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24 Jahre Taubertal-Festival Zum ersten Mal das Gelände geräumt / „Die Fantastischen Vier“, „Donots“ und „Madsen“ begeistern

Musikfans feiern trotz Unwetters

Was hat dieses Festival in den vergangenen 24 Jahren nicht schon alles erlebt: Kurzfristige Bandabsagen mussten kompensiert, Staus aufgelöst, Anwohnerbeschwerden gehändelt oder ausgeflippte Gäste wieder „eingefangen“ werden – die größten Herausforderungen aber hatte immer wieder Petrus auf Lager. Es gab Hitze mit annähernd 40 Grad und hoher Waldbrandgefahr sowie Regengüsse und Schlamm. 2008 stand sogar kurz eine Absage wegen Hochwasser im Raum, doch soweit kam es dann doch nicht. Und 2019? Da zwang eine Unwetterwarnung zum ersten Mal in der ereignisreichen Geschichte des Festivals zur Räumung des Geländes.

Am Freitag war es soweit: Pressesprecher Florian Zoll von der KARO-Konzertagentur Rothenburg sagte unserer Zeitung: „Eine derartige Situation hatten wir in 24 Jahren zum Glück noch nie. Wir mussten natürlich Szenarien für einen solchen Fall in der Schublade haben – nun wissen wir aber auch, dass unser Plan in der Praxis tatsächlich funktioniert.“

Der Gewittersturm war schlimmer angekündigt, als es dann tatsächlich kam. „Wir hatten etwa 40 Liter Regen pro Quadratmeter innerhalb von rund einer halben Stunde“, bestätigt Zoll: „Der größte Dank geht an unser Publikum, dass alle überwiegend verständnisvoll und unkompliziert mitgezogen haben. Einzelne Gäste meinten zwar, dass sie um ihre Lieblingsband gebracht wurden, aber Sicherheit geht eindeutig vor.“ Am Freitagabend fielen also die Konzerte von „Bullet for My Valentine“ und einer der Headliner „The Offspring“ sprichwörtlich ins Wasser. Die Jungs aus Kalifornien sind insbesondere mit ihrem Hit „Self Esteem“ weltbekannt.

Am Samstag waren mehrheitlich Stimmen zu hören, dass der Abbruch am Vorabend sehr schade war, die Entscheidung des Veranstalters war für die Masse der Besucher aber absolut nachvollziehbar.

Einige Jugendliche bestätigen auf Nachfrage am Tag nach dem Unwetter, dass alle Camper in den Autos (wie vom Veranstalter empfohlen) Platz gefunden hatten und damit in Sicherheit waren. „Wir saßen rund eine Stunde im Auto, es hat echt krass geregnet und wahnsinnig oft geblitzt“, so Laura Müller aus Creglingen. Der Wind wirbelte die Zeltareale kräftig durcheinander, glücklicherweise gab es keine Verletzten.

Das Festival-Gelände ist insgesamt begrenzt durch die Tauber und den Hang, es kann einfach nicht mehr als 12 500 Besucher an einem Abend fassen. In diesem Jahr wurden vergleichsweise viele „Ein-Tages-Tickets“ verkauft, so dass die Veranstalter mit etwa 16 000 Gästen rechneten. Hinzu addieren sich aber noch zahlreiche Zaungäste, die im benachbarten Biergarten „Unter den Linden“ ein wenig der Festival-Atmosphäre aufschnappen.

Den Festival-Auftakt markierten am Freitag „Moop Mama“ und „Ok Kid“. Am frühen Samstagabend wurde die Party dann von den „Donots“ und „Von wegen Lisbeth“ gerockt. Die „Donots“ sind bekannt dafür, dass sie gute Stimmung mit ihrem Punkrock machen und auch an sozialkritischen Aussagen fehlte es bei ihrem Auftritt nicht.

Das Warm-Up zum Finale übernahm „Madsen“, die vier Madsen’s genossen die Nähe zum Publikum, sie sind eine der bekanntesten deutschsprachigen Indie-Rock-Bands. Anschließend gaben sich alte Bekannte die Ehre: „Die Fantastischen Vier“. Seit 30 Jahren stehen die Fantas für deutschsprachigen Hip-Hop, den sie einst überhaupt erst erfunden hatten. Schon mehrfach traten sie in Rothenburg auf und lockten die Massen ins Tal. Mit ihren größten Hits wie „Die da“, „MFG“, „Ein Tag am Meer“, „Was geht“ rockten die Fantas – alias Smudo, Thomas D, Michi Beck und And. Ypsilon das Tal. Bei ihren Fans bedankten sie sich für deren langjährige „Troy“e.

Non-Stop-Party

Wer nach dem Auftritt der „Fantas“ immer noch nicht genug hatte, für den gab es im „Steinbruch“, der so genannten dritten Partylocation noch einmal was auf die Ohren. Hier wird seit einigen Jahren zur „After-Show“ eingeladen, um die Feierwütigen bis zur Dämmerung zu unterhalten. Dies bietet den Campingplätzen die Chance, dort einigermaßen für Ruhe zu sorgen, während andere Non-Stop-Party haben.

Zum Taubertal-Festival gehört traditionell das Campen auf dem Berg und im Tal. Auch 2019 konkurrierten die Zeltstädte wieder auf der höchsten Kreativitätsstufe. Egal, wohin der Besucher den Blick auch richtet, es sind einfach wahnsinnig viele witzige Ideen für die Gestaltung der Dorfmitte, den Aufbau von Getränkeausgaben, Grillbereichen, Freiluftduschen, Swimmingpools – und überhaupt für den kleinen Spaß zwischendurch – zu finden und entdecken. Selbst das Umweltteam nutzt die Betonabsperrungen – eine der Maßnahmen gegen terroristische Angriffe – um die Besucher zu einem Limbo anzustiften, nicht ohne ihnen vorher den Müll in großen blauen Säcken abzunehmen.

Ansonsten ist an den Nachmittagen vor allem eines angesagt: Chillen – wie es neudeutsch so schön heißt. Und auch hierzu braucht es natürlich außergewöhnliche Ideen. Da werden Hängematten am Frontlader eines Traktors aufgehängt, ein Freisitz in fünf Metern Höhe errichtet oder ganze Sofagarnituren mitgebracht. Die Kreativität der Fans kennt kaum Grenzen, einzig die Vorschriften hinsichtlich der Sicherheit der Sonderbauten schränken die Euphorie ein bisschen ein. Und eines der wichtigsten Equipments ist eine große Fahne, damit man im Dunkeln oder im angeheiterten Zustand den Schlafplatz in der eigenen Zeltstadt wiederfindet. Eine der größten Besuchergruppen kam aus dem Schrozberger Raum: In diesem Jahr war man mit 96 (!) Jugendlichen und einem Großraumzelt angerückt.

Wer sich auf dem Festival übrigens vom Mainstream abkoppeln und etwas Neues, häufig noch Unentdecktes hören möchte, ist gut beraten, den Bands des „Emergenza-Contests“ zu lauschen. Das Finale dieses Newcomer-Wettbewerbs wird traditionell hier ausgetragen, der Gewinner darf am Sonntagnachmittag auf der Hauptbühne sein Können einem großen Publikum vortragen.

Ein Bericht vom Festival-Sonntag ist am Dienstag zu lesen. Daniela Pfeuffer

Info: Bildergalerie unter www.fnweb.de