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Taubertal-Festival in Rothenburg ob der Tauber Zum 23. Mal ging es auf der Eiswiese rund / Fans tanzten sich in Ekstase und Bier flog durch die Luft / Abrissprogramm mit „Feine Sahne Fischfilet“

Hitzeschlacht für knapp 20 000 Partygänger

Was hat das Taubertal-Festival in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht schon alles erlebt: Es gab Jahre, in denen mussten kurzfristige Bandabsagen kompensiert, Staus aufgelöst, Anwohnerbeschwerden gehändelt oder ausgeflippte Gäste wieder beruhigt werden – die größten Herausforderungen aber hatte immer wieder Petrus auf Lager. Manchmal folgten herrlichem Sommerwetter, heftige Gewitter mit starken Windböen, die die Zelte mitrissen. In anderen Jahren drohte das Festival im Schlamm zu versinken, 2008 stand sogar kurz zur Debatte, dass das Festival wegen Hochwassers abgesagt und der Campingplatz im Tal evakuiert werden muss, soweit kam es dann aber glücklicherweise doch nicht.

Und in diesem Jahr? Da setzte die Hitze den Organisatoren und Gästen mächtig zu. Bei annähernd 35 Grad im Schatten am Mittwoch und Donnerstag war zum Auftakt am Festival-Freitag vor allem ein kühler Kopf gefragt – der Veranstalter sorgte mit Wasserstellen und dem verstärktem Einsatz von Sanitätern zur Vorbeugung von Hitzeschlag, Sonnenbränden und Dehydrierung vor. Die Gäste selbst stöhnten über die äußeren Bedingungen, gleicht bei solchen Temperaturen das Schlafen – egal ob im Zelt oder Wohnwagen – fast einem Ding der Unmöglichkeit. Entsprechend vorsichtig und umsichtig mussten die Festivalbesucher natürlich auch mit ihrem angestrengten und teilweise geschwächten Körper umgehen. Dies klappte bei den meisten erstaunlich gut, die Sanitäts- und Rettungskräfte verzeichneten kaum mehr Einsätze, als in „normalen Jahren“ auch.

Zelte mitgerissen, dennoch Glück

„Wir hatten am Donnerstag noch Glück mit dem vorhergesagten Unwetter“, so Festival-Sprecher Florian Zoll, „der Sturm war zwar heftig und hat viele Zelte mitgerissen, aber er war nach wenigen Minuten vorbei, obwohl uns viel mehr prophezeit wurde“. „Seither herrscht einfach nur noch gute Laune, das Wetter ist optimal und unsere Besucher verbreiten jede Menge Spaß“, so Zoll

Und genau so war es: Wohin man auch blickte, überall konnte man faszinierende Ideen für den kleinen Spaß zwischendurch beobachten. Die Spielchen, Aktionen und Ideen wurden einfach ins oder ans Wasser verlegt und entsprechend ein paar Gänge runtergeschalten. Allerorten übertrumpften sich die Jugendlichen mit lustigen Ideen sowohl was die Eingrenzung des eigenen Campingbereichs angeht, als auch die eigene Kleidung. Innerhalb weniger Stunden wurden aus dem Campingareal richtige Dörfer und das ganze Gelände wuchs innerhalb von zwei Tagen zu einer wahren Großstadt an.

Am Freitag war es endlich soweit: Bier und Konfetti fliegen durch die Luft, Musik-Fans pressen sich an die Absperrung vor der Bühne, die Boxen vibrieren. Es herrscht ausgelassene Stimmung auf dem Hauptgelände des Taubertal-Festivals auf der Eiswiese. Positiv fällt von Beginn an die entspannte und ausgelassene Stimmung aller Beteiligten auf. Sowohl bei den tausenden Besuchern als auch bei den Hunderten offiziellen Helfern und Einsatzkräften. Darüber hinaus glänzt das Festival durch seine gute Organisation. In jahrelanger Arbeit haben die Organisatoren das Open-air mit einem bewährten Team perfektioniert.

