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Würzburger Mozartfest Sinfonien Anton Bruckners im Kiliansdom begeisterten das Publikum

Orchestrale Klangpracht

Archivartikel

Aufführungen von Sinfonien Anton Bruckners haben im Dom zu Würzburg eine lange Tradition. So fing es an: Bruckners Siebte erklang nach der Wiedereröffnung des Doms mit den Bambergern unter Joseph Keilberth. Die älteren Zuhörer erinnern sich möglicherweise noch an die ausgezeichneten Eindrücke, die jene Darbietung damals hinterlassen hat. Mit Bruckners monumentaler und tief religiöser Musik betritt man gleichsam einen Musentempel, in dem man den Meister von St. Florian wie einen Heiligen verehrt.

Das Konzert begann mit Olivier Messiaens „Prière du Christ montant vers son Père“, „Gebet Christi, der zum Vater auffährt“ aus dem Zyklus „L’Ascension“, „Die Himmelfahrt“. Die Komposition ist weniger bekannt in der vorgelegten Orchesterfassung als das gleichnamige Orgelwerk. Wie Bruckner kommt Messiaen von der Orgel her, greift mystische religiöse Themen auf und hält vergleichsweise eine enge Beziehung zu Bruckner. Der langwierige Streichersound mit ständig wechselnden harmonischen Flächen überzeugte als Überleitungs-und Einstimmungsstück in die Welt Bruckners nicht unbedingt.

Nahtlos leitete Dirigent Manfred Honeck mit den Bamberger Symphonikern dann zu Bruckners Sinfonie Nr.7 E-Dur über. Es muss eine große Genugtuung gewesen sein: Der vom Wiener Publikum, insbesondere vom Kritikerpapst und Brahms-Verehrer Eduard Hanslick als begabter Trottel verlachte 60-jährige Bruckner genoss nach der Leipziger Ur-und Münchner Erstaufführung seiner siebten Symphonie den endlosen Beifall. Bis heute gilt diese Symphonie als Bruckners großartig melodisches und betörend elegisches Werk mit seinem innigen, unter dem Eindruck von Wagners Tod geschriebenen Adagio.

Rhythmische Kraft

Mit der Verwendung von Wagner-Tuben sowie mit Anklängen von Motiven aus Tristan und Walküre respektiert Bruckner Wagner als Wegbereiter der unendlichen Melodie und der üppigen Blechbläserformation. Die Bamberger demonstrierten orchestrale Klangpracht, die den Kirchenraum grandios durchflutete, ohne sich zu behäbigen Weihevorstellungen hinreißen zu lassen. Sowohl die sonore Klangentfaltung, die Durchhörbarkeit der Einzelstimmen als auch die rhythmische Kraft kamen vorzüglich zur Geltung.

Honecks Bruckner zeigte Größe und Wucht nicht nur in dem mit geballter Vitalität fortschreitenden Scherzo. Die Musik wirkte diesseitig, lebendig und atmete klassischen Geist ohne Überdehnung der romantischen Aura.

Eine Wohltat

Eine Wohltat war das Zusammenwirken mit den sorgfältig intonierenden Blechbläsern. Honeck wählte stimmige Tempi, die Gliederung blieb formal übersichtlich, die Raumakustik des Domes exakt mit einkalkuliert. Die Pianissimo-Passagen zeugten von hoher Klangkultur. Diese Siebte erlebte man als tönendes Abbild einer Kathedrale.

In solcher Sichtweise wirkten die grimmigen Tanzweisen des Scherzos und die Ungeduld des Finalsatzes untergeordnet.

Insgesamt waren die Zuhörer im vollbesetzten Kiliansdom hingerissen von der umfassenden Tiefe dieser Musik und auch von der heiteren, rhythmisch elegant pointierten Vortragsweise durch das Bamberger Orchester. Es gab langanhaltenden Beifall.