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Mozartfest Tenor Julian Prégardien und Pianist Kit Armstrong begeistern im Kaisersaal der Residenz

Innige Klage, verklärte Erinnerung

Archivartikel

„Wunderlicher Alter, soll ich mit dir geh’n? Willst zu meinen Liedern deine Leier dreh’n?“ Es ist ein leiser, fast zärtlicher Schlussakkord hinter einem Zyklus von 24 eher düsteren Gedichten. Franz Schuberts „Winterreise“ lässt die Besucher beim Konzert im Kaisersaal der Würzburger Residenz beglückt zurück.

Wunderbarer Zustand

Schöpfer dieses wunderbaren Zustands sind mit Kit Armstrong am Klavier und Julian Prégardien (Tenor) zwei besondere Musiker, die im Rahmen des Mozartfestes Schubert und Mozart zu einer Einheit verschmelzen lassen.

Im Mittelpunkt des Konzerts steht Schuberts Liederzyklus, den er 1827 nach Gedichten von Wilhelm Müller vertonte.

In fünf Blöcken aufgeteilt, werden die 24 Gedichte immer wieder von Mozart-Werken unterbrochen. Die schmiegen sich in den Tonarten harmonisch perfekt an die „Winterreise“ an. Dem perlend-weichen Einstieg mit dem Rondo für Klavier in a-moll (KV511) folgt nahtlos und fast unmerklich das erste Lied „Gute Nacht“.

Stimmung nachgefühlt

Mit seinem warmen lyrischen Tenor und einer weichen Modulation versteht es „Artiste étoile“ Julian Prégardien hervorragend, Empfindsamkeit und Stimmung von Schuberts Tonschöpfung nachzufühlen. Ob innige Klage und tosender Weltschmerz, ob die Erinnerung an die Liebste oder ein Traum im Frühling: Prégardien legt alle Klangfarben und Schattierungen seiner großartigen Stimme in die Lieder – mal expressiv und aufbäumend, mal ruhig und zurückhaltend.

Gerade in den Piano-Stellen weiß der Tenor Akzente zu setzen.

Die „Winterreise“ ist wohl die bekannteste Vertreterin der Gattung Kunstlied, von Franz Schubert meisterlich vertont.

Ihr hat sich Prégardien verschrieben. Die Komposition einer enttäuschten Liebe hat der Tenor seit langem im Repertoire und auch bereits mit Orchester aufgenommen.

Beim Mozartfest in Würzburg sorgt an seiner Seite der Pianist Kit Armstrong, 2016 selbst Artiste étoile des Festivals, für einen besonderen Farbtupfer und Hörgenuss.

Die Musik ist beim Zyklus nicht Beiwerk, sondern besitzt eine Eigenständigkeit und Dynamik – von Armstrong mit Hingabe ausgelebt.

Er trägt die Empfindsamkeit weiter, erzählt gemeinsam mit dem Sänger und unterstreicht die Bedeutung der Worte. Armstrong verleiht dem Klang so eine besondere Nuance, die den ganzen Kaisersaal erfüllt.

Musikalische Lyrik bis hin zur Todessehnsucht findet sich auch bei Mozarts Klavierwerken, die sich um die Liedgruppen legen.

Passender Nachhall

Armstrong lässt den Zuhörer eintauchen in die melancholische Erzählung des Adagio für Klavier h-moll (KV 540) und die Empfindsamkeit der Sonate c-moll (KV 457), die gleichzeitig den passenden Nachhall für Schuberts „Winterreise“ geben, um den Worten nachzuspüren.

Und so wird der Zuhörer nicht mit dem alten Mann als Verkörperung von Gevatter Tod zurückgelassen, sondern mit einer inneren Zufriedenheit und Beglückung.