Schon beim Warm-up-Programm am Donnerstag heizten unter anderem die „Killerpilze“ und Henning Wehland den Fans ordentlich ein. Etwas gemächlicher startete der Freitag auf der Hauptbühne mit Singer-Songwriter Joris aus Niedersachen. Die Besucher feierten den dreifachen Echo-Gewinner vor allem für seinen bisher größten Hit „Herz über Kopf“.

Richtig zur Sache ging es anschließend mit der Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ aus Mecklenburg-Vorpommern. Frontmann Jan „Monchi“ Gorkow zeigte sich begeistert vom Taubertal-Festival und kündigte „60 Minuten Abriss“ an. Er versprach nicht zu viel. Bei den harten Klängen tanzten sich die Fans in Ekstase. Bier flog durch die Luft. Die Band selbst und einige Fans zündeten sogar Rauchfackeln, so genannte Bengalos, wie man sie aus der Bundesliga kennt. Zwischen den Songs setzte Gorkow immer wieder politische Statements gegen Rechts, vor allem gegen die AfD. Aber auch CSU-Innenminister Horst Seehofer bekam sein Fett weg.

Danach traten die „Editors“ aus Großbritannien auf. Nach dem harten Konzert von „Feine Sahne Fischfilet“ stimmten die Indie-Rocker aus Großbritannien wieder etwas ruhiger Klänge an. Frontmann Tom Smith überzeugte insbesondere mit seiner tiefen Bariton-Stimme, die etwas an die Stimme von Ian Curtis erinnert. Die Kommunikation mit den Fans war allerdings etwas dürftig. Viel mehr als „Guten Tag“ und „Vielen Dank“ kam Smith neben seinen Songs nicht über die Lippen.

„Beatsteaks“ gefeiert

Als Headliner, also Höhepunkt des Abends, traten die „Beatsteaks“ aus Berlin auf. Die waren laut Frontmann Peter Baumann bereits zum sechsten Mal vor Ort. Satte anderthalb Stunden feierte die alternative Rock-Punk-Band mit der bis weit hinter die erste Videoleinwand gefüllten Eiswiese. Anders als die „Editors“ zuvor, ging Baumann gleich zu Beginn mit den Fans auf Tuchfühlung.

Am frühen Samstagabend wurde das Festival von Gogol Bordello und Talco gerockt. Während Talco das Genre Punk, Rock, Latin, Ska bediente, hatte die Gruppe „Gogol Bordello“ einen besonders energiegeladenen Auftritt zu bieten. Die Ankündigung der Band im Programmheft des Veranstalters klang sehr vielversprechend: „Neben einer Reihe an Musikinstrumenten, darunter Gitarre, Akkordeon, Geige, Saxophon und Schlagzeug, sind auf der Bühne auch immer wieder Zirkuskünstler, wilde Tiere, Feuerwerke, mongolische Chöre oder vergleichsweise zahme Bläsergruppen zu sehen.“

Voller und voller wurde das Festivalgelände vor der Hauptbühne dann bei „In Flames“. Die aus Göteborg stammende Melodic-Death-Metal-Band entfachte einen Sturm der Begeisterung bei ihren Fans.

Ein Kontrastprogramm boten danach die fünf Chemnitzer Jungs von „Kraftklub“ – so war wirklich für alle Geschmäcker etwas geboten. Die 2010 gegründete Band verbindet Rock und deutschen Sprechgesang, heraus kommt eine Mischung aus Indie, Punkrock und Rap. „Kraftklub“ steht dabei für eine der ganz großen Erfolgsgeschichten der vergangenen Jahre. Auch sie überzeugten das Publikum. Übrigens: Vor acht Jahren starteten sie – wie so viele andere heutige Stars – auf der kleinen Newcomer-Bühne beim Taubertal-Festival vor vielleicht 30 Neugierigen. . .

Info: Bildergalerie unter www.fnweb.de