarische Programm und nicht zuletzt auch ein entspanntes Sicherheitspersonal ist. Deutlich wurde in diesem Jahr einmal mehr, wie wichtig ein möglichst breit gefächertes Musikprogramm ist, um eine so große Zahl an Menschen anzulocken. Das mögen die einen angesichts einiger Hip-Hop-lastiger Acts als Anbiederung an den „Mainstream“ verstehen, während andere meckern, dass dem Park der „Rock“ ausgeht. Allerdings ist zu beobachten, dass bei aktuell bei dem jungen Publikum schwer angesagten Künstlern wie Alligatoah, Casper und Marteria und sogar bei Bonez Mc & Raf Camora auch viele akustische Instrumente mit auf der Bühne zu sehen waren – sogar angestöpselt. Und die harsche Trennung zwischen Rap und Rock, die gibt es schon lange nicht mehr. Nicht erst seit dem Aufkommen von sogenannten „Nu-Metal“-Bands.

Und bei genauem Hinsehen war dann doch wirklich für alle was dabei: Die Ärzte feierten nach jahrelanger Bühnenabstinenz ein Comeback, bei dem zwei Stunden lang nicht auffiel, dass Farin, Bela und Rod eben stramm auf die 60 zugehen. Das Berliner Kult-Trio würzte seine Hitparade mit einigen politischen Botschaften, wie dies bereits am Nachmittag die teils umstrittenen Punks „Feine Sahne Fischfilet“ getan hatten. Ein bisschen Anti-Nazi-Parolen, ein bisschen Trump-Verarsche – das passte bestens zu schnellen Riffs und Mitsing-Melodien. Auch wenn die meisten Bands dann doch ihre Bühne nicht für politische, sondern eher für hedonistische Botschaften nutzten.

Da lohnte sich durchaus auch bei sonnigem Wetter der Blick in die „Alternarena“ zu Bands wie den Struts, Kadavar oder Graveyard, die den bluesgetränkten Rock der 60er aufleben ließen. Auf der Zeppelinbühne sorgten die coolen Österreicher „Seiler & Speer“ oder das US-amerikanische Spaß-Duo „Tenacious D“ mit Band für viele Lacher, während „Slipknot“ mit harten Doublebass-Attacken und Monstermasken ins metallische Gruselkabinett einluden. Am Sonntag gab es dann noch einige echte Highlights für den reiferen Parkrocker: Die Progmetaller „Tool“ spannen als Headliner düstere Klanggebilde mit einer atemberaubenden Lichtshow, die Alternative-Institution „Smashing Pumpkins“ feierte wiedermal ein Comeback und die Thrash-Legende „Slayer“ ihren Abschied.

Fazit: Tolles Festival – und das anrüchige Problem kann man für die 25. Ausgabe ja wohl in den Griff kriegen. ele