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Interview Schauspielerin Alicia von Rittberg stellte ihren Film „Rate your Date“ im Cineworld vor

Komödie als „komplette Herausforderung“

Alicia von Rittberg war mit ihren Schauspielkollegen Marc Benjamin, Edin Hasanovic und Nilam Farooq im Cineworld in Dettelbach zu Gast, um ihren neuen Film „Rate your Date“ vorzustellen. Dort sprach die 25-Jährige mit den Fränkischen Nachrichten unter anderem darüber, warum die Komödie eine Herausforderung für sie war und weshalb sie sich nach ihrem Studienende London als Wohnort ausgesucht hat.

Frau Rittberg, im Film „Rate your Date“ geht es um die Idee einer App, die bei der Partnersuche unterstützen soll – hatten Sie schon mal einen Einfall, bei dem Sie dachten, die müsste man auf den Markt bringen?

Alicia von Rittberg: Ich hatte wirklich schon viele kleine Ideen, habe mich aber nicht getraut, sie umzusetzen. Unter anderem hatte ich mal mit meinen Bruder überlegt, eine App mit Sprachnachrichten zu entwickeln, aber da hatte Whatsapp dann auch schon damit angefangen. Das mit den Ideen und der Umsetzung ist gar nicht so einfach.

Nach überwiegend historischen Filmen ist es mit „Rate your Date“ eine Komödie geworden. War das eine bewusste Entscheidung – haben Sie gezielt danach Ausschau gehalten?

Von Rittberg: So funktioniert das leider nicht, so steuern kann man das nicht. Ich hatte das große Glück, dass diese Castinganfrage ’reinkam. Ichhatte gleich große Lust auf den Film, weil es eine Kombination aus Komödie und moderner Figur war. Bisher hatte ich viel Historisches und viel Drama gemacht, das jetzt war der komplette Gegensatz.

Ich glaube, in meiner Rollenwahl zieht mich immer das an, was ich bisher noch gar nicht gemacht habe. Und Komödie war für mich eine komplette Herausforderung – dieses auf Knopfdruck Lustigsein und das noch reproduzierbar, weil man ja jede Szene mehrmals dreht. Hier bin ich oft an meine Grenzen gestoßen.

Was genau waren die Grenzen?

Von Rittberg: Du machst es einmal, musst es dann aber noch 15 Mal wiederholen. Da lacht dann natürlich niemand mehr, weil es jeder am Set schon gehört hat und man vielleicht auch manchmal das Timing nicht mehr so hinbekommt.

Lustig zu sein, ohne quasi eine Reaktion zu erhalten, ist unheimlich schwer. Ich wusste manchmal nicht so richtig, ob ich mich auf mein eigenes Gefühl verlassen kann. Anders gesagt: Wenn du etwas Ernsthaftes spielst, bekommst du die Reaktion deines Teams nicht direkt mit, bei der Komödie lachen sie manchmal und manchmal eben nicht – das kann verunsichern.

Was ist für Sie der Unterschied zwischen Fernsehfilm und Kinofilm?

Von Rittberg: Was die Produktion betrifft, ist es oft so, dass man bei Kinofilmen insgesamt etwas mehr Zeit hat, also auch die Möglichkeit, sich länger vorzubereiten. Besonders ist beim Kinofilm zum Beispiel auch solch eine Kinotour, das ist bei Fernsehfilmen nicht der Fall.

Aber ich finde, das Fernsehen bietet auch die Plattform, gute Geschichten zu erzählen. Mittlerweile ist das Niveau von deutschen Serien und Fernsehfilmen ziemlich hoch. Es kommt gar nicht darauf an, wo es ausgestrahlt wird.

Sie sind durch die Fernsehreihe „Charité“ bekannt geworden, in der Sie die Rolle der Ida Lenze gespielt haben. „Charité“ war sehr erfolgreich und hat eine zweite Staffel bekommen, in der Sie aber nicht mehr dabei sind. Sehen Sie es selbst auch so, dass „Charité“ ein Türöffner war?

Von Rittberg: „Charité“ hat die Gelegenheit geboten, dass der Zuschauer uns über sechs Folgen begleiten konnte. Dadurch hatten wir über einen längeren Zeitraum eine Präsenz im Fernsehen. Für mich war das erstmalig und eine neue Erfahrung. Welchen direkten Einfluss es hatte, lässt sich schwer sagen. Aber „Charité“ war auf jeden Fall ein Meilenstein in meinem Leben.

Warum glauben Sie, war es so erfolgreich?

Von Rittberg: Es wird eine Zeit erzählt, die es so im Fernsehen noch nicht gegeben hat. Ich denke, es war eine schöne Kombination aus historischer Lehrstunde und einer Institution, die es heute so noch gibt – also noch Bezug zur Gegenwart hat – mit berührenden Geschichten von Menschen, die einem vielleicht sogar noch etwas sagen. Also eine sehr spannende Kombination – das Emotionale wurde mit dem Historischen verbunden.

Verfolgen Sie auch „Charité 2“?

Von Rittberg: Ich bin witzigerweise mit ein paar Schauspielern befreundet, war auch mal am Set, als es noch gedreht wurde. Ehrlich gesagt war es aber irgendwie komisch, weil es nicht mein Set war. Da fühlt man sich doch fehl am Platz. Ich wurde aber ganz lieb aufgenommen und es war spannend, da wieder vorbeizuschauen, zumal es wieder in Prag gedreht wurde, wo wir auch gedreht haben.

Ich muss zugeben, dass ich diese Staffel noch nicht fertig gesehen habe. Ich bin aber sehr begeistert von meinen Kollegen und wie es weitergeführt wurde und verstehe auch völlig, warum in der Zeit gesprungen wurde.

Kann es sein, dass in dieser Staffel mehr dazu erfunden wurde?

Von Rittberg: Das weiß ich tatsächlich nicht. Ich glaube aber, dass in der zweiten Staffel genauso hervorragend recherchiert wurde wie in der ersten Staffel.

Ich höre sogar von Freunden, die Medizin studieren, dass es aus medizinischer Perspektive besonders interessant sei.

Sie haben Wirtschaftswissenschaften studiert – warum in Friedrichshafen und nicht in einer Stadt wie Berlin oder München?

Von Rittberg: In Friedrichshafen gibt es die Zeppelin Universität, und dort konnte ich zu meinem Wirtschaftsstudiengang noch ein Nebenfach wählen. Das habe ich gemacht und „Kommunikation und Medien“ ausgesucht.

Außerdem hat mir die Universität ermöglicht, Prüfungen während der Dreharbeiten im In- oder Ausland zu schreiben. Das hat mir natürlich unglaublich geholfen.

Aber es stimmt, mich hat es jetzt wieder in die Großstadt gezogen. Ich wohne seit Studienende in London.

Warum London?

Von Rittberg: Ich habe dort seit vier Jahren eine Agentur und Lust, vor Ort zu sein und nicht immer nur Videos ’rüberzuschicken, das macht schon einen gewissen Unterschied. Außerdem kann ich dort an meinem Akzent und an verschiedenen Sachen arbeiten, die ich bisher noch nicht ausprobiert habe, weil ich auf keiner Schauspielschule war. Ich versuche das so teilweise nachzuholen.

Ist es zudem der Versuch, in internationale Produktionen hineinzukommen?

Von Rittberg: Ich glaube, es ist gar nicht so wichtig, wo man wohnt. Am Ende zieht es mich für einen Dreh dorthin, wo die schönste Rolle auf mich wartet – egal ob England oder Deutschland. ella