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FN-Interview Ein Gespräch mit den „Frontm3n“ Peter Howarth, Pete Lincoln und Mick Wilson

„Keine Distanz zwischen Bühne und Publikum“

Peter Howarth, Pete Lincoln und Mick Wilson sind in ihren Hauptjobs Sänger und „Frontmen“ von „The Hollies“, „The Sweet“ und „10cc“. Seit kurzem sind sie aber auch als „Frontm3n“ unterwegs und haben nun ihre erste gemeinsame CD „All for one“ herausgebracht. Am Freitag, 4. Januar, treten sie um 20 Uhr in der Johanniskirche in Würzburg auf. Die FN hatten Gelegenheit, im Vorfeld des Konzerts mit den drei „Frontm3n“ zu sprechen.

„Drei Mann, drei Gitarren“ war die letzte Tour überschrieben. Wird es dieses Mal wieder so sein, dass nur Sie drei auf der Bühne stehen und sich mit ihren akustischen Gitarren begleiten?

Peter Howarth: Ja, es hat sich als hervorragendes Konzept herausgestellt. Indem wir die Songs unserer Band auf das akustische Grundgerüst reduzieren, wird daraus ein schlüssiges Ganzes, passen die unterschiedlichen Songs hervorragend zusammen. Nur Mick wird ein paar Mal zum Bass greifen. Aber ansonsten werden nur drei Gitarren und unsere drei Stimmen zu hören sein.

Auf Ihrer CD „All for one“ gibt es aber doch eine dezente Unterstützung durch ein Schlagzeug?

Pete Lincoln: Ja, das haben wir gemacht, weil wir wollten, dass unsere Songs auch im Radio gespielt werden. Songs nur mit Gitarre haben da kaum eine Chance, also haben wir uns für den dezenten Einsatz von Schlagzeug und Bass entschieden. Aber auf der Bühne werden wir auch die neuen Stücke nur mit Gitarrenbegleitung bringen.

Das heißt, es werden auch Stücke des neuen Albums bei den Konzerten zu hören sein?

Mick Wilson: Wir haben die CD aufgenommen, um zu zeigen, dass wir eine Band sind, wenn auch nur saisonal, da die Verpflichtungen mit unseren Hauptbands uns nicht mehr Zeit lassen. Aber es soll ein Band-Statement sein. Und natürlich werden wir auch einige live spielen. Sie sollen eine Art Bindeglied zwischen den Songs unserer Hauptbands sein.

Peter Howarth: Aber keine Angst, wir werden alle großen Hits von „The Hollies“, „The Sweet“ und „10cc“ spielen – und wir werden eine Menge Spaß haben, was das Wichtigste ist. Deshalb machen wir das ja, weil es uns Freude macht, zusammen auf der Bühne zu stehen. Das merken auch die Zuhörer und sie haben dann ihrerseits viel Spaß.

In Würzburg spielen Sie in der Johanniskirche. Sind Sie gläubig, ist die Location etwas Besonderes für Sie? Ist es das erste Mal, dass Sie in einer Kirche spielen.

Pete Lincoln: Wir sind nicht gläubig. Aber es ist für uns wichtig, an Orten mit einer besonderen Atmosphäre aufzutreten. Deshalb haben wir schon des öfteren in Kirchen gespielt und es war immer etwas Spezielles.

Peter Howarth: Für uns ist es wichtig, in einem intimen Rahmen aufzutreten, so dass wir den direkten Kontakt zum Publikum haben. Die Leute sollen uns spielen sehen, und wir wollen die Reaktion der Leute auf unsere Songs sehen. Es wird keine Distanz zwischen Bühne und Publikum geben, wir brauchen den direkten Kontakt zu den Fans.

Die akustischen Songs mit der Lagerfeueratmosphäre sind also eher für kleinere Hallen ausgelegt, würden in den großen Arenen nicht funktionieren?

Pete Lincoln (lacht): Wenn wir die Chance bekommen würden, in großen Arenen aufzutreten, würden wir das auch hinbekommen. Momentan funktioniert es so richtig gut und es macht riesigen Spaß mit den anderen beiden unterwegs zu sein.

Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie gemeinsame musikalische Sache machen?

Mick Wilson: Wir haben vor mehr als 20 Jahren zusammen in der Begleitband von Cliff Richard gespielt und haben uns auf Anhieb gut verstanden. Danach sind wir aber getrennte Wege gegangen, wurden die Frontmen unserer Bands. Zwischendurch haben wir uns über die Jahre bei verschieden Festivals getroffen und hatten eine gute Zeit. Da kam der Gedanke auf, dass wir auch musikalisch etwas gemeinsam machen könnten.

Pete Lincoln: Wir haben uns dann entschlossen, ein paar Konzerte, sozusagen als Versuchsballons, zu geben. Sollten die Leute es mögen, wollten wir weiter machen, wenn nicht, hätten wir es gelassen. Das Ergebnis ist, dass wir seit mehr als einem Jahr unterwegs sind und immer mehr Leute zu unseren Shows kommen. Beim ersten Auftritt waren es rund 50, mittlerweile kommen bis zu 600 Leute. In manchen Städten müssen wir sogar Zusatzshows geben.

Was ist der Unterschied zwischen den Auftritten mit Ihrer Stammband und den Konzerten mit „Front3n“?

Peter Howarth: Wenn ich mit den „Hollies“ auf der Bühne stehe, ist der Druck für mich viel größer. Auf mir als Sänger ruhen alle Augen, ich stehe die ganze Zeit im Fokus. Bei „Frontm3n“ verteilt sich das auf alle drei Leute. Da rücke ich auch mal ins zweite Glied, spiele nur Gitarre und kann so auch mal durchschnaufen, beobachten, was die anderen beiden so machen und wie das Publikum sich verhält.

Sie sind schon sehr lange im Musikgeschäft. Was hat sich verändert? Man hat das Gefühl, dass junge Bands viel länger brauchen, um Erfolg zu haben, es mit ihren Auftritten in größere Hallen zu schaffen?

Mick Wilson: Der Weg zum Erfolg ist ein anderer als in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Damals haben die Plattenfirmen und das Radio bestimmt, wer eine Chance bekommt und wen die Leute sich anhören dürfen. Eine LP oder CD aufzunehmen, hat eine Menge Geld gekostet. Heute ist das anders. Jeder kann eine CD aufnehmen und sie ins Netz stellen. Die Leute können nun, über Streaming-Dienste oder wie auch immer, sich im Internet auf die Suche begeben, um neue Bands zu entdecken und somit selbst entscheiden, welche Bands oder Künstler sie hören wollen.

Pete Lincoln: Aber es ist heute wie damals: die guten Musiker und Bands, die ihr Handwerk auch auf der Bühne verstehen, eine gute Performance bieten, setzen sich durch. Allerdings ist die Konkurrenz, gerade im Hinblick auf Konzerte größer geworden. Heute ist jeder unterwegs, weil er über Live-Auftritte Geld verdienen muss. Früher gab es in Newcastle beispielsweise ein oder zwei Konzerte im Monat, heute gibt es nahezu jeden Tag ein Konzert.